Das Alter ist nicht trübe, weil darin unsere Freuden, sondern weil
unsere Hoffnungen aufhören.
		-- Jean Paul
%
Die Probe eines Genusses ist die Erinnerung.
		-- Jean Paul
%
Fern von Menschen wachsen Grundsätze, unter ihnen Handlungen.
		-- Jean Paul
%
Jeder Fachmann ist in seinem Fach ein Esel.
		-- Jean Paul
%
Man gibt seine Kinder auf die Schule, daß sie still werden, auf die
Hochschule, daß sie laut werden.
		-- Jean Paul
%
Mit einer Kindheit voll Liebe kann man ein halbes Leben hindurch für
die kalte Welt haushalten.
		-- Jean Paul
%
Wer die Laterne trägt, stolpert leichter als wer ihr folgt.
		-- Jean Paul
%
Die schlimmsten Fehler macht man in der Absicht, einen Fehler
gutzumachen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ich begreife sehr wohl, warum manche ihren Körper so wenig den
Befehlen der Weisheit untertänig machen können. Der, dessen Herz bei
jedem neuen Vorfall zu pochen anfängt, wird über dasselbe anfangs
wenig mit seiner Weisheit vermögen. Denn das Bestreben, den Fehler zu
vermeiden, bringt ihn hervor.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wenn der andre sich mit allen seinen Fehlern, die er noch besser kennt
als ich, erträgt, warum sollte ich ihn nicht ertragen?
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Den Unmut über unsre Fehler lassen wir an der Art aus, mit der der
Freund sie uns entdeckte. Geschah es frei, so zürnen wir über seine
Unbescheidenheit, Plumpheit und Grobheit; geschah es fein, über seine
Verstellung.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wenn einer an einem großen Mann einen Fehler, den er selbst nicht hat,
wahrnimmt, so wünschet er sich sofort Glück, daß er solcher nicht ist.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Er lobt mit Vergnügen die Tugenden des andern und rügt mit Vergnügen
seine Fehler.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Fehler aus relativen Schlüssen: z.B. das Übel und den Wert eines
Menschen verkleinern, indem man beide mit größern vergleicht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man sollte untersuchen: was eigentlich in uns die Wahrheit entdeckt?
Scharfsinn ist's nicht, ein gutes Herz mehr - Mangel des Scharfsinns
ist's nicht, wenn man die feinsten Irrtümer begeht und doch nicht auf
die feinere Widerlegung kommt, aber vielleicht Fehler des Herzens.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ein Hauptfehler, daß man d(em) andern nicht zutrauet, zu bemerken, was
wir bemerken.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ein Genie, das nachgeahmt wird, hat ebendeswegen viele Fehler: denn
sonst schreckt' es ab. (Ramler, Goethe jetzt und sonst)
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man schämt sich eines Sprachfehlers mehr als eines Denkfehlers - eines
Gedächtnisfehlers mehr als eines Schluß-Fehlers.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ich wäre am begierigsten, die Fehler der Engel zu wissen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Friedrich II. hätte vielleicht keinen Fehler gehabt und wäre ein
größerer Mann gewesen, wär er kein König gewesen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man entschuldigt seinen Fehler bei sich dadurch, daß man ihn sogleich
bereuet, und setzt doch bei [einem] andern nicht voraus, daß er den
kleinen sogleich nach dem Begehen bereue.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Es ist ebenso fehlerhaft, nicht überall die Sinnlichkeit, als überall
ihren Sieg voranzusetzen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Fehler, daß man den andern nur widerlegen, nicht überreden will.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Keine Fehler sind von den Besten schwerer zu verzeihen als die der
besten Menschen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Jedes Geschlecht vergibt bloß die Fehler des seinigen dem andern
Geschlecht nicht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wenn man sich eines Fehlers anklagt, so hat man ihn stets größer, als
man ihn malt.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wie Deutsche Straßenraub außer Landes für erlaubt hielten, so Mord im
Krieg 18/12; so überall; Fehler, die man sich nicht gegen seine
Familie etc. und Anhänger erlaubt, verstattet man sich gegen Fremde.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man begeht entweder Fehler des Stolzes oder des Kriechens, wenn man
nicht die Anerkennung des eignen Werts voraussetzt.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Natur bestraft alles, an den Besten auch die kleinsten Fehler und
gerade diese am härtesten.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Es ist der größte Fehler in einem Leben, das man entweder schreibt
oder führt, in der Ferne eine unentwickelte Knoten-Dunkelheit zu sehen
und nicht jetzt gehörig zu entwickeln, sondern mit zugedrückten Augen
zu hoffen, sie gebe sich schon.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Mensch hat mehr Scham über einen scheinbaren (unwirklichen)
Fehler, den der andere ihm vorwirft, als über einen wahren, den man
sich selber endlich eingesteht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
In der Ehe gibt's keine größern Fehler als die wiederkommenden.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Um zu sehen, welche Fehler deine Braut als Frau am meisten haben wird,
gib auf den Tadel der Eltern gegen sie acht, der sie nennen wird.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ein Dichter hat zwar die schnellsten Irrtümer, aber auch dafür die
schnellsten Bekehrungen. Andere haben keinen Standort, um ihre Fehler
zu übersehen, die sich von einem Tal ins andere verlieren.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Oft gehört nichts dazu, den Ehemann zu stillen, der 100 Fehler
vorwirft, als sie alle rein-denkend zuzugestehen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ein Lehrer, Hausvater ärgert sich gerade über die wiederkommenden
Fehler am meisten, da ers als über in der Natur gegründete am
wenigsten sollte.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Kurz nach einem Fehler ist der bereuende Mensch am besten, weil er
demütig ist.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Hagestolz hat das Unglück, daß ihm niemand seine Fehler frei sagt;
aber der Ehemann hat dies Glück.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Leider gewöhnt man sich immer mehr an die Tugenden des Bekannten und
haßt entwöhnt immer mehr dessen Fehler, je länger man mit ihm umgeht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Was Freundschaft, Ehe, Dienstbotenliebe so bald schwächt, ist, daß man
alle die Tugenden, womit jemand anfängt, nur kurz im Anfange, aber
später nur als notwendige Basis schätzt, von der man anfängt, die
Fehler und die Tugenden zu berechnen. Ein kleiner Fehler oder Abgang
wird einem Tugendreichen schwerer verziehen als einem Tugendarmen
seine ganze Armut. An nichts leichter gewöhnt sich der Mensch bis zur
Vergessenheit und Undankbarkeit als an den Wert des andern. - So
können 2 Eheleute ihre Verdienste steigern; da es aber beide tun,
rechnet es kein Teil dem andern zum Verdienst an.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man hüte sich, irgendeinen Vorzug, z.B. die Dienstfertigkeit der
Barner, zu einem ganzen Charakter zu erheben - jede bedeutende
Eigenschaft ist im Zusammenklang mit dem Ganzen zu erklären und zu
würdigen; und so wird manche Tugend bleicher werden und mancher Fehler
sanfter sich verflößen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Satiren können in der großen Welt nicht an der moralischen Seite
bessern, weil die Unsittlichkeit das Lächerliche verloren oder doch
leicht verschmerzt; höchstens an der intellektuellen, zu welcher auch
die moralische umzudrehen ist; denn Fehler des Verstandes bleiben
immer den Pfeilen der Satire frei. Aber Darstellung großer moralischer
Kräfte hebt die gesunknen der großen Welt.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Das Höchste der Humanität: über keinen Vorzug einen Fehler zu
übersehen - und über keinen Fehler einen Vorzug - und so sich falsch
weder erwärmen noch erkälten zu lassen, sondern alles einzuschichten.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Alle Stärke liegt innen, nicht außen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die größere Stärke wäre, bei der Kraft, wie ein ungewöhnlicher Mensch
zu leben, der Entschluß, zu leben wie ein gewöhnlicher.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Schwätzer von lohnendem Bewußtsein guter Taten haben wenig getan -
sie hätten sie sonst vergessen -, sie hätten sich sonst erinnert, daß
die Gewissensbisse mit der Stärke des Gewissens steigen und daß die
besten Menschen sich mehr vorwerfen als die schlimmsten.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Nichts ist an Rousseau so groß - der sich selber kleiner darstellet,
als er war, wie bei jedem großen Mann der Fall sein müßte, wenn er uns
in alle Ecken seiner Seele blicken ließe - als dieses, daß er mitten
im Leben der großen Welt und in Paris seine hohen Grundsätze
entwickelte und behielt. Diese Festigkeit gegen die untergrabende
Zerstörung der äußern Welt ist die höchste Stärke der Seele.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Bei dem Jüngling, der sich an einen neuesten Lehrer hängt, ist's ein
Zeichen der Schwäche; des Greis(es), ders tut, ein Zeichen der Stärke.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Ehen werden so schlecht, weil die Männer sich nicht entschließen
können, Liebe an die Stelle der Kraft und der Gründe zu setzen und nur
mit Recht und Stärke wirken wollen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man (z.B. der Gelehrte, Dichter) gewinnt in Gesellschaft nicht so
viel, wenn man durch Stärke die Feinheit ersetzen will, als andere,
die es umkehren.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Besitz macht uns nicht halb so glücklich, wie uns der Verlust
unglücklich macht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wurst ist eine Götterspeise. Denn nur Gott weiß, was drin ist.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der schönste, reichste, beste und wahrste Roman, den ich je gelesen,
ist die Geschichte.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Geschichten, die man in der Kindheit las, nehmen etwas vom Zauber
unserer eignen Kindheit an.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Das erste Mal liest man einen Roman etc. der Geschichte wegen, das 2.,
3. etc. des Inhalts (Gehalts), Bemerkungen etc. wegen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Mensch wird wie der Stahl hart - durch öfteres Abkühlen nach
Erhitzung.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Das Alter ist trüber als die Jugend, nicht, weil seine Freuden,
sondern weil die Hoffnungen erloschen sind.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Mensch genießet den jetzigen Augenblick nicht, wenn er nicht gewiß
weiß, daß der künftige auch Glück zuführt. Daher quälet er sich mit
der Jagd nach Hoffnungen und mit der Flucht vor Befürchtungen. Um nun
eine störende Befürchtung loszuwerden, bequemet er sich lieber zu den
tollsten Hoffnungen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Zeit ist eine Larve der Ewigkeit.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Nur wer irgendein Ideal, das er ins Leben ziehen will, in seinem
Inneren hegt und nährt, ist verwahrt gegen die Gifte und Schmerzen der
Zeit.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wer die Wahrheit geigt, dem schlägt man leicht die Fiedel auf den
Kopf.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Kinder und Uhren dürfen nicht ständig aufgezogen werden, man muß sie
auch gehen lassen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man muß seine Frau lieben - oder seinen Mann - wie die Kinder; man
findet bessere und schönere; aber man vertauscht doch nicht. Man
schlägt die Kinder und verläßt sie doch nicht.
		-- Jean Paul
%
Man fordert von Kindern das Unmögliche, daß sie Ehe, Kinder und alles
sehen, und rein nichts erraten, auch von weitem her.
		-- Jean Paul
%
Das große unzerstörbare Wunder ist der Menschenglaube an Wunder.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Spaß ist unerschöpflich, nicht der Ernst.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Den Verstand, Witz etc. des andern (Ehe) kriegt man satt, nie sein
gutes Herz: nur dieses ist unerschöpflich.
		-- Jean Paul
%
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben
werden können.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Flamme der ehelichen Liebe gibt oft nur Kohle, einander zu
schwärzen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Um zur Wahrheit zu gelangen, sollte jeder die Meinung seines Gegners
zu verteidigen suchen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Furchtsame erschrickt vor der Gefahr, der Feige in ihr, der Mutige
nach ihr.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Kunst ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Mut besteht nicht darin, daß man die Gefahr blind übersieht, sondern
darin, daß man sie sehend überwindet.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort
benutzte, war der Begründer der Zivilisation.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Das Ansehen der Großen beruht auf der Ehrfurcht der Kleinen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Es ist der Wahrheit nicht zuträglich, wenn ein großer Kopf mit einem
dummen Gegner streitet. Da jener diesen für zu gering ansieht, so wird
er ihm auch da nicht Recht lassen, wo er's hat.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wenn der Feige vor andern sich an seinem Feinde zu rächen drohet oder
schon gerächt zu haben lüget, so folget er hierin weniger seinem
Stolze, für tapfer zu gelten, als seinem Zorne, zu dessen Auslassung
der ganze Körper kein anderes Glied als die Zunge anbietet, und der
sich mutig zu machen sucht, indem er's scheinen will.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man hat nicht bei jeder Person denselben Witz. Es gibt Leute, bei
denen es unmöglich ist, witzig zu sein. Ein Witziger ist es selten bei
einem Witzigen, am wenigsten bei höheren Personen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man lobt den andern lieber in Briefen als ins Gesicht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wer nicht den Mut hat, auf seine eigne Art närrisch zu sein, hat ihn
schwerlich, auf seine eigne klug zu sein.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Skeptiker liebt den Orthodoxen mehr als den Heterodoxen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Nur recht berühmte Leute kann man leicht fein loben.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Das System, das ein großer Mann erfunden, können kleine nicht
verteidigen; auch zum letzteren gehört ein großer.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wir suchen der Nachwelt bekannt zu werden und grämen uns doch nicht,
es der Vorwelt nicht zu sein.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Professor schreibt seine Lektionszettel flüchtig, weil er seine
Unabhängigkeit von Studenten zeigen will.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der lügt am sichersten, der die Wahrheit nur verfälscht und keine
ganze Lüge erdichten darf; bei jedem nimmt er ein andres Stück
Wahrheit weg und setzt eine andre Lüge hinzu.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Nacht ist so zu Träumen eingerichtet, daß man auch wachend in
Träume gerückt wird; man wird von ihr traumtrunken.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch hat seine Lieblingsausdrücke, das Schöne zu loben.
		-- Jean Paul
%
Die Satire bessert selten. Darum sei sie nicht bloß lächelnd, sondern
bitter, um die Toren, die sie nicht bessern kann, wenigstens zu
bestrafen.
		-- Jean Paul
%
Kritik lernt man mehr von eignen Arbeiten als von Kunstrichtern.
		-- Jean Paul
%
Die Schriftsteller, welche ihre Schriften mit der Feile in der Hand
verfertigen, werden im gemeinen Leben wenig oder schlecht sprechen.
Sie sind zu sehr gewohnt, gut zu sprechen, um geschwind zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor sollte unter die Schönheiten, die nur Kenner fühlen, immer
solche mit mischen, die auch der schlechte Leser fühlt.
		-- Jean Paul
%
Man erwartet in den Anmerkungen eines Buches schlechtern Stil.
		-- Jean Paul
%
Vor Frauenzimmern darf man bloß Männer loben.
		-- Jean Paul
%
In einer schlechten Kleidung gelingt das Artigtun weniger als in einer
guten.
		-- Jean Paul
%
Der gefällt nicht, der fürchtet, nicht zu gefallen; denn die
Ungezwungenheit, die allen übrigen Schönheiten des Umgangs erst ihren
Wert und oft ihr Dasein gibt, verschwindet mit der Furcht.
		-- Jean Paul
%
Eine witzige Schmeichelei verzeiht sogar der Bescheidenste.
		-- Jean Paul
%
Bei der Geliebten nur darf man von sich reden.
		-- Jean Paul
%
Die Verstellung hilft unter Leuten, denen wir ähnlich sind, nichts.
		-- Jean Paul
%
Welcher Unterschied, ob wir mit dem abgenommenen Hute einen Halbzirkel
beschreiben oder ihn senkrecht bis zur Brust herunternehmen.
		-- Jean Paul
%
In unsern Gesprächen verweilen wir bei einem witzigen Gedanken und
bestreiten den ernsthaften, anstatt es umzukehren.
		-- Jean Paul
%
Ein einziger Geruch weckt ganze Gruppen von alten Empfindungen wieder
auf; wirkt mehr auf die Phantasie als selbst das Auge.
		-- Jean Paul
%
Man freuet sich über die Standhaftigkeit des Missetäters, weil er
dadurch unser Gefühl der Unterwürfigkeit unter die Obrigkeit mildert.
		-- Jean Paul
%
Man verteidiget oft eine Sache mit schwachen Gründen, weil man die
stärksten sich nicht zu sagen getraut.
		-- Jean Paul
%
Mit zu großer Traurigkeit sympathisieren wir leichter als mit zu
großer Freude, die Sympathie wächst mit jener, nicht mit dieser.
		-- Jean Paul
%
Ganz anders und besser versteht und goutiert man einen Autor, wenn man
ihn über eine Sache lieset, über deren Aufklärung man eben jetzt
verlegen ist.
		-- Jean Paul
%
Man ist neugierig, die Stellen im Buche zu lesen, die ein andrer
unterstrichen hat.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch gehet allezeit, wenn er sich noch so lange gegen eine
Meinung gesträubt, endlich zu ihr mit Leidenschaft über.
		-- Jean Paul
%
Man läßt sich herunter zu denen, die man liebt, wenn sie klein sind,
bis auf einen gewissen Grad, zu dem man sich nie aus Liebe gegen
Größere herablassen würde, und Sokrates ritt wohl mit seinen Kindern,
aber nicht mit Größern auf dem Steckenpferd.
		-- Jean Paul
%
Wenn man die Verteidigung nicht widerlegen kann, tadelt man die Art
derselben.
		-- Jean Paul
%
Ein Dummer mit Lebhaftigkeit ist das lächerlichste Geschöpf.
		-- Jean Paul
%
Wenn einer alle die Hindernisse überdenkt, die sein ganzes Leben durch
seine Entwicklung bestritten hatten, so ruft er aus: »Was hätt ich
nicht werden können!«
		-- Jean Paul
%
Es ist falsch, daß gewisse Laster einen großen Geist beweisen. Nicht
das Laster selbst, sondern die Mittel, durch die man es ausübt,
bestätigen die Größe.
		-- Jean Paul
%
Wenn Seneca sagt, Gott könne nichts lieber sehen als einen
tugendhaften Mann im Widerstande gegen das Unglück, so setzte ich
hinzu: als einen im Genusse einer erlaubten Freude.
		-- Jean Paul
%
Es ärgert einen, wenn man ihm die zu lesende Zeitung voraussagt.
		-- Jean Paul
%
Man kann gegen ein Laster mit dem größten Nachdruck predigen und es
doch ausüben, ohne zu heucheln.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Leute, die, um tugendhaft zu sein, erst Gelegenheit brauchen.
		-- Jean Paul
%
Die Republik zeugt und ermordet große Männer; die Monarchie tut das
erstere nicht; jene lässet sie große Taten tun und belohnet mit
Undank, diese verbeut große Taten.
		-- Jean Paul
%
Niemand denkt über den verschiedenen Wert großer Autoren verschiedener
als große selbst.
		-- Jean Paul
%
Eine Frau kann einem Achtung für ihr Geschlecht einflößen, aber
mehrere auf einmal vermindern sie.
		-- Jean Paul
%
Manche können nur fremde Meinungen, nicht ihre eignen berichtigen.
		-- Jean Paul
%
Wenn man von gewissen Sekten etc. höret: glaubt man, sie wären
unsinnig, so etwas zu glauben. Aber wenn man mit ihnen bekannt wird:
findet man wenigstens Zusammenhang in ihren Irrtümern.
		-- Jean Paul
%
Zuviel Enthusiasmus in der Tugend macht auf den folgenden Augenblick
desto kälter und schadet also.
		-- Jean Paul
%
Wenn ich in der Jugend jemand seine Nase mit Geräusch reinigen sah,
hoffte ich es einst auch tun zu können und beneidete ihn.
		-- Jean Paul
%
Bei den gemeinen Leuten ist man vornehm delikat, bei den Vornehmen
zynisch.
		-- Jean Paul
%
Die Personen können sich am leichtesten verstellen, die vorher gut
waren; wie Schauspieler die Rollen, die ihrer natürlichen am nächsten
kommen, gut spielen.
		-- Jean Paul
%
In der Einsamkeit wird der gute Teil des Menschen, in der Menge der
schlechte vergrößert; jener bekommt dort die Waffen, dieser fühlt sie
hier. In der Gesellschaft lernt man die Tugend nicht.
		-- Jean Paul
%
Wenn man fragt: »Würde mit der Leidenschaft nicht manche gute Tat
wegfallen?« so heißt das: »Würde der, der, weil er keinen Zorn hätte,
eine gute Tat unterließe, nicht Trägheit an dessen Statt haben?« Das
heißt aber: »Welches ist besser, dieses oder jenes Laster?« und unsre
Frage war doch: »Ist's nicht überhaupt besser, kein Laster zu haben?«
		-- Jean Paul
%
Die Gewohnheit der Vollkommenheit des Freundes macht gegen ihn
ungerecht. Man denke sich dieselbe an einem andern, wie würde man ihn
lieben!
		-- Jean Paul
%
Wenn man in einem wirksamen Helfen begriffen ist, wird man von den
Seufzern des Leidenden minder gerührt.
		-- Jean Paul
%
Wenn der andre ein wenig Genie zeigt, so werden wir neidisch und
ungerecht gegen ihn sein; wenn er aber uns zu sehr übertrifft, nicht.
		-- Jean Paul
%
Je sinnlicher die Seelenkraft, worin man hervorsticht, desto
origineller; daher sind am meisten originell die Musiker, weniger die
Maler, noch weniger die Poeten, und am wenigsten die Philosophen.
		-- Jean Paul
%
Das Schönste, was wir in der Vergangenheit antreffen, ist die
Hoffnung.
		-- Jean Paul
%
Wenn man sich etwas erinnern will, hebt man den Kopf in die Höhe.
		-- Jean Paul
%
Kleiner Schmerz ist in Augenblicken leidlich, aber nicht in der
Fortdauer; also liegt die Ursache unserer Ungeduld darin, daß er uns
immer unterbricht.
		-- Jean Paul
%
Die Vernunft kann, wenn sie einer Leidenschaft oder Empfindung ihren
Ungrund und ihre Narrheit noch so deutlich zeigt, sie doch nie
aufheben, sondern höchstens schwächen.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch ist in einer Sache ordentlich.
		-- Jean Paul
%
Jeder bewundert den Mut des andern und findet seine Freiheit edel;
treffen beide ihn, dann erregen sie seinen Zorn.
		-- Jean Paul
%
Mit wieviel tausend kleinen Mitteln muß sich der Mensch abgeben, ehe
er mit etwas Großem sich beschäftigen kann.
		-- Jean Paul
%
Man würde die Menschen leichter kennen, wenn man nicht jede Handlung
als die Folge von Grundsätzen ansähe; man hält zu selten eine für
Kaprize, aus der nicht auf den Hauptcharakter zu schließen ist.
		-- Jean Paul
%
Ein großer Schritt zur Tugend ist, daß man nicht alles an sich liebt,
seine Kleinigkeiten, Geschmack im Essen etc.
		-- Jean Paul
%
Jede Verleumdung, wenn man sie auch verwirft, läßt eine geringere
Meinung vom Verleumdeten auf kurze Zeit zurück.
		-- Jean Paul
%
Wenn man beim Erzählen eines fremden Scherzes selbst sehr lacht, so
gewinnt er; bei dem eines eignen, so verliert er.
		-- Jean Paul
%
Man wird mit weniger Anstoß über Glaubenssachen spotten als streiten,
weil man im ersteren Falle doch noch daran zu glauben scheint.
		-- Jean Paul
%
Das Lob einer besondern Eigenschaft setzet dem Verdachte der
Schmeichelei aus, da der andre sich seiner Schwäche darin vielleicht
bewußt ist; aber ein allgemeines Lob wird für keine gehalten, weil
jeder sich vortrefflich im Ganzen hält.
		-- Jean Paul
%
Die Mutter liebt der Art Menschen, von der ihr Sohn ist; gibt dem
Handwerksburschen, wenn ihr Sohn einer, mehr.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch wünscht sich im Frühling zu verlieben.
		-- Jean Paul
%
Die Finger, wenn sie beschmutzt sind, auseinandergebreitet tragen.
		-- Jean Paul
%
Der Wirt ist stets aufrichtiger als der Gast.
		-- Jean Paul
%
Wer in einer Gesellschaft ein Bonmot erklärt, hat seine Feinheit nicht
verstanden.
		-- Jean Paul
%
Die Bewunderung nützt nicht sowohl dem Gegenstande als dem Subjekt am
meisten; man freuet sich über die Größe des Menschen und daß man sie
empfindet.
		-- Jean Paul
%
Wenn ich mit einem Freunde zürne, werd ich sogleich wieder gut, sobald
ich eine Gelegenheit bekomme, ihm einen Dienst zu erweisen etc.
		-- Jean Paul
%
An andern liebt man Vollkommenheiten, an sich sich.
		-- Jean Paul
%
Alles Vergnügen kommt von ungefähr und fället aus den Wolken; an dem,
das man lange erwartet, ist selten viel.
		-- Jean Paul
%
Wir schämen uns mehr vor uns selber, wenn wir uns einer Torheit, als
eines Lasters erinnern.
		-- Jean Paul
%
Jeder sieht nun ein, daß die Verleumdung von ihm lüge; und doch
vermutet er nicht, daß sie auch von andern Leuten lügen könne.
		-- Jean Paul
%
Ein witziger Kopf ist nirgends vergnügter und glänzender, als wo ein
Narr mit ist.
		-- Jean Paul
%
Wenn euch ein feiner Kopf etwas Alltägliches zu sagen scheint: so
glaubt gewiß, daß ihr ihn nicht verstanden und daß er zu fein gewesen.
		-- Jean Paul
%
Nach einer großen Sünde begeht jeder die kleine, die sie verdeckt,
ohne alles Bedenken.
		-- Jean Paul
%
Er hatte Lebensart, nicht um sie zu zeigen, sondern aus Menschenliebe
und Schonung: denn Lebensart ist die Tugend auf kleine Gegenstände
angewandt.
		-- Jean Paul
%
Solang einer noch kein System hat und die Wahrheiten ungeordnet in
seinem Kopfe liegenlässet, so lange liebt [er] schwerlich die
Wahrheit: ich glaube, zuweilen ist ihm wahrhaftig eine Lüge noch
lieber.
		-- Jean Paul
%
Nicht alle Menschen bedürfen notwendig des Wechsels der Moden (denn
die Araber sind auch Menschen); aber wohl die Franzosen unter ihnen.
		-- Jean Paul
%
Kein Autor sollte sich über etwas zu schreiben hinsetzen, dem es nicht
unbeschreiblich ärgert, daß er keinen Folioband darüber schreiben
kann. Wehe ihm, wenn er einen Gedanken sucht und nicht jede Minute 10
abweiset.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat eine andre Art, das Geld zu zählen; der eine nach 4, der
andre nach 5 Groschen.
		-- Jean Paul
%
Es ist beinahe noch schwerer, gut zu schreiben, als ebensogut zu
reden: denn zu jenem hab ich nicht mehr Zeit als bei diesem, weil gute
Gedanken doch schnell entstehen.
		-- Jean Paul
%
Habe für alle menschl(iche) Meinungen eine Ehrfurcht und glaube, daß
ihr zu sehr Wesen einerlei Art seid, als daß du über eine ganz lachen
könntest, die ein Wesen deiner Art geglaubt und zu der es gewiß Gründe
nötigten. Der Weise spüret alle Tage mehrere Irrtümer der Menschen und
mehrere Scheingründe, durch die sich jene Irrtümer einschmeichelten,
zum Gegengifte der Selbstgenügsamkeit auf.
		-- Jean Paul
%
Sich eines philosophischen Satzes zu erinnern, braucht man mehr Zeit
als eines historischen: jenen schafft man beinahe wieder mit.
		-- Jean Paul
%
Wenn uns das Böse als Böses Reue macht und nicht als Wirkung der
Strafe: warum bereuen wir einen bösen Willen, einen bösen Entschluß,
der nicht ausgeführt wurde, nicht ebensosehr als eine böse Handlung?
		-- Jean Paul
%
Er zog sein schlechtestes Kleid an, wenn er mit einem ausging, der
ärmer als er war.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch ist gut und will nicht, daß man vor einem andern als ihm
selber krieche.
		-- Jean Paul
%
Es gehört schon zu den Widersprüchen des Menschen, daß er welche zu
haben glaubt.
		-- Jean Paul
%
Der Dumme denkt, man hat keine andern Wege, ihn auszulisten, als
seine.
		-- Jean Paul
%
Man will nicht nach seinem Äußerlichen geschätzt sein, und andre
schätzt man doch mit den Augen.
		-- Jean Paul
%
Die 11. Gefälligkeit für den, dem du 10 erwiesen, ist die Gelegenheit,
dir eine zu vergelten.
		-- Jean Paul
%
Gestorbne Freunde sind Ketten, die uns von der Erde ziehen und fester
mit einer bessern Welt verknüpfen.
		-- Jean Paul
%
Die Empfindungen sind nur mit Empfindungen zu besiegen.
		-- Jean Paul
%
Wienach kann im Traume die Seele über eine Person nachdenken, indessen
s(elber) die Person ein Gedanke von ihr ist? -
		-- Jean Paul
%
Wer nicht immer weiser wird, der ist nicht einmal weise.
		-- Jean Paul
%
Es ist Eitelkeit, wenn man denkt, gute Bücher nützen nicht; wir bilden
uns ein, andre könnten nicht den Epiktet so gut nützen wie wir.
		-- Jean Paul
%
Wer weiß, daß er uns gefället, dem gefallen wir.
		-- Jean Paul
%
Schwere Bücher machen eben denen Vergnügen, die sonst das wenigste
genießen, eklen Kennern.
		-- Jean Paul
%
Unbeständigkeit gegen seinen Vorsatz heißet sich selber das Wort
brechen, welches man sowenig wie gegen einen andern darf: da dieselbe
schädliche Folge des Mißtrauens daraus entsteht.
		-- Jean Paul
%
Was hat man für Recht dazu, dem Pöbel, dem größern Teil der Menschen,
die Aufklärung vorzuenthalten? Wer gab uns das Recht, der Richter
seiner Einsicht und seines Schicksals zu sein? Wenn er die Aufklärung
mißbraucht: so wird er es nicht mehr tun als die, die jetzt aufgeklärt
sind. Freilich der Übergang von Finsternis zu Licht geschieht allemal
in einem Orkan. - Man regiert, um sie dumm zu erhalten: und erhält sie
dumm, um sie zu beherrschen.
		-- Jean Paul
%
Den Schlimmen vertritt der Argwohn die Stelle des Verstandes, und
[sie] sind eben darum vor Überlistung beschützt.
		-- Jean Paul
%
Schlimme Leute befinden die guten am ersten falsch, weil diese jene
nicht bei andern billigen können.
		-- Jean Paul
%
Verwandtschaft d(er) besten mit d(en) falschen Syst(emen): Es gibt
schwerlich einen wahren Satz, um den nicht verwandte Bastarde stehen;
um den Stoizismus steht der Quietismus und Foismus. Wie nahe grenzt
die Enthaltung des Mönchtums an das Christentum! Dies gibt uns die
Regel: da, wo wir einen wahren Satz so weit treiben, daß er mit allen
unsern Empfindungen und Denkart zu kriegen anfängt, zu stutzen und
zurückzukehren.
		-- Jean Paul
%
Worauf gründen denn die höhern Stände ihr Vorrecht an alle Wahrheiten,
die dem Volk entstehen? Etwan, weil sie schon die Vorkenntnisse haben,
die sie vor dem Mißbrauche neuer Wahrheit bewahren? Nun so gebe man
dem Volke die Vorkenntnisse. Oder darum, weil sie regieren und nicht
gehorchen dürfen? Unmöglich kann Aufklärung den Gehorsam gegen
nützliche und gerechte Befehle aufheben: aber wohl gegen ungerechte.
Sie sagen, sie können nicht regieren, wenn das Volk aufgeklärt würde,
und sie regieren bloß, damit es es wird. Freilich gehorcht das mündige
Kind dem Vater nicht mehr, sondern seinem eignen Verstand, den eben
der Gehorsam dazu bildete.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat etwas, worin er selbst denkt, und etwas, worin er nachbetet.
		-- Jean Paul
%
Es gibt verbindende und trennende Köpfe. Jene erfinden Systeme oder
Epopäen, kurz, sie reißen mit schöpferischer Hand auseinanderstehende
Ideen zusammen. Der philosophische Erfinder braucht so gut die Flügel
der Dichtungskraft als der poetische. Die trennenden Köpfe brauchen
bloß Scharfsinn, sie werfen ähnlich scheinende Ideen auseinander und
sind keine Systematiker, lieber Skeptiker, Bayle.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch schneidet nicht seine Handlungen und Neigungen nach seinen
Grundsätzen, sondern diese nach jenen zu, und die Neigung ist eher als
die Maxime da. Der Mann nach und der ohne Grundsätze sind nur darin
verschieden, daß jener seine Neigung in e(inen) allgemeinen Satz
verdolmetscht.
		-- Jean Paul
%
Nicht die wenigen Strahlen von Vergnügen, die in dieses Leben fallen,
machen es uns so wert: sondern das unnennbar süße Gefühl, zu sein, das
Leiden kaum stören, machts.
		-- Jean Paul
%
Feigheit macht so gut dem Menschen das Schlimmste zutrauen als Argwohn
und eigne Bosheit.
		-- Jean Paul
%
Nichts hasset man so, als die erste Äußerung eines Lasters, das man
nicht erwartet.
		-- Jean Paul
%
Die Tugend des andern fühlen und ehren seine Untergebnen am meisten,
weil sie sie beglückt - seine Gleichen und Obern nicht, weil sie ihnen
widersteht.
		-- Jean Paul
%
Bloß die Großen schreiben wie die Alten, ohne Brotgier, ohne Rücksicht
auf Leser, bloß in den Gegenstand versenkt.
		-- Jean Paul
%
Indem man oft zu neuen Erfahrungen und Kenntnissen den Namen suchen
will: findet man, daß man den Namen schon längst, aber ohne Idee, bei
sich getragen.
		-- Jean Paul
%
Von der Gleichförmigkeit der Seele. Dem Witzigen wird es ebensoschwer,
einen Einfall eines Dummen zu verstehen als umgekehrt. Für jeden
Menschen gibt es nur eine gewisse Art Menschen, die für ihn passet;
bei den andern befindet er sich immer in einem Grade unbehaglich und
gedrückt. Der mit einem großen Herzen leidet in den
Alltagsgesellschaften mehr als diese von ihm; denn diesen macht er
wenig(er) Langeweile, weil sie ihn für neu und närrisch halten.
		-- Jean Paul
%
Um in Gesellschaft etwas zu erfahren, muß man die Antwort nicht durch
eine Frage, sondern eine Veranlassung herauslocken.
		-- Jean Paul
%
Dem Fürsten durch ein Gesetz die gesetzgebende Gewalt geben heißt sich
selber vernichten - soviel, als wollt einer seiner Geliebten alles
aufopfern, sogar seine Liebe. Man kann nichts bewilligen und geben,
als was man kannte und wollte; man kann also dem Fürsten keine Gewalt
zu den Gesetzen gegeben haben, die man nicht wußte und die uns
schaden. Aber auf der andern Seite: wie weit erstreckt sich der
Nachkommenschaft Verbindlichkeit, unter Gesetze sich zu bücken, die
sie nicht gegeben? Sowenig ein Volk einem andern Volk Gesetze geben
kann: sowenig die Mitwelt der Nachwelt.
		-- Jean Paul
%
Ironie ist der Weg und Übung zur Laune.
		-- Jean Paul
%
Wir können keine Leidenschaft etc. ohne ihre immerwährende Dauer
fühlen. Wir können nicht glauben, jemand aufhören zu lieben, den wir
lieben. Vielleicht ist's das nämliche, als was man >glauben< oder für
wahr halten hält.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man sich in seine Materie hineinarbeitet und jede Ideenfaser
wieder zerfasert: desto origineller und ungenießbarer wird man, z.B.
Sterne.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man mit einer Empfindung, Bemerkung vertraut ist: desto
allegorischer und versteckter drückt man sie aus.
		-- Jean Paul
%
Da kein Geschmack früher als der Gegenstand da sein kann, den er
genießt und der ihn bildet: so muß die Tristramische Laune erst
mißfallen, eh sie gefället, und den Geschmack zeugen, der sie
goutiert.
		-- Jean Paul
%
Wir haben nichts darwider, was der andre von sich hält, wenn er nur
von uns noch mehr hält.
		-- Jean Paul
%
Wenn es keine Freiheit [gibt] und unsre Triebe bloß uns stoßen: woher
kömmt's denn, daß uns der erste beste Trieb nicht fortreis[s]et? was
ist denn das Vermögen, Entschließungen abzuwägen, oder vielmehr das
Vermögen, sich zur Anwendung jenes Vermögens ins Äquilibrium zu
setzen?
		-- Jean Paul
%
Oft sind am besten Menschen dessen größte Tugenden und größte Flecken
unbekannt.
		-- Jean Paul
%
Wir sagen >das Leben nehmen<, während nur Jahre genommen werden.
		-- Jean Paul
%
Nichts macht die Menschen vertrauter und gegeneinander gutgesinnter
als gemeinschaftliche Verleumdung eines dritten.
		-- Jean Paul
%
Die Leute hassen am wenigsten, die ihren Haß in Spott und Laune
auslassen.
		-- Jean Paul
%
Man muß seine Behauptungen nie entscheidend in Gesellschaft
aufstellen, weil man sonst andern Mut und Lust benimmt, sie
anzufechten. Einer, der alle seine Sätze mit einem >vielleicht<
entkräftet, lockt aus andern ihre Widersprüche und Meinungen.
		-- Jean Paul
%
Außer der Einsamkeit macht nichts so stolz als eine Gesellschaft, die
sich immer untereinander lobt.
		-- Jean Paul
%
Gegen den Bekanntesten fühlt man größere Achtung, wenn andre sie ihm
erzeigen.
		-- Jean Paul
%
Zeige nie in Reden Trotz und Mut, sondern in Taten - weniger Feinde
machst du.
		-- Jean Paul
%
Wenn es keine Freiheit gibt: wie kömmt denn der ganz Lasterhafte zum
Gefühl, daß er sie verloren? »Bloß weil er das starke Gewicht der
einen Gründe fühlt« - allein der Tugendhafte fühlt auch seines, aber
keinen Freiheitsverlust.
		-- Jean Paul
%
Wenn das, was du dem andern sagst, nicht entweder ein Merkwort zur
Erinnerung oder ein Funke zur Erfindung ist: so versteht er dich
nicht; ihr müßt euch voneinander bloß in der Zeit der Erfindung
unterscheiden.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat mehr Selbstliebe, als man ihm zutraut.
		-- Jean Paul
%
Alle große Torheiten, Schwärmereien etc. kamen daher, daß man - zu
konsequent war, immer fortschloß, ohne Rücksicht auf Menschenverstand;
z.B. Mönchtum; Skeptizismus etc.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Fühlsamkeit und der Enthusiasmus der jüngern Jahre ist in
ältern vermindert, sondern man kann nur, bei erweitertem Ideenkreis,
von andern, bessern, also seltnern Gegenständen gerührt werden.
		-- Jean Paul
%
Nichts erkältet Liebe so leicht als Beschämung.
		-- Jean Paul
%
Die toleranten Menschen haben nicht die meiste Liebe.
		-- Jean Paul
%
Freude macht aufrichtig.
		-- Jean Paul
%
Große Seelen fallen am ersten in Selbstverachtung.
		-- Jean Paul
%
Keine Absichten werden leichter und allgemeiner erraten als die des
Eiteln. Dies setzt allgemeine Eitelkeit voraus.
		-- Jean Paul
%
Denken lernt man nicht an Regeln zum Denken, sondern am Stoff zum
Denken.
		-- Jean Paul
%
Wie verschieden, ob man sich in die Ober- oder Unterlippe beißet!
		-- Jean Paul
%
In jeder neuen Lage tritt man ein wenig aus der Philosophie heraus.
		-- Jean Paul
%
Man wird am leichtesten verschwiegen unter Leuten, die es nicht sind.
		-- Jean Paul
%
Beredsamkeit ist bloß Deutlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Im nämlichen poetischen Kopf verschönert sich neben der Tugend auch
das Laster.
		-- Jean Paul
%
Der Autor vermengt das Vergnügen, das ihm ein Buch als Künstler gibt,
mit dem, das es andern als Lesern gibt.
		-- Jean Paul
%
Alle, die nur für Leute eines Fachs schreiben, z.B. Theologen,
schreiben deswegen elend.
		-- Jean Paul
%
Solang ein Mensch ein Buch schreibt, kann er nicht unglücklich sein.
		-- Jean Paul
%
Aus Instinkt übt man die feinsten Umgangsregeln aus, über die man
erstaunt, wenn man sie liest.
		-- Jean Paul
%
Was man selbst erfahren, kann man auch andern vortragen, obgleich es
ihnen etwas Altes ist.
		-- Jean Paul
%
Es ist die größte Weisheit, sich über die Menschen hinauszusetzen,
ohne sie zu hassen oder zu verachten.
		-- Jean Paul
%
Mit manchen Dingen muß man prahlen, um sich ihrer nicht zu schämen.
		-- Jean Paul
%
Der denkende Teil in mir entdeckt in der Welt überall Ordnung, nur der
empfindende nicht, der nicht der Zuschauer, sondern ein Glied dieser
Kette ist.
		-- Jean Paul
%
Bloß darum müssen wir soviel lesen, weil wir alles in 10 Büchern lesen
müssen, anstatt es aus 1 zu merken.
		-- Jean Paul
%
Der neueste Gedanke altert unter der Hand eines gemeinen
Schrift(stellers), der älteste verjüngt sich unter der Hand eines
guten.
		-- Jean Paul
%
Dem Talent und Körper verzeiht man alles, der Tugend nichts.
		-- Jean Paul
%
Man hat eine Wahrheit lange gehört, verstanden, gelobt, eh man sie
verdauet und zum Teil seines Ichs macht.
		-- Jean Paul
%
Die Kunst des Arztes wohnt zwischen der Ohn- und Allmacht der Natur
mitten.
		-- Jean Paul
%
Die Situation wird nicht durch die Worte gehoben, sondern diese durch
jene.
		-- Jean Paul
%
Zur Freundschaft gehört: daß wir einander gleichen, einander in
einigem übertreffen, einander in einigem nicht erreichen.
		-- Jean Paul
%
Ich habe nie eine einzige Bemerkung allein gemacht, sondern es fiel
mir allezeit noch eine zweite ein.
		-- Jean Paul
%
Ich bedaure nichts, was ich auf der Erde verloren, keine Jugend und
keine Freude - außer dem Verlust der hohen Vorstellung, die ich von
allen diesen gehabt.
		-- Jean Paul
%
Es gibt nichts Wollüstigeres, als einen Freund zu loben.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Jüngling und ein Mädgen miteinander einen Fehltritt begehen,
so werden beide nur von dem Geschlecht entschuldigt, zu dem sie nicht
gehören.
		-- Jean Paul
%
Man verdirbt unter Leuten, die einen nicht übertreffen.
		-- Jean Paul
%
Man fühlt das Bedürfnis zu unterhalten nie, wenn man interessante
Gedanken hat oder zutraut; - nicht bloß in der Liebe.
		-- Jean Paul
%
Das Gefühl findet, der Scharfsinn wägt die Gründe.
		-- Jean Paul
%
Eitelkeit ist darum so schwer abzulegen, weil man sie, unter allen
Lastern allein, den ganzen Tag genießen kann.
		-- Jean Paul
%
Zwischen dem Betragen eines orientalischen und eines monarchischen
Untertanen ist ein geringerer Unterschied als zwischen dem eines
monarchischen und eines republikanischen.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch hält jede Veränderung seines Innern, jede Verbesserung und
sogar jede Verschlimmerung für größer, als sie ist; er wird klüger,
aber nicht weiser, er ändert mehr seine Handlungen als seine Gefühle,
mehr seine Einsichten als seine Meinungen, und bloß sein Gedächtnis
ändert sich am meisten. Gleichwohl ist einer, der nicht den Tag, die
Stunde angeben kann, wo er gut geworden, es auch nicht. Die Besserung
gibt oder nimmt uns nicht Gefühle, sondern beherrscht nur die eignen -
und in jedem Menschen hat die Tugend andere Neigungen zu ordnen.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt, man erhebe sich über alle die Leute, über die man
nachdenkt und Reflexionen macht.
		-- Jean Paul
%
Es ist schöner, eine schöne Gegend zu betrachten als zu betreten.
		-- Jean Paul
%
Wenn man sich in Kleidern niederlegt, fällt die Melancholie der Nacht
weg.
		-- Jean Paul
%
Wir wollen gern den Wert des Genies anerkennen, aber es selbst soll's
nicht.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat in seiner Jugend etwas von einem poetischen Genie, seine
Narrheit und seine Entzückung; - das poetische Genie selbst aber lebt
in einer ewigen Jugend.
		-- Jean Paul
%
Man kann die feinsten Bemerkungen über den Menschen und über
Individuen machen und doch von ihnen betrogen werden, d. h. sie nicht
kennen.
		-- Jean Paul
%
Die Sucht, seinen Charakter zu zeigen, sieht oft ebenso falsch aus als
die, ihn zu verbergen.
		-- Jean Paul
%
Im kraftvollen Zustand ist man am meisten ärgerlich, z.B. bei
Arbeiten des Geistes.
		-- Jean Paul
%
An der größten Tugend ist nichts zu bewundern, weil uns das Gefühl
ihrer Erreichung bleibt - aber am Talent.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter, eine Tugend zu übertreiben, als sie zu haben,
leichter, das Gelübde immerwährender Keuschheit zu tun, als in der Ehe
zu leben.
		-- Jean Paul
%
An alles Körperliche ist Geistiges geknüpft, an Eigennutz
Freundschaft, an Wollust Liebe, an den Gaumen Erinnerung, an Trank
Tugend.
		-- Jean Paul
%
Eine Freude darüber, daß man was Neues entdeckt, heißt eine über einen
6000jährigen Irrtum.
		-- Jean Paul
%
Ohne Philosophie steigen und sinken die Gefühle zu weit.
		-- Jean Paul
%
Es sind verschiedene Talente, eines Charakter und eines Gesinnungen
und Gedanken zu erraten.
		-- Jean Paul
%
Man drückt lieber die Augen zu, als daß man die Finsternis sähe.
		-- Jean Paul
%
Gerade Unparteiische, die alle Seiten sehen, finden weniger Beifall
und Freunde, als die gegen eine Seite heftig sind.
		-- Jean Paul
%
Leute mit offenliegenden Vorzügen - Schöne, Witzige und Kenner vieler
Sprachen - sind eitel; mit verborgenen - Tugend, Weisheit - sind
stolz.
		-- Jean Paul
%
Man widerlegt lieber den, der zu schwer, als der zu leicht zu
widerlegen ist.
		-- Jean Paul
%
Daß Verstand erst mit den Jahren kommt, sieht man nicht eher ein, als
bis der Verstand und die Jahre da sind.
		-- Jean Paul
%
Der hohe Haß ist wie die Tugend, ohne Worte und Hitze, aber handelnd.
		-- Jean Paul
%
Die Erde als Erde ist auch dem Sinnlichsten nichts, sondern seine
Ideen darüber.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein Irrtum, daß die edlern Neigungen vernünftiger seien als die
unedlern.
		-- Jean Paul
%
Kleine Seelen fühlen in ihrem Unglück nur ihren Zustand, große noch
Zusammenhang, ihr Ich.
		-- Jean Paul
%
Der Blinde kann keine solchen Schrecken haben wie wir, da er keine
Finsternis kennt.
		-- Jean Paul
%
Aufopferung ist leichter als Rechtschaffenheit.
		-- Jean Paul
%
Man kann keinen Gedanken gut ausdrücken, als den man oft gehabt.
		-- Jean Paul
%
Eine humoristische Stelle glänzt am meisten in einem ernsthaften Buch
zitiert.
		-- Jean Paul
%
Ein Roman ist eine veredelte Biographie.
		-- Jean Paul
%
Jeder Autor dient in seinem ersten Buch bloß seinen Neigungen - im
zweiten dem Geschmack.
		-- Jean Paul
%
Der vollkommene Philosoph muß ein Dichter mit sein und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Von einem in Begeisterung könnte man sogar das drucken, was er denkt.
		-- Jean Paul
%
Keiner denkt mehr frei, der ein System hat.
		-- Jean Paul
%
Warum sollt es verwegen sein, dem Kant zu widersprechen? Dann wär's
auch, ihm zu glauben; weil zu einem, der seine Gründe fassen will,
ebenso viel gehört als zu einem, der sie widerlegen will.
		-- Jean Paul
%
Es gehört zur Tugend und Lebensart, von andern nicht zu sehr sein
Recht zu fordern.
		-- Jean Paul
%
E. lobt am andern nichts, was er nicht glaubt; aber um es zu loben,
glaubt er's vorher.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Menschen wären Engel, wenn sie stärker wären, und gewisse
keine Teufel, wenn sie schwächer wären.
		-- Jean Paul
%
Ein Prophet (Autor) wird von seinem Vaterland zuwenig, von seinen
Freunden zuviel geschätzt.
		-- Jean Paul
%
Es stärkt einen fast, daß einem die Eitelkeit der Dinge kleiner
vorkömmt, wenn wir sie geschildert, d. h. durch das Medium der Poesie
erblicken.
		-- Jean Paul
%
Feine Menschenkenntnis und Beobachtung ist verschieden von
ausgebreiteter und vollständiger.
		-- Jean Paul
%
Ein gewöhnlicher Kopf wagt selten etwas Kindisches.
		-- Jean Paul
%
Man errät den andern mehr durch Vermutungen als durch Beobachtungen.
		-- Jean Paul
%
Die Dummen halten alle Feinen für falsch.
		-- Jean Paul
%
Eine starke Phantasie ist jed(es) großen Entschluss(es) fähig, aber
sie macht auch - weil sie die Sache auf einer andern Seite betrachtet
- desto unfähiger, ihn auszuführen.
		-- Jean Paul
%
Sanfte, weiche Menschen beweisen zum Schutz anderer einen größeren
Zorn und Mut als für sich, z.B. Mütter.
		-- Jean Paul
%
Wir zeigen mit weniger Scham die Leidenschaften des Hassens als des
Liebens.
		-- Jean Paul
%
Man hört, wegen der Gewöhnlichkeit, das Prügelgeschrei eines Kindes
mit weniger Rührung als eines Hunds.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Buch nicht wert ist, 2 mal gelesen zu werden, so ist's auch
nicht wert, 1 mal gelesen zu werden.
		-- Jean Paul
%
Jakobi(s) Schriften verstand ich mehr, indem ich mich ihrer erinnerte,
als indem ich sie las.
		-- Jean Paul
%
Ein Jüngling, der mit dem bürgerlichen Leben zufrieden wäre, wäre sehr
mittelmäßig.
		-- Jean Paul
%
Mehr Sachen auf einmal merkt man leichter als eine.
		-- Jean Paul
%
Für einen von viel Witz und Belesenheit gibt's gar keine
Unähnlichkeiten mehr.
		-- Jean Paul
%
Bei manchen zerfließet alles so sehr ins Ganze, daß sie bei eignen
Fehltritten die Schwäche der menschlichen Natur bedauern.
		-- Jean Paul
%
Manche wollen nur, daß, nicht wie, man sich entschuldige.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit des Umgangs wächst am meisten durch Leute, an denen man
kein Interesse nimmt und mit denen man doch spricht.
		-- Jean Paul
%
Er hält sich noch nicht für tugendhaft genug, um sich kleine Sünden zu
verbieten.
		-- Jean Paul
%
Der Weise rechnet das Mißvergnügen zu seinen Sünden.
		-- Jean Paul
%
Der schönste, edelste, freimachende Gehorsam ist der gegen sich - man
muß nicht wollen, was man tut, sondern tun, was man will.
		-- Jean Paul
%
Übertriebner Tadel schadet Guten mehr als übertriebnes Lob.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bei Mädgen etwan wie bei Männern auf ein schneidendes Ja oder
Nein dringt: so gewinnt man sicher das Unangenehmere - sie haben eine
aus Ja und Nein zusammengesetzte Antwort gewohnt.
		-- Jean Paul
%
Ferne Berge sind erhabner als nahe.
		-- Jean Paul
%
An ungebildeten Leuten ärgert e(inen) Eigennutz nicht.
		-- Jean Paul
%
Eine gewisse Seelengröße macht zur Menschenkenntnis unfähig.
		-- Jean Paul
%
Liebe ist ein Auszug aus allen Leidenschaften auf einmal.
		-- Jean Paul
%
Wenn man lang ein Kleidungsstück ansieht, kömmt's einem närrisch vor.
		-- Jean Paul
%
Eine einzige Selbstüberwindung stärkt mehr als 20 Gefühle und
200000 Predigten.
		-- Jean Paul
%
Es gibt 2 ganz verschiedene Satiren, eine gegen Laster, eine gegen
Torheiten.
		-- Jean Paul
%
Eltern schlagen stärker, wenn das Kind nicht schreiet.
		-- Jean Paul
%
Unsre schlimmen Taten bleiben uns mehr im Gedächtnis als unsre guten.
		-- Jean Paul
%
Um sich von einer zu großen Liebe oder Duldsamkeit für etwas zu
heilen, muß man nicht die Feinde davon lesen, sondern die Freunde.
Lavater
		-- Jean Paul
%
Wenn man keine besondere Gelegenheit hat, jemand seine Liebe zu
zeigen: denkt man zuletzt, man fühle sie schwächer.
		-- Jean Paul
%
Manche wollen ihre Freunde nur von sich gelobt wissen.
		-- Jean Paul
%
In der Jugend hält man von hinten jede für schön.
		-- Jean Paul
%
Die meisten reden origineller, als sie schreiben.
		-- Jean Paul
%
In Leidenschaft machen wir nicht falsche Beobachtungen, sondern
falsche Schlüsse daraus.
		-- Jean Paul
%
Jede Freude füllt, jeder Schmerz leert dich, aber in jener hat noch
Sehnsucht Platz, in diesem noch Zuversicht.
		-- Jean Paul
%
Jeder Zustand, den eine gegenwärtige äußere Lage uns gibt, ist nicht
rein, sondern ein Gemisch aus ihr und d(er) vergangnen - daher kann
uns die gemeinste Lage einen ungewöhnlichen Zustand nach einer
ungewöhnlichen Vergangenheit geben.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch, der uns bloß in unsern eignen Talenten übertrifft, erhebt
uns - einer, der in ganz fremden groß ist, demütigt uns.
		-- Jean Paul
%
Man muß etwas Bessers sein als sein Stand, um ihn zu erfüllen.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man mit d(em) andern bekannt wird, desto mehr hört man auf,
den Verstand zu zeigen, und beginnt, das Herz zu zeigen.
		-- Jean Paul
%
Kleine Mädgen grüßen mehr als Knaben.
		-- Jean Paul
%
Ein Narr ist nie so lächerlich, als man ihn macht.
		-- Jean Paul
%
Ein Staat ist leichter zu regieren als ein Mensch.
		-- Jean Paul
%
Warum lieben wir die Tugend an andern zehnmal mehr als an uns? Warum
fühlen wir so viel Wärme gegen einen Aufopfernden und halten's für
Schuldigkeit bei uns? Einmal müssen wir uns irren.
		-- Jean Paul
%
Das, was er nicht verbergen konnte, ließ er nicht erst erraten,
sondern sagte es selbst, um das Opfer der Aufrichtigkeit zu bringen.
		-- Jean Paul
%
Manche Menschen macht man durch die größten Wohltaten nicht so warm
als durch das kleinste Lob.
		-- Jean Paul
%
Einer kann uns ohne Egoismus sein Leben mit Interesse nur schriftlich,
aber nicht mündlich erzählen.
		-- Jean Paul
%
4erlei gute Mädgen, die mit, die ohne Ehre - mit, ohne allgemeine
Betrachtungen.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Mensch eine gewisse Anzahl Wohltaten empfangen: hört er auf,
sie zu zählen.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Menschen immer Versuchungen zu großen Sünden hätten: sie
blieben gut; aber die täglichen Kämpfe gegen kleine gewöhnen an
Niederlagen.
		-- Jean Paul
%
Scharfsinn ohne Empfindung ist Mühlstein ohne Korn.
		-- Jean Paul
%
Manche geben allen großen Wahrheiten Kleinheit, wenn sie sie nur
sagen.
		-- Jean Paul
%
Man wird zuletzt tolerant, denkt man, gegen die Menschen; aber man ist
nur gleichgültig.
		-- Jean Paul
%
Bei jeder neuen Lage fängt man eine neue Jugend an, man verjüngt sich,
wenn man sich verändert. Ein Konrektor ist älter als ein Rektor, der
er wird.
		-- Jean Paul
%
Man kann Liebe selten zu spät, immer zu bald gestehen.
		-- Jean Paul
%
Man gewinnt mehr, wenn man Mädgen etwas für sich tun lässet, als wenn
man etwas für sie tut.
		-- Jean Paul
%
Schwerlich kennt die Frau unter der Liebe etwas größers als die Liebe
- der Mann kennt mitten darunter noch seine Lieblingsarbeit, seine
Philosophie als das Größere. Bei ihr ist sie Ziel; bei uns ist sie
Spaliergewächs an den Schranken zum Ziel.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch erträgt ein neues Übel darum unwilliger als ein größeres
altes, weil sie es, aus Mangel an Wiederholung, noch für kein
notwendiges halten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch kann nicht eher wissen, wie gut er ist, als bis einmal sein
halbes Glück von einer großen Sünde abhing.
		-- Jean Paul
%
Wem eine Frau gleichgültig wird, bei dem fängt die Sinnlichkeit an.
		-- Jean Paul
%
Feinheit des Ausdrucks ist verschieden von Feinheit der Gesinnung.
		-- Jean Paul
%
Man errät die Menschen am besten, wenn man sie bei Erzählungen um ihre
Vermutungen der unerzählten Zukunft fragt.
		-- Jean Paul
%
Keinem Gesichte steht ein häßliches übler als einem schönen.
		-- Jean Paul
%
Wenn man etwas hört, das einen in Erstaunen und zugleich in Verwirrung
wegen der Antwort setzt: so muß man kalt eine kurze einsilbige Frage
tun, die eine lange Antwort braucht.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bezahlt wird, denkt man, man arbeitete zu wenig - wenn man
arbeitet, man bekomme zu wenig.
		-- Jean Paul
%
Ich begreife nicht, wie ein Mann sagen oder glauben kann, er sei
schön, ohne rot zu werden.
		-- Jean Paul
%
Wenn sich einer nur einmal zwingt nachzugeben: so sieht er, daß er
nicht viel nachzugeben braucht und daß der andere auch nachgibt.
		-- Jean Paul
%
Es ist unbegreiflich, wenn man in den höhern Ständen sieht, wie viel
eine Frau braucht, um keine Langweile zu haben - in unsern, wie wenig.
		-- Jean Paul
%
Man unterlässet zu viel Gutes, weil der Nutzen, und begeht so viel
Böses, weil der Schaden zweifelhaft ist.
		-- Jean Paul
%
Man verbindet sich oft einen Menschen, wenn man nach dem Namen seines
Hundes fragt.
		-- Jean Paul
%
Nur ein Mann, keine Frau, kann eine Stunde vor einem Ball in einem
philosophischen Buche lesen, oder darin gar daran denken.
		-- Jean Paul
%
Voltaire widerlegt den Pascal und hat überall recht - nur darin nicht,
daß er ihn nicht verstand.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Scharfsinn findet an allen Behauptungen das Wahre, der an
allen das Falsche entdeckt - er weiß kaum, wo er anfangen soll, zu
widerlegen oder beizutreten.
		-- Jean Paul
%
Im Sommer ist man menschlicher, im Winter bürgerlicher.
		-- Jean Paul
%
Bei Mangel an Talent ist's besser zu sprechen als zu schreiben.
		-- Jean Paul
%
Sogar in unserer Erinnerung ist uns die Vergangenheit als Fülle
früherer Erinnerung schön.
		-- Jean Paul
%
Manche können leichter die Lehrer der besten als der guten Menschen
sein.
		-- Jean Paul
%
Leidenschaft macht, daß man besser und schlechter handelt als die
Vernunft täte.
		-- Jean Paul
%
Der Stand erhebt die Großen über die Urteile, die die Kleinen über
ihre Tugenden fällen - aber nicht über ihre Vorzüge. Sie rächen nicht
die beleidigte Achtung, sondern die beleidigte Eitelkeit.
		-- Jean Paul
%
Kluge halten das Gewöhnliche, Dumme das Ungewöhnliche für toll.
		-- Jean Paul
%
Wir täuschen uns über den Wert eines Autors, da wir nicht an die
vielen Minuten denken, wie er das Werk Glied vor Glied
zusammengeschoben.
		-- Jean Paul
%
In einem Vormittage, wo man reiset, ein ungewöhnliches Geschäft hat -
kurz in jeder neuen Lage - lebt man mehr, sieht das Leben anders,
fühlt sich mehr als in 4 gewöhnlichen Wochen.
		-- Jean Paul
%
Feinheit überall wirkender als Kraft.
		-- Jean Paul
%
Ich ärgerte mich über den Menschenlärm unter mir und konnte nicht eher
schlafen, als bis ich wußte, es seien Pferde.
		-- Jean Paul
%
Jede Arbeit, auch philosophische, poetische, lenkt den Menschen vom
Ich und oft vom Bessern ab.
		-- Jean Paul
%
Gegen Liebe ist man nie undankbar, nur gegen Wohltaten.
		-- Jean Paul
%
Eigentlich müßte man für jedes Individuum ein besonderes Buch
schreiben.
		-- Jean Paul
%
Menschen beweisen sich in Gesellschaft Sachen, die jeder glaubt.
		-- Jean Paul
%
Es verlohnt sich nicht, daß man alle Bücher widerlegt. Exzerpieren
isoliert und hebt eine Sache heraus.
		-- Jean Paul
%
Der Gelehrte erwirbt sich mehr blindes Zutrauen als der Scharfsinnige,
weil jenem nur der Gelehrtere, diesem jeder widersprechen kann.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter, die Menschen zu lieben, als zu ertragen - viele
heftig zu lieben, als keinen zu hassen.
		-- Jean Paul
%
Ein ganz Tugendhafter muß viel Geist oder Feuer haben, um nicht
langweilig zu sein.
		-- Jean Paul
%
Man legt leicht die großen Unarten ab und hat noch immer die kleinen
der Gewohnheit und Erziehung.
		-- Jean Paul
%
Uns greift ein auf der Straße verwesetes Vogelgerippe an, aber keines,
das auf unserm Teller liegt.
		-- Jean Paul
%
Man liebt die Menschen mehr, wenn man den Entschluß, ihnen eine
Wohltat zu erweisen, fässet, als nachdem er ausgeführt ist.
		-- Jean Paul
%
Ein Volk kann nicht auf seine Genies, sondern auf das Volk, auf die
Menge stolz sein - die Genies können auf die Genies es sein.
		-- Jean Paul
%
Bei der Besserung sieht man, daß man eine Menge Dinge im Umgang, die
man aus Höflichkeit und Mode tat, aus Tugend nun tut und leichter.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann von Verstand gibt Leuten von Verstand zu leicht sein Herz.
		-- Jean Paul
%
An Weibern ist alles Herz, sogar der Kopf.
		-- Jean Paul
%
Man sagt zu Ochsen "dummer Esel" und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Man liebt noch den Ort der Liebe, wenn man gegen die Person keine mehr
hat.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nie mit dem Edeln zugleich einen unschuldigen, aber
nied(rigen) Zweck erreichen - es ist nichts gefährlicher für die Moral
(Tugend), als von ihr zu leben.
		-- Jean Paul
%
Menschen erraten heißet nichts als sich ähnl(icher) Erfahrungen
besinnen. Mit einem ganz neuen Charakter kömmt der größte
Menschenkenner nicht aus.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter zu schmeicheln, als zu loben.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen, besonders die Weiber, wollen lieber gelobt als geliebt
sein.
		-- Jean Paul
%
Ein anderes ist der Mut, d(er) Gefahr nicht zu achten, ein anderes,
sie nicht zu sehen, zu verachten, ihr zu trotzen.
		-- Jean Paul
%
Zwischen 4 Wänden sind alle Menschen Sonderlinge, nur nicht offen.
		-- Jean Paul
%
Man sagt leise: »ich empfehle mich Ihnen«, wenn man den Hut von weitem
zieht.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein geringer Unterschied zwischen dem Stolz auf wahre Vorzüge
und dem auf keine.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt oft, man könne nicht gut sprechen, da einem doch nichts
fehlt als der Stoff zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
Genuß der Ehre hindert den der Natur.
		-- Jean Paul
%
Goethe, so dramatisch und in fremdem Namen redend, daß er sich nicht
finden kann, wenn er etwas im eignen sagen soll.
		-- Jean Paul
%
Wenn zwei körp(erlich) zusammenstoßen, denkt jeder, nur der andere
habe Schmerz und Recht - bei moralischem Zusammenstoßen das Gegenteil.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wären alle bescheidener und demütiger, trieben sie alle
nur eine Kunst.
		-- Jean Paul
%
Jeder kömmt sich selber leer und mager vor (ausgenommen wenn er sich
vergleicht), weil er sich ganz auskernt und erschöpft mit der Idee.
Keiner kann seine eigne Gelehrsamkeit bewundern, weil er sie ganz
kennt.
		-- Jean Paul
%
Die höchste Liebe glaubt und fordert höchste Vollkommenheit, daher ist
sie ihrem Ende am nächsten.
		-- Jean Paul
%
Ehrgeiz ist verschieden von Ehrliebe - diese sündigt nie gegen die
Ehre, aber jener, der nach Schande nichts fragt, um berühmt zu sein -
diese will eigne Achtung, jener fremde, diese ist bei Weibern, jener
[bei] Männern.
		-- Jean Paul
%
Die Keuschheit wohnt weder in den obern noch untern Ständen - sondern
in den mittlern.
		-- Jean Paul
%
Das Einfältigste sagt man im Anfang in einer Gesellschaft, das Beste
zuletzt.
		-- Jean Paul
%
Ein rechtschaffener Menschenf(ein)d sagt im Zorn mehrere und
nützlichere Wahrheiten als in der Liebe.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt einem Mann von Talent mehr, was er versichert, als was er
beweiset - Hier untersucht man erst seine Beweise, dort ist er einer.
		-- Jean Paul
%
Wir sind begieriger, fremde Menschen zu observieren und auszuspähen
als tägliche und nahe.
		-- Jean Paul
%
Man kann gewiß sein, dem andern nicht viel Vergnügen gemacht zu haben,
wenn man lauter Sachen sagte, die uns eines machten und so umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Nonnen mager, Mönche fett, Beweis der weiblichen Mäßigkeit.
		-- Jean Paul
%
Niemand ändert sich schwerer, als der stets unter andern oder in
Geschäften lebt, d. i. träumt - die andringende, überhäufende
Gegenwart ersticket jeden stillen Keim.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor bringt durch Selbstdefension(en) seine Anklagen auf und in
die Nachwelt. Für die Mitwelt sind sie entbehrlich; seine Freunde
glauben den Anklagen nicht, seine Feinde den Defensionen nicht.
		-- Jean Paul
%
Man denkt, jeder gehe dahin, wohin man geht.
		-- Jean Paul
%
Die Schwachheiten großer Menschen werden von kleinen so leicht erraten
als die der Lehrer von Kindern.
		-- Jean Paul
%
Nichts führt von aller innerer Beschauung weiter ab und vom Blick
gegen die verschleierte Welt als Ehrgeiz.
		-- Jean Paul
%
Niemand könnte sich verhaßter und langweiliger machen als einer, der
in allen Sozietäten Menschen nur lobte.
		-- Jean Paul
%
Man ist gerechter gegen seine Feinde als gegen seine Freunde.
		-- Jean Paul
%
Um froh zu sein, muß man einen langen Geschäftsplan haben, der doch
die Freuden nicht aussperret, sondern einschließet: am besten wenn die
Geschäfte und Freuden in eins fallen (bei mir).
		-- Jean Paul
%
Wenn an den Großen alles erstirbt, sogar der Ehrgeiz, grünet doch die
Eitelkeit noch.
		-- Jean Paul
%
Es hilft wenig, daß uns das Schicksal reich macht: unsere Wünsche
machen uns wieder arm.
		-- Jean Paul
%
Der Schlechteste kennt einen Preis, wofür er seine Rechtschaffenheit
nicht hingibt; er unterscheidet sich vom Guten durch den kleinern
(nicht vom Besten).
		-- Jean Paul
%
Man tut oft bloß stolz, weil man vermutet, der andere denke stolz.
		-- Jean Paul
%
Der aus dem gemeinen kriechenden Stand Emporgekommene will stolz sein
und kann es nicht, und ihm entfährt immer Höflichkeit gegen die alten
Gegenstände.
		-- Jean Paul
%
Ein berühmter Autor sollte auch Sätze, die andere gesagt, wiederholen,
um der Wahrheit sein Gewicht hinzuzutun.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man Menschen kennt, desto weniger schildert man Individuen.
		-- Jean Paul
%
In den Augen des Bewunderten ist der Bewunderer nicht stets klug, wie
Helvetius sagt, aber doch gut.
		-- Jean Paul
%
Jeder hält seine Verstellung für feiner als die fremde und wird daher
betrogen.
		-- Jean Paul
%
Den meisten Menschen gilt Bewunderung, Schätzung so viel als Liebe,
sie vermengen beide.
		-- Jean Paul
%
Werke, die man schreibt und die man tut, kann man erst lange nach
ihrer Vollendung korrigieren.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen hassen und merken in der Liebe leicht das Gefühl der
Unabhängigkeit.
		-- Jean Paul
%
Die erste Wiedererblickung lang ersehnter Menschen gibt diesen etwas
von der Idealität der Vorstellung.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist bei der häufigen Lektüre schädlicher, als daß uns die
Lehren der Weisheit - ohne daß eine gegenwärtige Erfahrung sie auf uns
bezöge - so wiederholet werden, daß wir sie nie auf uns anwenden.
		-- Jean Paul
%
Man muß nicht seine Vorzüge auskramen, um den andern zu gewinnen,
sondern ihn gewinnen, um jene auszukramen. Die Höflichkeit etc., womit
ich jemand aufnehme, ist die Grundierung, worauf er mein Bild
aufträgt.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Dinge (Mode, Kleider, Lebensart) muß man früher verachten als
achten.
		-- Jean Paul
%
Wir halten die Leichtigkeit zu sündigen für die Erlaubnis dazu.
		-- Jean Paul
%
Der Spott über Abscheulichkeit (wenn es nicht juvenalischer ist), z.B.
Päderastie, mindert den Abscheu mehr, als er ihn mehrt.
		-- Jean Paul
%
Ein berühmter Autor und ein Fürst brauchen nur zu reden, nicht gut zu
reden, um zu gefallen.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber ändern ihre Meinungen schwerer als die Männer, weil sie
mehr Gefühle als Schlüsse sind.
		-- Jean Paul
%
Kein Enthusiasmus der Liebe ist so groß als der der Zusammengewöhnung,
der auf jenen folgt.
		-- Jean Paul
%
In der Sprache der Liebe gibt es keine Pleonasmen.
		-- Jean Paul
%
Weiber sprechen lieber von als in ihrer Liebe, Männer umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Den berühmten Mann freuet kein anderes Lob weiter als ein größeres.
		-- Jean Paul
%
Sanftmut muß stets nach der Kraft (Jugend) kommen, sonst Schlaffheit.
		-- Jean Paul
%
Mit Intoleranz muß der Jüngling anfangen, nicht enden, nicht
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man zuviel wichtige Dinge zu sagen hat, fängt man mit den
unwichtigen an.
		-- Jean Paul
%
In einer ewigen Meßstadt würde alle Menschenliebe aufhören.
		-- Jean Paul
%
Man ist in der Liebe darum ungerecht, weil man den andern für
vollkommen hielt.
		-- Jean Paul
%
Das Reden mehrt die eigne Rührung mehr als fremde.
		-- Jean Paul
%
Ein wiederholtes Abschiednehmen entkräftet das letzte.
		-- Jean Paul
%
Manche halten ihre veränderte Ansicht eines Menschen für eine
Veränderung desselben.
		-- Jean Paul
%
Man kann wohl einen Schwarm Mücken im Zimmer sumsen hören, aber nicht
eine.
		-- Jean Paul
%
In einer neuen Stadt sind die ersten begegnenden Mädgen am
interessantesten.
		-- Jean Paul
%
Die kleinen Gründe erschaffen den Entschluß nicht, sondern man waffnet
sich mit ihnen nur gegen äußere Anfechtungen desselben.
		-- Jean Paul
%
Ewige Unart, aus Gelehrsamkeit oder Tugend in einem Falle [und] Fache,
auf sie in andern Fällen und Teilen zu schließen.
		-- Jean Paul
%
Statt einen Scheffel Salz(es) mit einem Freund zu essen, braucht man
nur 6 Meilen mit ihm zu reisen.
		-- Jean Paul
%
Das Landleben ist in, nicht außer uns.
		-- Jean Paul
%
Äußerer gemäßigter Stolz gibt dem Verdienst einen größern Schein.
		-- Jean Paul
%
Ein Torheit, über die viele Satiren gemacht worden und bei der jede
neue Satire verliert, ist in der Wirklichkeit desto komischer.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Dinge, z.B. Entführung, sind uns in Büchern alt und [im]
Leben neu und letzt(ere) wund(ern) uns dann.
		-- Jean Paul
%
Der Pöbel achtet Pedanten.
		-- Jean Paul
%
1 Kuß ist mehr wert als 2 oder gar 20.
		-- Jean Paul
%
Man beruft sich immer auf die Nachwelt, als ob sie nicht oft
ebensoviel Lob nähme als gäbe.
		-- Jean Paul
%
Man muß sich immer einen Rat geben lassen - wenn man ihn auch nicht
befolgt, so benützt man ihn doch.
		-- Jean Paul
%
Die Höflichkeiten der gemeinen Leute sind immer vom nächsten Stande
über ihnen geborgt.
		-- Jean Paul
%
Der Uneigennützige hasset Egoisten nicht so sehr als der Egoist.
		-- Jean Paul
%
Vernunftgründe wirken nur auf Affekt, wenn sie ihn befödern.
		-- Jean Paul
%
In unserer Menschenliebe ist nicht bloß die Süßigkeit des Gefühls der
Liebe, sondern auch die Süßigkeit des Gefühls des Rechttuns.
		-- Jean Paul
%
Es ist oft sehr gefährlich, von seinem Verstande und Herzen zu
schlecht zu denken - der Irrtum schafft die Wahrheit.
		-- Jean Paul
%
Man schreibt sich leichter falsche Vorzüge zu, als man seine wahren
errät.
		-- Jean Paul
%
In feinen Gesellschaften wird nur der abwesende persifliert, in
gemeinen spaßet man über d(en) gegenwärtigen.
		-- Jean Paul
%
Verachtung ist mehr als Haß; jene kann der Weise haben, sie ist
unwillkürlich.
		-- Jean Paul
%
Die Wettergespräche [kommen] nicht von Langweile, sondern weil der
Mensch immer eine starke fortdauernde Empfindung mit Worten äußern und
geben will - wäre Krieg, so gäb's Kriegsgespräche.
		-- Jean Paul
%
Berühmte Leute, Fürsten, Schöne kann man selten durch ein Lob
einnehmen, aber durch jeden Tadel erzürnen.
		-- Jean Paul
%
In höhern Ständen wirken die Weiber mehr auf fremde Männer, in
nied(ern) auf eigne.
		-- Jean Paul
%
Die Verstellung und Eitelkeit durchgreift manche so, daß sie unbewußt
es tun und es nicht mehr anders machen können.
		-- Jean Paul
%
In einer großen Stadt sein, heißet Reisen und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch, dem zu lang die Liebe verweigert worden ist, findet dann
in einer wirklichen zu wenig Reiz, aus Mangel an Verweigern.
		-- Jean Paul
%
Warum will der Mensch, wenn er nicht alle bekehren kann, nicht
wenigstens einige Menschen ändern?
		-- Jean Paul
%
Mancher ist im Namen eines Lieblingsautors eifersüchtig - freuet sich
über jedes Lob auf ihn -, aber bloß, weil er in sich eine Ähnlichkeit
mit diesem ahnet.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt stets, nur dieser Autor sei in der persönlichen Erscheinung
schlecht, aber alle ungesehene herrlich.
		-- Jean Paul
%
Anfangs macht man das Buch nach sich, dann sich nach dem Buch.
		-- Jean Paul
%
Weiber sind rein menschlicher, weil der Staat ihnen keine einseitige
Bildung aufdringt.
		-- Jean Paul
%
Je älter man wird, desto toleranter gegen das Herz und intoleranter
gegen den Kopf.
		-- Jean Paul
%
Nichts wird weniger in Gesellschaft erraten als die Empfindsamkeit,
besonders die männliche.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder erraten die Eltern besser als diese jene.
		-- Jean Paul
%
Tätige Leute weniger Ordnung als müßige.
		-- Jean Paul
%
Ein Wirt >Zum Erbprinzen< denkt nie, wenn er seinen Erbprinz sieht,
daß er dessen Namen [führt] - so verschiedne Bedeutungen hat 1 Wort.
		-- Jean Paul
%
Ich will lieber lieben, ohne geliebt zu werden - als ohne zu lieben,
geliebt werden.
		-- Jean Paul
%
Weiber behalten eigne Geheimnisse, Männer fremde.
		-- Jean Paul
%
Die Männer machen sich von großen Männern eben jene romanhaften
Vorstellungen als die Mädgen von ihren künftigen Romanhelden.
		-- Jean Paul
%
Das Verstecken der Eitelkeit ist eine größere (gehaßtere) als jede.
		-- Jean Paul
%
Ungleich den Franzosen und Engländern, loben die Deutschen nichts (an
einem Autor, Menschen), ohne alles zu loben; sie glauben parteiisch
sein zu müssen.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit besteht nicht in der Kleidung, oft kaum im Handeln,
sondern in der ewigen unmerklichen Stellung jedes Worts, damit es
höheres Lob abwerfe.
		-- Jean Paul
%
Da die Männer viel origineller sind, was kein Mädgen errät: so sind
oft diese in der Ehe unglücklich, weil sie es nicht voraussehen und
fassen.
		-- Jean Paul
%
Wenn das Schicksal 10 günstige Umstände vereinigt, so wundert man sich
über den Mangel des 11., nicht das Dasein der 10.
		-- Jean Paul
%
Weiber gewöhnen sich Gleichgültigkeit und Unaufmerksamkeit gegen
Wissenschaft und Taubheit an, weil die Männer zu oft vor ihnen von
wissenschaftlichen Dingen reden, die ihnen unbekannt.
		-- Jean Paul
%
Der geheimste Geist eines Autors verrät sich nicht in den bösen,
sondern in den schönsten Charakteren, die er immer mit der Schwäche
seiner Natur unwillkürlich begabt.
		-- Jean Paul
%
Selber Kinder haben wieder etwas Kindisches, worüber sie selber
lachen.
		-- Jean Paul
%
Bei den Ursachen unbekannter wichtiger Begebenheiten raten wir immer
auf angenehme oder unangenehme, selten auf wahrscheinliche und
natürliche.
		-- Jean Paul
%
Wir irren in nichts mehr als in unsern Prophezeiungen, daß künftig
etwas werde schlimmer (z.B. kränker) oder besser (reicher) werden. Die
Neigung, systematisch zu schließen (sein), schieben wir der Natur
unter; und diese leichtere Verkettung halten wir für
Wahrscheinlichkeit.
		-- Jean Paul
%
In den besten Reisebeschreibungen interessiert uns doch der Reisende
am meisten, wenn er sich nur zeigen mag. Wer eine Reise beschreibt,
beschreibt damit sich immer auch selber.
		-- Jean Paul
%
Es ist nicht halb so ungesund, Philosophie zu lehren, als zu lernen,
e(ine) Philos(ophie) zu machen als zu lesen.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Menschen, die man nicht hasset und nicht sehr liebt, aber ein
wenig, die verschwinden, ohne daß man es merkt, wiederkommen ohne
Freude - Für Große gibt es keine andern, und sie sind keine andern.
		-- Jean Paul
%
Man fragt den andern um Rat, nicht, weil man nicht weiß, was man tun
soll, sondern weil man es weiß, aber nicht gern tut - der andere soll
dann einer guten oder bösen Neigung den Ausschlag [geben].
		-- Jean Paul
%
Die Deutschen nennen alle ihre Freuden ausländisch: Ressource, Casino,
Klub, Cercle etc. Assemblée, Hôtel, Table d'Hôte, Harmonie, Museum.
		-- Jean Paul
%
Die Engländer gefallen uns in Büchern, weil uns der Stolz in der
Darstellung gefällt, aber nicht in der Wirklichkeit.
		-- Jean Paul
%
Das Beste in einem Menschen ist das, was er selber nicht kennt.
		-- Jean Paul
%
Niemand hat die Kraft - wenn er auch will -, in einem fort unglücklich
zu sein, sondern er wird glücklich.
		-- Jean Paul
%
Je älter, desto mehr entschuldigt, desto weniger achtet man d(ie)
Menschen.
		-- Jean Paul
%
Man spricht und dichtet viel eher von der Leerheit und Nichtigkeit des
Lebens, als man sie kennt; man spricht ungern oder nicht freudig
davon, wenn man sie kennt.
		-- Jean Paul
%
Der Dichter ist freier als der Philosoph.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe ist, ihr Ende ausgenommen, sich überall gleicher, als man
sagt.
		-- Jean Paul
%
Das Lob, das man im Enthusiasmus einer Frau über eine Eigenschaft
gibt, gefällt ihr wenig, wenn man diese für eine der Weiblichkeit, des
Geschlechts, ausgibt.
		-- Jean Paul
%
Weiber haben große Kräfte für, aber kleine gegen die Liebe etwas zu
tun.
		-- Jean Paul
%
Jeder modisch Gekleidete hält sich für den Repräsentanten des
Jahrhunderts oder Dezenniums.
		-- Jean Paul
%
Wer die Menge unbedeutender ungenial(ischer) Bücher sieht, hält die
Menschen für noch unbedeutender.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen haben überall die Neigung, alles auf etwas Höheres zu
deuten, so die Linien in der Hand.
		-- Jean Paul
%
Die Jugend ist die Periode der Nachahmung.
		-- Jean Paul
%
Anfangs verträgt der Autor Lob mit Tadel vermischt. Dann hat er das
Lob so oft gehört, daß er ein neues fodert und liebt; und so soll
immer mehr vom Tadel aufgehoben werden, bis er gar keinen mehr leidet.
(Gilt auch für Leute in Ämtern.)
		-- Jean Paul
%
Manche drücken durch lautes Lachen ihren Enthusiasmus, z.B. über
herrliche Musik, aus.
		-- Jean Paul
%
Im Traum kann man (wenigstens ich) sich der tiefsten Gefühle aus der
Kindheit erinnern.
		-- Jean Paul
%
Um ein guter Gesellschafter zu sein, ist es sehr gut, etwas zu
treiben, was die Gesellschaft selbst interessiert. Daher ist ein
Jurist, Kaufmann unter Bürgerlichen an und für sich ein besserer als
ein Philosoph oder gar Dichter.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind mitleidiger bei männlichen Schmerzen als bei
weiblichen.
		-- Jean Paul
%
Begebenheiten, die im Roman nicht mehr romantisch sind, sind's in der
Wirklichkeit, z.B. Entführung.
		-- Jean Paul
%
Um die Menschen recht zu lieben, muß man sie immer aus einem noch
höhern Punkt als dem unserer Verhältnisse (der Freundschaft etc.)
ansehen, nämlich aus dem der Menschheit oder Moralität.
		-- Jean Paul
%
Bei schönen Stellen im Theater hustet niemand, es ist also
willkürlich.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen glauben sich nach einem zu richten, indes sich der eine
nach ihnen richtet.
		-- Jean Paul
%
Der stille Egoismus der jetzigen Gefühlsmänner liegt schon darin, daß
sie dem Helden Briefe an einen Freund diktieren, gegen den er keine
Liebe zeigt und den er nur hat, um eine Adresse für seine
Publikums-Briefe zu haben.
		-- Jean Paul
%
Ein witziger, launiger Autor ist's am Anfang des Buchs am meisten.
		-- Jean Paul
%
Man denkt beim Spotten und Widerlegen mehr daran, es denen, die schon
auf unserer Seite, deutlich zu machen, als den Widersachern.
		-- Jean Paul
%
Nur der Hofmann könnte bürgerliche Sitten schildern und wir seine.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe der Menschen ist leichter zu erlangen als wiederzuerlangen.
		-- Jean Paul
%
In den alten deutschen Anleitungen zur Höflichkeit stehen ebenso viele
Chesterfield Gebote der Falschheit etc.; aber bei ihrer Dummheit merkt
man die Immoralität nicht.
		-- Jean Paul
%
Bücher wirken wenig auf Individuen, aber doch auf das Jahrhundert und
mithin auch auf jene.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch kann so wenig den ganzen Geschmack haben als ein Mensch die
Wahrheit - die Menschheit hat beides.
		-- Jean Paul
%
In einer kleinen Stadt ist es hart zu heiraten, die Lotterie ist klein
und d(er) Nieten viel - es ist schwer, unter wenigen das Beste zu
finden. 30. Jun./1801.
		-- Jean Paul
%
Um sich etwas zu erklären, nimmt die große Welt lieber die
entsetzlichste Sünde als eine gewöhnliche an.
		-- Jean Paul
%
Da man bei der Lektüre geistreicher Werke seinen Verstand tätiger und
leichter-wirkend fühlt: so trägt man diese Leichtigkeit in den Autor
über, es sei ihm leicht und süß geworden - umgekehrt, wenn es einem
schwer wird.
		-- Jean Paul
%
Autoren vermengen Freude am Hervorbringen mit der am Hervorgebrachten
und denken eine kurze Zeit von sich zu gut.
		-- Jean Paul
%
Wie wenig der Mensch Anteil an fremdem Unglück nimmt: sieht man, weil
der gefällt, der eines erzählt.
		-- Jean Paul
%
In der großen Liebe glaubt man alles opfern zu können; und das kann
sie auch, wenn das Opfer sie zugleich nährt und befriedigt. Aber die
andern Opfer - z.B. des Verzeihens etc. - entkräften die Liebe selbst,
die opfern will; und daher hängt das Glück nicht von der Heftigkeit
der Liebe, sondern von der Energie des ganzen Charakters ab.
		-- Jean Paul
%
In die Stelle eines andern sich zu setzen - oder in die eigne vorige -
ist zu schwer, weil die Phantasie nicht bloß einige Handlungen etc. zu
erneuern oder nachzuahmen hat, sondern dessen ganze körperliche Lage,
dunkle Ideen, unbewußte Einflüsse.
		-- Jean Paul
%
Der eitle, selbstgefällige Autor verrät sich durch den Helden, den er
zuviel Rücksicht auf sich selber nehmen lässet.
		-- Jean Paul
%
Man hält es halb für unmöglich, wie man einen Fürsten etc. durch seine
Gewohnheiten, Launen regieren könne, da er sie und diese Absicht doch
kennen müsse; allein in der Minute der Laune etc. ist er so von ihr
befangen, daß er sie für keine hält, und wenn es ist, doch keine Kraft
des Widerstehens hat. Die Frau sagt es ihrem Manne und regiert ihn
doch.
		-- Jean Paul
%
Der kalte Mensch - immer, in Wahrheit - ist viel seltner als man
glaubt.
		-- Jean Paul
%
Der Liebende ist so strenge-fordernd gegen die Liebende nicht
seinetwegen, sondern (ihretwegen) damit die rechte Liebe und (oder)
ihr Gegenstand sei.
		-- Jean Paul
%
Jeder kennt noch ein Zeremoniell, über das er schimpft, und eines, das
er behalten wissen will.
		-- Jean Paul
%
Die Trunkenheit vermehrt schön 2 schöne Dinge, Mut und Liebe.
		-- Jean Paul
%
Man muß bei den andern voraussetzen - was man selber so oft tut - daß
die Ungereimtheiten, die ihnen entfahren, von ihnen in der Stille
gemißbilligt, zurückgenommen werden.
		-- Jean Paul
%
Der Kopf ändert sich ewig, das gute Herz wenig.
		-- Jean Paul
%
Ein großes Unglück darf man leichter unmotiviert dem Helden begegnen
lassen als ein großes Glück, so sehr setzt man das Mißverhältnis
zwischen Glück und Wert voraus.
		-- Jean Paul
%
Am Tage, wo man Geld bezahlt bekommt, gibt man ein wenig mehr aus.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen werden mehr voneinander verschieden durch die inn(ern)
Anlag(en) zur Freude als durch die äußern Verhältnisse, in denen jene
wirken.
		-- Jean Paul
%
Die bloße, nackte Wahrheit wird für die meisten Unwahrheit; durch ihr
Kleid wird sie wahrer.
		-- Jean Paul
%
Man will von fremden Wesen sein Ich recht geliebt haben, nicht aus
Eigennutz, sondern um es wieder recht lieben zu können.
		-- Jean Paul
%
Man hofft, daß der andere glauben soll, unser Gesicht sei nicht
getroffen, da wir selber doch immer fremden Kupferstichen glauben; so
Rezension und Verleumdung.
		-- Jean Paul
%
Manchen gibt man das Gefühl, wodurch man es andern nimmt, durch
Schlüsse.
		-- Jean Paul
%
Sich selber Wort halten schwerer als andern.
		-- Jean Paul
%
Die Philosophen halten immer im stillen den Wert und die Ausdehnung
ihres Objekts für die ihrer Kraft und ihres Amts und ihre Anstrengung
für die größte, weil diese alle andern deduziert.
		-- Jean Paul
%
Jeder Autor, auch sogar [der] mißfallende, reißet uns in sein
Lehrgebäude hinein, daß wir vor dessen Mauern die ganze Welt eine
Zeitlang nicht sehen; schon das lange feurige Vorstellen seiner Sätze
verdunkelt uns fremde und wird ein halb(es) Glauben.
		-- Jean Paul
%
Man imponiert und gewinnt mehr, wenn man über eine Sache lange
spricht, als viel (kurz); die Ausdehnung der Rede gilt für Ausdehnung
der Kenntnis.
		-- Jean Paul
%
Wer sich nur halb verstellt: hat zugleich den Nachteil der Verstellung
und der Offenherzigkeit.
		-- Jean Paul
%
Es gibt eine Zeit in der Jugend, wo - wegen der Kraft etc. - uns der
Skeptizismus gefällt, der uns nachher, näher am Grabe, peinigt.
		-- Jean Paul
%
Ein Rezensent lieset alle Satiren gegen Rezensenten, die früher als er
geschaffen worden, kalt.
		-- Jean Paul
%
Weit mehr sind aus Schwäche Schmeichler der Fürsten und a(nderer) als
aus Eigennutz; die Wahrheit ist leichter zu hören als zu sagen.
		-- Jean Paul
%
Um die Aristokraten, Großen recht zu erraten, betrachte man ihr
Betragen gegen ihre Bediente; es gibt mehr großmütige Bediente und
Arme als Herren und Reiche.
		-- Jean Paul
%
Wir fühlen den Weg zum Bösewicht schwerer hinab als zum Heiligen
hinauf.
		-- Jean Paul
%
Dichterinnen klüger als Dichter.
		-- Jean Paul
%
Nicht gegen die Treulosigkeit der Menschen sollte man eifern, sondern
gegen die anfängliche Blindheit auf der einen und Verstellung auf der
andern Seite; allmählig trägt der schönblühende Freund giftige
Früchte, und dann fliehen wir ihn freilich.
		-- Jean Paul
%
Weiber sind weder Realisten noch Idealisten, sondern verbinden beides.
		-- Jean Paul
%
Anfangs treiben sie das Haushalten des Geliebten wegen, dann des
Haushaltens wegen.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist gefährlicher als eine unvollendete Versöhnung, sie
erschwert die vollendete mehr als keine.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen sind nie schlaffer, als wenn sie sich oder andere
trösten; ihr absichtlich kahles Gemenge von Widersprüchen.
		-- Jean Paul
%
"Unter den Männern sind die meisten gemein, nur jede Frau hat etwas
Eigenes" - Die Frau hingegen sagt wieder dasselbe von den Männern.
		-- Jean Paul
%
Nicht durch Angreifen, sondern durch Behaupten zeigt man die eigne
Kraft und Individualität am besten. Bei jenem muß man sich zu sehr
nach den andern richten und verliert bei Sieg und Niederlage.
		-- Jean Paul
%
Die Stöße, die uns der Wagen des Schicksals gibt, lassen unser Inneres
noch in Ruhe und Gleichmut. Aber Wunden, die uns der Mensch, seine
Meinung und Betragen gegen uns gibt, wirren in uns alles
durcheinander. Das Ich fühlt sich von seinesgleichen erschüttert.
		-- Jean Paul
%
An einem Glück oder Unglück ist man nie schuld, aber am
wiederkehrenden.
		-- Jean Paul
%
Zerstreuete Gedanken lieset man wieder zerstreuet und blättert in
ihnen herum.
		-- Jean Paul
%
Je kürzer solche sind, desto noch kürzer will man sie haben; und
Längen, die uns in andern Büchern Kürzen wären, sind uns zu große.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch findet nichts dagegen, daß in der Vergangenheit immer eine
Veränderung der Gesetze und Staaten nach der andern kommt - nur in der
Gegenwart will er nicht daran.
		-- Jean Paul
%
Jedes uns erzählte Menschenleben hat etwas Erbärmliches,
Eingeschränktes. Wir wundern uns, als müss ein gehörtes anders sein
als ein geführtes.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man getrunken, desto mehr lobt man den Wirt und sein Bier.
		-- Jean Paul
%
Vollendete Rechtschaffenheit ist fast Genialität (erhebt ohnehin über
jede Gemeinschaft) oder doch ein Ersatz derselben.
		-- Jean Paul
%
Die Ordnung wie der Geiz keine Grenzen.
		-- Jean Paul
%
So viele fingen mit der Liebe an, mit der sie wirken wollten, und
mußten aufhören mit der Furcht, die sie gaben.
		-- Jean Paul
%
Viele Tugenden des Alters sind nur Folgen gestillter Wünsche und
verengter oder erweiterter Schranken.
		-- Jean Paul
%
Wer einen nur zum Werkzeug gebraucht, sei sicher, daß ihn dieser auch
nur dazu brauche.
		-- Jean Paul
%
Im Alter ist einem der Nutzen des Ruhms lieber als der Ruhm.
		-- Jean Paul
%
Aus der bloßen Begierde zu gefallen ist der weibliche Sinn für
Kleidung und Schönheit nicht abzuleiten, der Mann hat jene ohne
diesen.
		-- Jean Paul
%
Der Eitle ließe in der Minute seine Stellung, Kleidung weg, wo er
wüßte, daß man sie als Eitelkeit bemerkte.
		-- Jean Paul
%
Wenn man über etwas spricht oder schreibt, sieht man, daß man mehr
weiß, als man dachte.
		-- Jean Paul
%
Ordnung und Unordnung kann man lernen, es ist Gewohnheit.
		-- Jean Paul
%
Die französischen, gallischen Irrtümer über Gott, Uneigennützigkeit,
Unsterblichkeit etc. müßten unglücklich machen, wenn sie nicht das
Schicksal aller Ideen, auch der Wahrheiten teilten, wenig gegen
Gefühle zu wirken.
		-- Jean Paul
%
Die größere Kraft gegen Verleumdung zeigt man, nicht wenn man sie
verachtet, sondern nicht zu hören sucht, wenn man's haben könnte.
		-- Jean Paul
%
Eine lange Zeit lernt man darum die Menschen nicht kennen, weil man
sie überall für besser hält als sich.
		-- Jean Paul
%
In großen Städten vergisset man den eignen Tod so leicht und kalt wie
den fremden.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen einen niederdrücken, und dann wollen sie ihm erst
Gutes tun - aber nie, ihn erheben und dann bekränzen.
		-- Jean Paul
%
Das Lob darf man nicht hinter dem Rücken des Gegenstands ändern, aber
den Tadel.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Mensch etwas Edles am andern findet, so träumt er ihm gleich
sein eignes Edle gar an.
		-- Jean Paul
%
Auch der reiche Autor stiehlt oft, weil er denkt, er hätt es ebensogut
erfinden können, und der andere denk auch das.
		-- Jean Paul
%
Nichts zeigt die Menschen falscher und schöner als d(ie) Leiden; im
Glück werfen sie die Schleier weg.
		-- Jean Paul
%
Die Besonnenheit richtet sich nach dem geistigen Reichtum d(es)
Menschen.
		-- Jean Paul
%
Wer wahr sein will, ist's schon nicht ganz mehr, er muß es gar nicht
wissen.
		-- Jean Paul
%
Wir müssen Hoffnung haben, um die Gegenwart zu genießen. Wir wollen
lieber eine schlimme Gegenwart mit schöner Aussicht als umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Man ist zu oft bescheiden und denkt nicht daran, wie oft ein eignes
Wort als ein Menschen Wort lange über unsere Meinungen hinaus
fortwirke. Man betrachte immer, wie stark der Redende - wie schwach
(jung, eingenommen) der Hörende sei.
		-- Jean Paul
%
Ein Weiberfeind ist auch ein Menschenfeind.
		-- Jean Paul
%
Um nicht veränderlich zu scheinen, muß man nur seine Entschlüsse so
lange verschweigen, bis man einen davon ausführt.
		-- Jean Paul
%
Nach einer kühnen Tat muß man fort kühn sein, sonst geht man unter.
		-- Jean Paul
%
Menschenhaß und Härte verträgt sich mit weich(em) liebend(en) Gefühl.
		-- Jean Paul
%
Die Bischöfe etc. (Clerus) des Mittelalters ließen sich so leicht wie
Höfe jetzt, ihre Verderblichkeit verlachen; aber es war nicht
Toleranz, sondern vollend(ete) Verderbnis.
		-- Jean Paul
%
Man kann sehr ehren-fein sein und doch keine Ehre haben.
		-- Jean Paul
%
Warum halten sich die Menschen für scharfsichtiger, wenn sie das
geheime Böse entdecken, als das geheime Gute?
		-- Jean Paul
%
Je älter man wird, desto gesünder, glaubt man, wolle (werde) man sich
immer machen, da man doch nur Krankheiten entgegenlebt.
		-- Jean Paul
%
Es gibt feige Nachsprecher an Höfen und in der Literatur, durch die
man die stillen Meinungen ihrer Herren errät.
		-- Jean Paul
%
Im Alter liebt man Personalien, in der Jugend Realien.
		-- Jean Paul
%
In der moralischen Welt verbreitet sich Licht langsamer als Wärme;
anders als in der physischen.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Major ein Oberst wird, wundert er sich bloß, daß er etwas
anders zu tun hat; an die Charge dacht er gar nicht, nur an die
Pension.
		-- Jean Paul
%
Die Aufklärung, Licht etc. wirkt bei Fürsten und einzelnen Menschen
immer wohltätig für Moralität, wenn sie eben ankommt - sieh
katholische Länder - aber dauert die Einsicht, Klugheit etc. lange,
wird sie gerade zu einem Werkzeug der Immoralität verbraucht.
		-- Jean Paul
%
Ein Gelehrter gilt so lange für unfehlbar, bis er vor uns den ersten
Irrtum begangen und nachgeben müssen; dann tritt man ihm ohne Gnade
keck entgegen.
		-- Jean Paul
%
An gewissen verstellten Menschen ist nichts so unerträglich als ihre
halb un- und halb willkürliche Herzlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Um zu wissen, wie gut oder schlimm eine Nation (deutsche) von sich
denkt, muß man nicht auf das Schlimme hören, das sie von sich, sondern
auf das, das sie von fremden Nationen sagt.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor wird am dunkelsten, wenn er Sätze sagt, die er 1000mal
dachte und die, in seinem Innern lang erzogen, er nicht erst auf dem
Pulte erfand, wo er sie gab. Andere entwickeln sich und dem Leser
zugleich die Sache.
		-- Jean Paul
%
Die Bücher machen nicht gut oder schlecht, nur besser oder schlechter.
		-- Jean Paul
%
Schlechte Autoren sollte man vor, gute nach ihren Büchern
kennenlernen, um jenen die Bücher zu vergeben, und diese den Büchern.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder sagen unzählige zarte Gefühle heraus, die die Erwachsenen
auch haben, aber nicht sagen.
		-- Jean Paul
%
Was die Kraft-Menschen so wild gegen ihre Gegner macht - Herder,
Fichte - ist, daß sie nie mit ihresgleichen kriegen müssen, sondern
mit den untergeordneten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch schenkt am leichtesten nach dem Schenken.
		-- Jean Paul
%
Die zu gewissenhaften Autoren, die nichts wagen, haben den fast nicht
bescheidnen Glauben, daß ihnen kein zweiter Autor entgegenarbeiten daß
man ihnen aufs Wort glaube - dem Schreiber wie dem Sprecher steht
stets ein anderer entgegen.
		-- Jean Paul
%
Wenn man nur einmal recht ins Bewundern hineingekommen - Moritz gegen
Goethe - so gewinnt man so viel, als sei man selber der Gegenstand und
mehr und reiner, weil man seine höchste Idee nun außer sich realisiert
antrifft.
		-- Jean Paul
%
Wer bloß bürgerliche Steigerungen seines Glücks hat, muß immer
größ(eres) wünschen; der Dichter etc. hat gleich das unendliche Glück
vor sich.
		-- Jean Paul
%
Weltumgang gibt nicht Erfahrung, höchstens diese jenen.
		-- Jean Paul
%
Die kleine Stadt sagt von der kleineren, sie sei noch nicht so
verdorben - und so Tugend immer im Verhältnis der Kleinheit.
		-- Jean Paul
%
Wer ein rechtes Ideal, das er ins Leben ziehen will, im Geiste hegt,
ist gegen d(as) Gift der Mode geschirmt, wie Schwangere gegen
ansteckende Krankheiten.
		-- Jean Paul
%
Feststehende philosophische Worte sind gefährlich - man bringt sein
ganzes Anschauungssystem darunter - und dann versteht man fremde Worte
nicht, die man sonst verstände.
		-- Jean Paul
%
Wer sagt, er verachte, fängt's kaum an und hasset noch.
		-- Jean Paul
%
Wo die Menschen an Verstand übertroffen werden, glauben sie, es sei
nur an Wissenschaft.
		-- Jean Paul
%
Der gute Mensch sogar drückt seine guten Maximen noch schärfer aus,
als er sie übt.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Verleumdung oder das Gerücht schon das Unschuldigste falsch
auslegt: wie schlimm (verdreht) muß sie erst sorglose Handlungen der
Menschen, die sich absichtlich um keinen Schein bekümmern, ja gegen
den Schein leben, aufnehmen und zusammensetzen. Glaube, Sorgloser, sie
wird noch etwas Schlimmeres daraus machen als du scheinen wolltest.
		-- Jean Paul
%
Glückliche Mädgen in der Ehe lieben schon Romane nicht mehr, weil sie
nichts mehr auf sich beziehen können.
		-- Jean Paul
%
Eine Handlung ist fast eher durch eine entgegengesetzte aufzuheben als
ein Wort durch ein Wort, wovon man das erste wieder für eine Handlung
erst ausgeben muß.
		-- Jean Paul
%
Gelehrsamkeit auch darum so imponierend, weil man sie sich nicht durch
eine willkürliche Anstrengung ersetzen (verschaffen) kann als das
Gefühl, Genieblick usw.
		-- Jean Paul
%
Ein Schmeichler ist's selten aus bloßem Eigennutz, sondern aus
Charakter; denn er schmeichelt Niedrigen wie Hohen.
		-- Jean Paul
%
Die Fürsten und alle Menschen lieben es weit mehr, wenn man etwas aus
persönlicher als allgemeiner Rücksicht für sie tut, weil das
Allgemeine leicht ebensogut ihr Feind werden kann.
		-- Jean Paul
%
Eigne Anmerkungen findet man zum Aufzeichnen oft bloß darum zu
unbedeutend, weil man sie durch langes Herumtragen und Handeln darnach
sich selber gemein gemacht.
		-- Jean Paul
%
Daß sich die Männer wundern über weibliche Niederlage, ist ein Lob für
die Weiber; diese wundern sich nicht über den Angriff, ein Tadel für
uns.
		-- Jean Paul
%
Man gebe manchem Selbstvertrauen, so ist er ein Weltmann.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen widerlegen einander ewig nur Irrtümer, die der Gegner
nicht behauptet.
		-- Jean Paul
%
Alle Menschen suchten die Wahrheit, wenn sie nur gewiß wüßten, daß sie
sie fänden - z.B. in einem von einem Engel geschriebnen Buch.
		-- Jean Paul
%
Erstlich zur Seltenheit muß man sich machen, und damit man es bleibe
in der Gesellschaft, zuweilen hintereinander keine Seltenheit sein.
		-- Jean Paul
%
Viele Handlungskühnheiten (z.B. Konferenz) kommen uns nur kühn und
schwer vor, weil wir in der Ruhe sind, wie schlechtes Wetter
unerträglich, wenn man aus der warmen Stube hinaussieht - ist man
draußen, fragt man nichts darnach, weil man die Rüstung entgegensetzt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe ist es schädlich, wenn man, wegen Zank, sich seine Liebe,
die man doch hat, zu äußern schämt, wie gegen Eltern.
		-- Jean Paul
%
Gerade die Menschen, die nicht verstanden werden, sprechen nicht gern
davon oder doch traurig - hingegen die Jugend prahlt damit.
		-- Jean Paul
%
Bedeutende Menschen, die uns aber böse geschildert worden, nehmen uns,
da wir ihnen stets ein unmoralisches Äußeres dazu liehen, stets bei
der ersten Bekanntschaft ein wenig ein.
		-- Jean Paul
%
Man liebt am schönsten und reinsten die Wesen, die nicht wiederlieben,
Hunde, Kinder; Geliebte, von denen man nichts fordern kann.
		-- Jean Paul
%
Jede gute Neigung wirkt stärker, wenn sie sich durch Tun, als wenn
[sie] sich durch Meiden zeigen muß.
		-- Jean Paul
%
Gerade der Freie sucht den Schein der Freiheit am wenigsten.
		-- Jean Paul
%
Die meisten achten sich nicht eher, als bis andere sie achten.
		-- Jean Paul
%
Kein Autor hört so gern das Lob eines fremden Autors als der, der ihn
nachahmt.
		-- Jean Paul
%
Wer nicht sucht, wird bald nicht mehr gesucht.
		-- Jean Paul
%
Der rechte Charakter ist nicht mit Standhaftigkeit anfangen und nach
den Umständen sich zu fügen - sondern wie die Römer, in jeder
Verschlimmerung nicht um einen Fußbreit zu weichen.
		-- Jean Paul
%
Zur Lebensart gehört, daß man auch gegen sich höflich sei.
		-- Jean Paul
%
Nicht Dicke, aber 1 Fuß Länge mehr gibt immer ein Übergewicht des
Ansehens.
		-- Jean Paul
%
Eine kurze Enthaltsamkeit ist schwerer als eine lange. Besser, von
Sachen als von Menschen abzuhängen.
		-- Jean Paul
%
Nur in der höchsten Gleichgültigkeit oder höchsten Wärme (Hasse) kann
man sich über Menschen irren; in beiden bemerkt man zu wenig.
		-- Jean Paul
%
Man vergibt ungern dem Demütigen ein gerechtes höheres Gefühl bei
seinem Glückswechsel.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit nur hassenswert, wenn sie große Gegenstände zu ihrem
Dienst mißbraucht, das Große um ihrentwillen affektiert; mit Kleinem
darf man eitel sein, mit einer Schnalle, nicht mit einer großen
Empfindung oder mit Mangel an Eitelkeit; daher man sie kleinen
Menschen eher vergibt.
		-- Jean Paul
%
Das Individuelle entscheidet überall. Wie wenig kann jeder vom besten
Helden brauchen! - Der Dichter gibt überall nur sittliche Momente, die
jeder anwende!
		-- Jean Paul
%
Seltner und schwerer streitet man, um den andern zu bessern, als um
die Wahrheit zu befriedigen (daher das Feindliche), als ob man nicht
durch jenes sie am meisten befriedigte.
		-- Jean Paul
%
Alle weiche gegen Fremde nachgebende Menschen suchen sich eine Lüge
ihrer Selbständigkeit durch Härte gegen die Ihrigen weiszumachen.
		-- Jean Paul
%
Wo viel Ehrgefühl, da ist viel Ehrgeiz; aber gar nicht umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Die kühnsten Autoren im Urteil über andere oder über Wissenschaften
sind junge, die dadurch Autorität zu erlangen hoffen; da die alten
dadurch ihre zu verscherzen fürchten.
		-- Jean Paul
%
Nirgends noch Vaterlandsliebe als bei gemeinen Leuten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch nimmt es schon übel (im ersten Anstoß), wenn man ihm
überhaupt etwas übelnimmt.
		-- Jean Paul
%
Manche handeln poetischer als sie schreiben.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt es gar nicht für möglich - daher die Zuversicht -, daß man
etwas vergessen werde, wenn man sich dess(elben) eben erinnert.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Mädgen früher in der Liebe Gründe anzunehmen scheinen: so
handeln sie doch nur aus Liebe gegen den Gegenstand, der sie gibt,
nicht aus Überzeugung - Ohne Liebe keine Gründe.
		-- Jean Paul
%
Man scheuet sich, dem jungen Kind den lateinischen Namen eines Tiers
zu sagen, als wär ihm der erste deutsche Name nicht ebenso fremd.
		-- Jean Paul
%
Man kann vom Menschen Geschlechte zu schlecht denken und doch vom
einzelnen immer zu gut.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht wirft sich niemand mehr Schwäche vor als ein starker
Mensch.
		-- Jean Paul
%
Die feinste Aufgabe im tätigen Leben ist die, ob man einer Sache
zuvor-, oder erst nachzukommen habe.
		-- Jean Paul
%
Eine Frau läßt Geld herumliegen, nicht Kaffee.
		-- Jean Paul
%
Der, der einen Rat begehrt, hat meistens - schon durch die Zeit - eine
Sache von allen Seiten beschauet; der Ratgeber von der ersten, die
vortrat, da man ihn fragte. Und doch muß man fragen, um eben alle
Seiten durch mehre(re) Augen kennenzulernen.
		-- Jean Paul
%
Der erste Bettler nach einer Feuersbrunst bekommt am meisten.
		-- Jean Paul
%
Man muß nie einen Tadel in ein Schimpf- oder Entscheidungswort
kleiden, weil ein Wort - z.B. Schurke - den ganzen Menschen umfaßt
und ein Leben abspricht, da der Mensch sich doch so vieler besserer
Ziele bewußt ist und überhaupt, weil hier der Prozeß mit der Exekution
angefangen und der Beweis vorausgesetzt wird, der erst bei dem
Menschen zu führen ist. So muß man nie sagen: ich habe dir etwas
Unangenehmes zu sagen, weil dieses die ganze Welt des Jammers umfaßt,
von der uns doch nur eine glühende Kohle gegeben wird.
		-- Jean Paul
%
Gegen den Egoismus - zumal den feinsten - gibt es nun kein Mittel
weiter als - Republik, Anteil an allem.
		-- Jean Paul
%
Wenn sich ein großer Kopf euch zu unbedeutend darstellt: so glaubt
nur, daß ers ist, weil er euch dafür hält.
		-- Jean Paul
%
Wer die Menschen nicht mehr liebt, findet wieder Liebe und Interesse
an einem, der leidet. Der Schmerz führt uns die alte Liebe des ganzen
Geschlechts zurück.
		-- Jean Paul
%
Die Begierde nach Geld kann sich sogar in einer edeln Seele
entschuldigen - um nämlich von Menschen (nicht bloß von Sachen) frei
zu bleiben, um gegen jene niederwerfende Ungleichheit eine Stütze zu
haben.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Arten von Liebe, die der Mensch hat - Eigen-, Kinder-,
Menschen-Liebe - ist keine so schwach als die Wahrheitsliebe, für die
er nicht einmal kleine Wunden der Eitelkeit sich gefallenläßt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man in sich eine Veränderung gegen Irrtümer der vorigen Zeit
bemerkt: so hält man sich nicht für irrfähiger darum, sondern jetzt
für kräftiger, als ob die Vergangenheit nicht der Zukunft drohe.
		-- Jean Paul
%
Die Schwachheit (das Nachgeben, Verändern) der Männer macht die Weiber
listig.
		-- Jean Paul
%
Man kann vieles als so scharfe Axiomen sagen, wodurch durch ein Leben
gehandelt worden und werden soll, wenns recht geht, und welche
unmöglich gerade bei Anlaß des Gesprächs können erfunden sein und
werden - und die es doch sind.
		-- Jean Paul
%
Durch übertriebnes Lob (aus wahrem Herzen) wird niemals vor dem
Gegenstand übertriebner Tadel (aus wahrem Herzen) gut und süß gemacht.
		-- Jean Paul
%
Alles ist eher in einem Staate ins Reine und Vollkommene zu bringen,
Ausübung der Justiz - Rechte - Kammer -; nur die Besetzung der
Stellen, zumal der hohen, offenbart sich als Fleck jedes Staats.
		-- Jean Paul
%
Nicht Mangel an Ideen - denn man hat immer welche -, sondern an neuen
macht Langweile.
		-- Jean Paul
%
Der Wegreisende glaubt stets, weiter zu sein als der Dableibende.
		-- Jean Paul
%
Nicht sowohl der Verstand kommt nicht vor den Jahren als die rechte
geistige DenkFreiheit.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Mann, der uns anfangs mit seinem Nachsprechen unserer Ideen
Freude macht, wird uns in schwierigen Fällen lästig und verhaßt, wo er
unserer Furcht nicht widerspricht und uns keinen Rat erteilt oder
keine Hoffnung.
		-- Jean Paul
%
Mangel an Verschwiegenheit entsteht meistens aus Mangel an Redestoff.
		-- Jean Paul
%
Die Worte des Ehemanns wirken höchstens auf die Ehefrau, wenn er sie
einer fremden vorsagt.
		-- Jean Paul
%
Das Altertum schrieb reiche, große, edle Worte auf - die Neuen mehr
witzige. - Die jetzigen moralischen Anekdoten zeichnen mehr die
Menschenliebe; die alten die Tapferkeit und jede Größe. Wir können
überhaupt jetzt leichter einen Historiker als einen Plutarch ernähren.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Frau, die Kinder binden den wagenden Mut, weil wohl jene mit
uns tragen kann, da sie sich mit uns entschließt, diese aber noch
keine Kräfte zum Entschließen und Tragen haben.
		-- Jean Paul
%
Menschen von einigem Talent (wie Erhard) haben sich so sehr mit den
gestickten Gewändern des Jahrhunderts umhangen, so viel Fremdes, was
schön ist, umlegt ihr Eignes, das auch schön ist, daß man kaum zum
eigentlichen Wesen durchdringen kann. Nehmt ihnen die Zeit ab: wie
wenig sind sie von denen verschieden, auf die sie herabsehen! - Es
sollte eine Abschälungstheorie geben, um den, der viel von der Zeit
geborgt, doch nicht über den zu setzen, der wenig geborgt.
		-- Jean Paul
%
Eine Stadt imponiert anfangs, als wären ihre großen Häuser und Gassen
eine Masse zum Befehlen - bis man endlich sieht (und zu ihr gehört),
daß alles sich wie im Dorfe in Einzelne zerteilt.
		-- Jean Paul
%
Keinen Titel zu haben schadet oft darum bei Bekannten, weil sie nicht
mit unserer Freundschaft prahlen können.
		-- Jean Paul
%
Die Urteile der Männer über Menschen wägen den Gehalt bloß ab, um
Kenntnis zu haben; die der Weiber über Menschen, um zu lieben oder zu
hassen; daher jene vielseitiger sind.
		-- Jean Paul
%
Leichter heiratet ein Mann eine Frau aus niederem Stande hinauf als
eine aus höherem herab; die Hof-(Stadt-)kunst ist bald gelernt, aber
nicht so die Küchen- und Haushaltungskunst, sogar bei der Lehre des
Vaters.
		-- Jean Paul
%
In Gesellschaft macht der Witz eine Lücke und Finsternis durch
Blenden; hingegen Laune ergötzt in einem fort.
		-- Jean Paul
%
Gäb es nur eine höhere Gattung Tiere: schwerlich würden wir sie
martern; so sehr nimmt uns die herabsteigende Stufenfolge oder d(ie)
Grenzenlos(igkeit) den Maßstab.
		-- Jean Paul
%
Ich kenne sehr geschmackvolle Leute, welche die langweiligsten
Gesellschafter sind, weil sie immer nur zu fühlen und zu schmecken
gewohnt sind und andern folglich nichts zu fühlen und zu schmecken
geben.
		-- Jean Paul
%
Jeder Freund hält es für den größten Genuß, dem andern die Wahrheit zu
sagen - am Hören findet keiner einen sonderlichen.
		-- Jean Paul
%
Es ist schlimm, daß man vor lauter heißerer Liebe zu Freunden ihnen
gerade das Bestimmteste über ihre ganze Lage zu sagen wagt.
		-- Jean Paul
%
Keine Frau könnte durch das Ankleiden so viel gewinnen als sie
verliert, wenn man ihr dabei zusieht.
		-- Jean Paul
%
Die einfachsten Menschen hör ich die feinsten Vermutungen äußern, wenn
der Schritt etc. eines Gesandten, Ministers politisch zu erklären ist.
		-- Jean Paul
%
Einer kann stets sein Wort halten, seine Vorsätze ausführen und doch
veränderlich sein; er führt nämlich nur die gesagten aus; aber in den
gedachten ist er veränderlich; und niemand weiß es.
		-- Jean Paul
%
Man muß, um einen Menschen zart und fein zu behandeln, nicht bloß nach
der hohen Achtung messen, die man für ihn hat, sondern auch die
(vielleicht irrige) Achtung erraten, die er für uns hegt und nach
deren Größe ihn unsere Vernachlässigungen schmerzen.
		-- Jean Paul
%
Es gibt gewiß bloß darum vieler glücklichen Ehen mehr, weil der Mann
nicht mit zu erziehen suchte.
		-- Jean Paul
%
Nirgends ist mehr Kriegsenthusiasmus als in der Hauptstadt, weil nie
oder selten der Krieg dahin kommt. Eine Provinzialstadt voll
Kriegslust wäre etwas Höheres.
		-- Jean Paul
%
Man tadelt den eignen Hund, der an jedem Fremdling aufhüpft, liebt es
aber, wenn es uns geschieht; so hassen wir unsern Schmeichler nicht so
sehr als einen fremden.
		-- Jean Paul
%
Durch Tadel wird man öfter mehr vorsichtig und klug als besser.
		-- Jean Paul
%
D(er) Treulose macht Treulose; wer kein Wort hält, findet keinen
Worthalter mehr.
		-- Jean Paul
%
Wenn man in Gesellschaft ein lobendes Urteil fällt, darf man es in
starke Ausdrücke zusammenfassen. Hingegen bei einem Tadel muß man nur
die Gründe, keine Benennungen sagen, 1) weil man dem fremden Urteil
vorgreift 2) weil der andere leicht an unsern frohen, aber nicht [an]
zornigen Ausbrüchen Anteil nimmt 3) weil der Gegenstand des Tadels
nicht Gründe, nur Namen rächt. Man darf sagen: A. ist ein Engel! - nie
aber: A. ist ein Teufel!
		-- Jean Paul
%
Ein Mann wie Voltaire taugt(e) zu keinem ewigen Hofmann, weil seine
Kraft die Ebene und Leichtigkeit der Geselligkeit unterbrach.
		-- Jean Paul
%
Durch Trinken vor der Ehe gewöhnt der Mann die Geliebte an übermäßige
Liebeszeichen; in ihr hat es entgegengesetzte Folgen.
		-- Jean Paul
%
Weiber hassen an Weibern, nicht an Männern Eitelkeit und Stolz.
		-- Jean Paul
%
Fiel einer einmal in den Verdacht der Eitelkeit: so wickelt er sich
nicht mehr daraus heraus, er handele, wie er will.
		-- Jean Paul
%
Die Toleranz ist leichter gegen den, der schlecht handelt und sich
dafür hält, als gegen den, der gemein egoistisch etc. handelt und sich
für edel nimmt.
		-- Jean Paul
%
Durch übermäßiges Lob wird der Autor nicht für übermäßigen Tadel
entschädigt. Jenes nimmt das halbe Vergnügen (und gibt weniger als
gerechtes Lob) durch die Unvollkommenheit des Lobredners und durch die
Erinnerung an die gelobten Vorzüge, deren man eben entbehrt.
Überm(äßiger) Tadel verwundet 1) durch Nachsprechen 2) fremde
Unvollkommenheit 3) eigne Geneigtheit, ihm zu glauben 4) Gefühl der
Beleidigung.
		-- Jean Paul
%
Man muß nie dem einen leidenschaftlichen Ausbruch zeigen, der dessen
Ursache nicht kennt.
		-- Jean Paul
%
Ein berühmter Mann schreibe ein Buch mit Gründen, z.B. gegen den Eid
- man vergißt, zitiert, widerlegt das Buch - aber er lasse in einem
ganz davon fremden Werke, z.B. wie Lessing, Schiller etc. ein Wort
dagegen fallen ohne Gründe: man zitiert ihn als Autorität.
		-- Jean Paul
%
Dies ist die Probe, wie hoch man einen andern Menschen stelle und
liebe, inwieweit man von ihm in Rücksicht der Glücksgüter abhängig
sein will. Nur dies Gefühl entscheidet über die Ansicht fremden
Gehalts.
		-- Jean Paul
%
Darum, weil es eine erste Liebe gibt - und Flitterwochen - und Ideal
der Jugend und Kindesliebe: so gibt es auch erste Freundschaft; aber
der Gegenstand ist nicht sein Wert.
		-- Jean Paul
%
Kein Mensch nennt sich dümmer als den andern; kein Zeitalter nennt ein
voriges klüger, sich bloß schlimmer und klüger.
		-- Jean Paul
%
Nicht nur zu einem Lügner - oder zu einem Spieler - gehört Gedächtnis,
sondern besonders zu einem Weltmann und Gesellschafter.
		-- Jean Paul
%
Man fühlt in sich zweierlei Tugenden 1) moralische Anlagen
(Tendenzen), welche man (dies ist man sich bewußt) in allen andern
Verhältnissen und Umgebungen erhalten und bewahrt hätte -
2) gewonnene, gleichsam klimatische Sittlichkeit, für deren Bestand in
ganz anderem Boden der Erziehung etc. uns unser Gefühl nichts
verbürgen will.
		-- Jean Paul
%
Man denkt sich fremden Haß gegen uns viel heller und ergreifender als
das fremde Lieben. Besonders stellt man sich in der Ehe jenen heller
vor als dieses.
		-- Jean Paul
%
Man bereuet mehr die Feigheit als die Kühnheit des Handelns, insofern
jede von beiden echt gewesen.
		-- Jean Paul
%
Warum hängt auch dem redlichst-liebenden Mann, der sein Seelenglück in
einer weiblichen Seele gefunden, noch etwas von dem Bestreben an, auch
eine zweite ebenso edle Seele für sich zu haben, als obs nicht an
einer genug wäre?
		-- Jean Paul
%
Die größte Schlechtigkeit der Menschen hab ich in Predigten gefunden -
nicht über jene, sondern an diesen. In Kant, Fichte, Schelling find
ich nichts, als was rein stärkt oder erhebt oder begeistert.
		-- Jean Paul
%
Bücher und Anstalten etc. wirken zwar wenig auf einzelne Menschen,
aber dadurch, daß sie zur Sitte arten, auf Völker.
		-- Jean Paul
%
Man idealisiert jeden, den man zum ersten Male sieht - entweder auf-
oder abwärts.
		-- Jean Paul
%
Nie sollte der Mann zärter gegen die Frau sein als nach einem
Geschenk, um ihr jetzt das Gefühl der Verbindlichkeit zu erleichtern.
		-- Jean Paul
%
Entweder das Neueste oder das Älteste (aus der Jugend) gefällt auf
Reisen. Am Ende gibts kein Neuestes mehr, aber das Älteste wird älter.
		-- Jean Paul
%
Bei weiblichen Gesprächen hört man von weitem ewig(es) Lachen.
		-- Jean Paul
%
Ich habe wohl eine männliche Gesellschaft nacheinander reden hören,
aber keine weibliche.
		-- Jean Paul
%
Der bessere Sonntagsanzug gibt bei dem Volke der Kirche Heiligkeit und
predigt früher als der Mantel des Pfarrers.
		-- Jean Paul
%
Oft besteht die größ(ere) Kraft eines Mannes weniger darin, wie er ein
Amt verwaltet, als wie [er] in dasselbe gelangte.
		-- Jean Paul
%
Man läßt in (nach) langen Disputationen so gern die Beisätze und Sätze
des andern gelten, wenn unsere vorher gegolten.
		-- Jean Paul
%
Jeder, der Unsterblichkeit auf seinem Wege errang, begreift nicht die
Anstrengungen eines andern, z.B. Bonaparte, der sie auf einem andern
sucht, und tadelt die Anstrengung.
		-- Jean Paul
%
Der Geizige ist eine beinah poetische Besonnenheit der Gegenwart; er
sieht alles, wenn auch zu anderm Zweck als der Naturforscher und
Dichter.
		-- Jean Paul
%
Wie anders ist die Bewunderung im 20. und die im 40. Jahre! Jene nimmt
man oft zurück, und sogar bei dem höchsten Grade hat man noch eine
geheime Hoffnung, den Gegenstand zu erreichen. Wen ich aber jetzt
bewundere, hoff ich nie zu erreichen und bewundere ihn desto mehr.
		-- Jean Paul
%
Die rechte unwillkürliche Originalität ärgert sich, daß nicht jeder
ist wie sie -, die scheinbare will gar nicht, daß andere sind wie sie.
		-- Jean Paul
%
Man kann ziemlich seinen eignen innern Menschen - den moralischen,
sogar den intellektuellen - kennen; aber [nicht] das Ensemble unsers
äußern, den Eindruck, den unser ganzes Reden und Erschein(en) auf
andere macht.
		-- Jean Paul
%
Auch die größten Menschen, die uns jetzt mit ihrer Kühnheit und
Gleichgültigkeit gegen Urteile ergreifen, waren als Jünglinge
furchtsam - man kommt nur allmählich zu Mut gegen und über Urteile
hinaus.
		-- Jean Paul
%
Wenn von 2 Menschen der eine [ich] zum andern [Cloeter] sagt: wir
verstehen uns nicht: so hat er sich eben verstanden.
		-- Jean Paul
%
Die Ärzte haben auch darum weniger Schein des Mitleids, weil sie
Anschläge des Helfens haben; die Trostlosigkeit, nicht helfen zu
können, hat keinen Trost als den zu weinen.
		-- Jean Paul
%
Eheweiber nehmen (vom Manne) wohl eine Belehrung, eine Voraussagung
an, nie eine Widerlegung.
		-- Jean Paul
%
Zwei Irrtümer setzen unsere Handlungen für (vor) den andern in
falsches Licht. 1) Je mehr wir unser Ich und den rächenden Stolz
desselben genießen und zeigen, desto mehr glauben wir, unsere Freude
erzeuge die fremde. 2) Je weher uns Nachgeben und Zuvorkommen tut,
desto weniger setzen wir voraus, daß es den andern oder den Feind um
so mehr gewinne und befriedige, und wir glauben nicht, daß unserem
Gefühle gerade das entgegengesetzte antworte.
		-- Jean Paul
%
Man fürchtet den Gerechten, noch mehr den Ungerechten.
		-- Jean Paul
%
Fast alle Menschen sind gut, wenn man ihnen die Qual des Bedürfnisses,
der Verhältnisse, oder der Not wegnimmt. Sie wollen alle das Beste,
ohne die Kraft, es zu holen.
		-- Jean Paul
%
Ein anderes ist, wenn ein Mensch das Geld häuft, um etwas zu brauchen
- ein anderes, wenn er's häuft, um es noch höher zu häufen; denn hier
beginnt der Geiz; das Aufhäufen hat keine Grenze, da es selber das
Ziel ist.
		-- Jean Paul
%
Es ist nicht Stolz, daß der Negersklave gegen seine Frau so herrisch
ist oder jeder Oberbediente gegen den Unterbedienten - Wut und Zorn
ist's gegen die höhere Ungerechtigkeit und Ungleichheit. - Der
Kutscher und Jäger peitschet seine Tiere am meisten, wenn er
ausgescholten worden - so die Mutter die Kinder.
		-- Jean Paul
%
Es ist physisch viel leichter, eine Nonne zu sein als ein Mönch;
moralisch viel schwerer.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist unbegreiflicher als die Ursache, warum dasselbe Weib - zu
verschiednen Zeiten - so viel versagt und gewährt.
		-- Jean Paul
%
Weswegen jetzt die Ehen unglücklicher sind gegen sonst, ist, weil die
mehr empfindsamen Männer die Frauen mehr zur Empfindung aufregen, die
dann nach ihrer Ungemessenheit ins Unendliche geht. Sonst zeigte ein
Mann seine Empfindung durch Tat im Leben; und da war es vorbei; jetzt
fordert ein Wort das andere.
		-- Jean Paul
%
Der edlere Mensch verschlimmert sich mehr durch das Unterlassen guter
Menschen (Freunde) als das Unternehmen böser.
		-- Jean Paul
%
Auch in der Ehe etc. gilt's, ein Wort ist giftig-durchgreifender als
eine Tat, weil diese viel-, jenes nur eindeutig ist. Jene offenbart
nur den Augenblick, dieses das Herz. Es gibt in der Ehe etc. Worte,
die man zu entschuldigen nicht braucht, aber auch nie vermag und denen
[man] nichts vorwerfen kann als ihr Dasein. Doch die rechten
eigentlichen Donnerworte sind nicht die in Leidenschaft - dann gehören
[sie] ja zur Tat selber -, sondern die in der Ruhe und Unbefangenheit
gesagten.
		-- Jean Paul
%
Je älter man wird, desto mehr schätzt man Ordnung.
		-- Jean Paul
%
So treulos auch die Frauen gegen Männer scheinen, so sind sie es doch
mehr gegen Frauen. - Keine ist gegen die andre ehrlich (auf Kosten der
Männer und ihrer). - Kurz, sie wissen doch zu schweigen.
		-- Jean Paul
%
Eine Gattin verzeiht leichter Untreue und Freude an fremden Reizen,
als Kälte gegen ihre.
		-- Jean Paul
%
Man erzürnt sich immer mehr gegen einen, für den man erst den Zorn
einige Zeit aufheben muß - und genade ihm dann Gott!
		-- Jean Paul
%
Ich begreife, wie man ein Tyrann sein kann; aber nicht, wie man einer
einen ganzen Tag lange sein kann.
		-- Jean Paul
%
Das Unrecht, das dir geschieht, treibe rächend ab, aber nicht als
Individuum, sondern als Menschheit; diese soll sich nichts gefallen
lassen.
		-- Jean Paul
%
In der Politik errät sogar das Publikum stets das Listige und Feine;
nur das Große und Reine allein ist dazu gemacht, nicht geahnet zu
werden.
		-- Jean Paul
%
So lange man lieset, besinnt man sich auf all(es), nur nicht auf sich.
		-- Jean Paul
%
Man sollte niemand über Furchtsamkeit tadeln, bis man weiß, wie wenig
oder viel er dagegen gearbeitet.
		-- Jean Paul
%
Ein Buch ist für das Volk ein Stück Kirche oder Religion.
		-- Jean Paul
%
Je älter man wird, desto mehr will man gewöhnlicher erscheinen, um nur
nicht die Mühe zu haben, bemerkt zu werden.
		-- Jean Paul
%
Was der Mensch von Menschen erfährt, erträgt er weniger, weil ers mehr
der Freiheit als dem Schicksal zuschreibt.
		-- Jean Paul
%
Wenn du in der Hitze glaubst, du sprächest stark in der Gesellschaft
oder zu einem Menschen: so sei versichert, du sprichst zu stark.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind verdrüßlich (eigentlich herrisch und auffahrend wie
bei dem Anputz, daher die Römerinnen da so viele Grausamkeiten
verübten), wenn sie Wäsche haben; die Männer, wenn sie nur waschen
sehen, besonders die Zimmer.
		-- Jean Paul
%
Man hält so oft den Vorsatz des Autors, nicht mehr so zu schreiben wie
in der Jugend, für Unvermögen, so fortzufahren.
		-- Jean Paul
%
Im jüngsten Kinde ist am meisten zu gewinnen durch Gewohnheit -
unterwegs bis zur Mannbarkeit ist, glaub ich, weder durch Gewöhnen
noch sonst viel zu bestimmen. - Hingegen mit der Mannbarkeit oder der
Jünglingsschaft fängt ein neuer Frühling an, der nicht einmal im Manne
wiederkehrt und der alles bestimmt, oft in einem Tage oder durch einen
Menschen. Die Lebenszeiten der Menschen gleichen Jahreszeiten; in
ihrem Anfange säe; der Fortgang reift bloß.
		-- Jean Paul
%
Man sage nicht, daß man einen Menschen kenne, geschweige eine Frau,
ohne in ein Handels Verhältnis damit gekommen zu sein. Schaue eine
schöne, milde, liebende Frau wochenlang an; und höre ihre Worte: sie
sagt doch nur ihre Vorsätze, Poesien, Wünsche und alles, was sie in
ihrer Kraft selber glaubt. Aber sie handle im Ungestüm der
Verhältnisse und im Widerstreit zwischen sich und außen und dir: dann
zeigt sichs.
		-- Jean Paul
%
Die schwachen Menschen widersetzen sich einem Ent- und Einwurf gegen
ihr Leben am stärksten, aus Bewußtsein ihrer ewigen Nachfolgsamkeit; -
schweigt man darauf, so tun sie, was sie verneinten.
		-- Jean Paul
%
Das meiste und Gewöhnlichste, was Jugendfreunde nach spätem
Wiedersehen aneinander bemerken, ist, daß sie dicker geworden.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch fodert nach jeder Unterwerfung noch eine tiefere;
unrechtm(äßiger) Widerstand ist ihm verhaßter als unrecht(mäßiges)
Nachgeben.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe gilt Verstand (zumal des Weibs) weit mehr als Liebe. Diese
hält nicht lange nach, wird leicht gestört und bringt nie in Ordnung.
Also bildet eure Töchter verständig, nicht bloß liebend.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht entsteht Menschen-Verachtung weniger aus Beobachtung ihrer
Schlechtigkeit als ihrer ewigen Wiederholung, nämlich der Wiederkehr
von Glanz in Schatten.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen und Kinder bedecken beschämt nicht das Gesicht, um es
andern zu verbergen, sondern um andere sich zu verbergen, da in der
Scham menschliche Gegenwart zu hart anfaßt.
		-- Jean Paul
%
Daß im Ganzen die Menschen nicht im Glücke besser, sondern schlechter
werden - leichter umgekehrt im Unglück - beweist hart gegen sie.
		-- Jean Paul
%
Bei den Menschen löscht die letzte Handlung tausend vorhergehende
Wohltaten aus, so sehr sind die Gefühle nur Geschöpfe des neuesten
Augenblicks.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Menschen, denen jedes Lob Tadel ist, das nicht das größte ist.
		-- Jean Paul
%
Im Moralischen darf man um keinen Rat fragen; nur fragen, wie, nicht
ob man zu handeln habe. Aber der Mensch versteckt gern das Ob und Wie
hintereinander. So will er stets nur Bestätigungen (Ratifizierungen)
seines Entschlusses, nicht Angaben desselben.
		-- Jean Paul
%
Einen Menschen beobachten heißt nicht, sehr aufmerken auf ihn, sondern
ihn rück- und vorwärts mit seiner Gegenwart vergleichen - und ihn
nicht mit mir und umgekehrt vergleichen.
		-- Jean Paul
%
Das Entscheidende bei Autoren und Fürsten ist weder die Kenntnis der
Menschen noch die des Menschen, noch weniger die des einzelnen,
sondern die Vereinigung davon.
		-- Jean Paul
%
Jedes Tun in der Ehe und Gesellschaft wird stärker, wenn man den
andern nicht darauf hinweist und ihm die eigne Reflex(ion) darauf
verrät; eigne Handlungen soll man so wenig erklären als eigne Bonmots.
		-- Jean Paul
%
Woher kömmt's, daß das gelesene oder erlebte Beispiel der größten
moralischen Aufopferung etwas Süßes und bloß Liebenswürdiges und
Anziehendes für uns hat, das Gebot selber aber in einer Sittenlehre
etwas Zurückstoßendes?
		-- Jean Paul
%
Wie man kein Prophet im eignen Vaterland ist, so auch kein Redner und
Beredner gegen die eigne Frau.
		-- Jean Paul
%
Man kommt in der Ehe am besten aus, wenn man nicht liebt; sowie am
besten, wenn man bloß liebt.
		-- Jean Paul
%
Viel läßt sich von einem Mann erraten, wenn man ihn das einem andern
erzählen hört, was man mit ihm selbst erlebte als Augenzeuge.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe will 1 Menschen; die Wollust alle Menschen; nur hat diese
dann nicht genug; jene aber an 1 die Unendlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Man muß, schon aus Welt, dem andern auch nicht das geringste
Unangenehme sagen, sobald man nicht ihn oder sich bessern damit will
oder kann. »Sage nicht zum Mietsherrn, deine Zimmer haben keine
Morgensonne.«
		-- Jean Paul
%
Im Buche oder Lebensbeschreibung verliert ein Corneille oder
Lafontaine nichts dadurch, daß er im wirklichen Leben nicht reden
kann; aber im Leben können wir uns nicht daran gewöhnen und tragen
mehr den Menschen in den Autor als diesen in den Menschen hinein.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen rechnen einem nicht an, wo man ihnen Recht gibt, sondern
nur, wo man ihnen Unrecht gibt.
		-- Jean Paul
%
100 000 etc. gute Handlungen können das Herz nicht für eine böse
entschädigen, schuldlos machen oder beruhigen - so sehr sind wir zum
Guten geboren.
		-- Jean Paul
%
Wer Ruhm hat, fragt nach der Ehre weniger.
		-- Jean Paul
%
Die körperliche Liebe begehrt Wechsel, die geistige dieselbe Person.
		-- Jean Paul
%
Manche suchen aus Eitelkeit stolz zu sein.
		-- Jean Paul
%
Um geistreich zu sprechen, habe man - wenn man es auf irgendeine Art
ist - nur den Mut, alles auszusagen. An der Furcht stirbt das Genie.
		-- Jean Paul
%
In bösen Augenblicken der Ehe rechnet der Mann immer die eignen
Tugenden auf 1 Summe zusammen; nun so rechne er auch die seiner Frau
so auf.
		-- Jean Paul
%
Viel Zänkereien in der Ehe kommen davon, daß man verlangt (fordert),
der Gatte soll die Liebe erraten, die man auszusprechen zu stolz oder
zu schamhaft ist.
		-- Jean Paul
%
Für Kinder fällt Lob und Liebe der Eltern in eins: 'das ist schön, daß
du den Schlüssel aufhebst.' Hier zugleich Gefühl fremder Achtung und
Liebe und eignen Werts.
		-- Jean Paul
%
Der Kritikus sollte bloß das einzelne oder die Werk-Teilchen tadeln,
aber den Werkmeister möglichst loben. Der einzelne Tadel samt dem Lobe
des Verfassers erhebt diesen zu höherem; das Übrige ist umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Willst du die männlichen Deutschen zu einem ordentlichen Gespräche
bringen: veranlasse eine Disputation über eine Wissenschaft etc. -
Rein, gesellig sprechen können sie nicht. Nur die Weiber höchstens
können in einigen Gegenden (z.B. sächsischen) ein Gespräch über alles
spielend führen wie ein Franzose.
		-- Jean Paul
%
Noch keine fromme, alle Pflichten treu erfüllende Hausfrau hat je
gesagt: ich bin zu gut für die Erde - höchstens: ich verdiene sie
nicht ganz -, aber die empfindsam zarten, die nichts tun, sagen es.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein fast unvermeidlicher Trug, daß man desto mehr auf den
andern zu wirken (wärmen) glaubt mit Zornfeuer, weil uns dies selber
so viel zu genießen gibt - indes den andern gerade unsere größte Ruhe
und Kälte am meisten erwärmt und für uns gewinnt.
		-- Jean Paul
%
Seltsam sind die Weiber! Kein Mann wird sich eine schönere Weste von
einem andern erborgen, um mit seinem Bauche gesellig zu glänzen. Aber
eine Frau trägt ohne Bedenken entlehnte Perlen, Hüte etc.
		-- Jean Paul
%
Schwerlich wird irgendein Ehemann die Minute für schön und liebevoll
empfinden, wo er mit ihr nach ihrem Anziehen in eine große
Gesellschaft geht - aus dieser zurück, denkt sichs leichter.
		-- Jean Paul
%
Was am Menschen das Reinste ist, ist vielleicht sein Streben nach
immer schärferem Wissen, wobei er sich vergißt und jeden Ruhm. Nur
hier erscheint die Menschheit im großen Schritt zur Größe.
		-- Jean Paul
%
Der große Unterschied zwischen Weibern, 1) die Talent, Scharfsinn,
Philosophie sogar haben, ja Empfindung und 2) die Verstand,
Hausverstand haben, Berechnung zwischen sich und Mann und Kind, und
überhaupt Berechnung. Nr. 1 gefällt vor, Nr. 2 in der Ehe.
		-- Jean Paul
%
Den (inländischen) Ruhm großer Minister, Feldherrn, Fürsten stürzt
eine einzige Staatsumwälzung oder Eroberung.
		-- Jean Paul
%
Man hat oft eine prosaische Unterredung selber mit fortspinnen helfen,
die man ungerecht tadelt, daß sie der andere fortsetzt, wenn man in
einer poetischen Stimmung ist.
		-- Jean Paul
%
Man wird zwar für die Verhältnisse, worin man betrogen wurde, künftig
klüger; aber man bildet sich dann fälschlich ein, man sei es auch für
die geworden, worin man noch nicht betrogen worden.
		-- Jean Paul
%
Wenn das Genie schon in seiner Jugend, vor der Erfahrung so viele
Erfahrungen antizipiert hat: was wird es erst im Alter zu sagen haben
nach den Erfahrungen; aber es sagt eben da leider so wenig mehr, und
das Seltenste wird eingesargt.
		-- Jean Paul
%
Auch die geistreichen Menschen suchen - sobald sie einander nur einige
Male zuerst gesehen - dann mehr die Bücher als deren Verfasser.
		-- Jean Paul
%
Ist man einmal aus dem rechten Gesichtspunkte (Fokus) eines Menschen
gekommen: so werden, zumal in der Ehe, gerade Strahlen seine Flecken -
z.B. Festigkeit gegen Freunde und Fremde und dann wieder
Nachgiebigkeit sonst, beide Dinge werden so abgeleitet, daß eines
Egoismus heißt, das andere Schlaffheit.
		-- Jean Paul
%
Die Arbeit ist ein Vergnügen, das als Widerspiel schlecht anfängt und
dann immer mehr erfreuet und das am Ende gerade zu allen andern
Vergnügen einlädt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bei einem Fürsten durch große Sittlichkeit den höchsten
Posten eines Günstlings erobert; so fodert jener leise und spät, daß
man ihn durch einige Flecken oder Abweichungen von jener behaupte.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt immer, der Mensch, der eine neue, die erste Meinung über
das ganze Ideen-System gehabt, z.B. Leibniz, müsse auch eine neue
über jedes einzelne, z.B. den Stiefelknecht, haben; daher die Liebe
zu Biographien.
		-- Jean Paul
%
Ein Jüngling ist viel kühner und furchtsamer als ein Mann. Kühn tritt
er z.B. ins Publikum oder vor jeden großen Mann; ein Nein macht ihn
oft auf immer zaghaft. Der Mann hingegen wagt weniger, und nach Nein
fragt er weniger.
		-- Jean Paul
%
Argwohn argwöhnen ist nicht darum immer selber einer.
		-- Jean Paul
%
Wer irgendeinen tiefen Verstand herauswittert, hat den tieferen; jener
schrieb ungebildeter, dieser las gebildeter.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind gut, aber schwer werden sie besser.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht erriete man gewisse Menschen besser, wenn man sich dächte,
als Dichter sie darstellen zu müssen.
		-- Jean Paul
%
Ist man in der Liebe und Freundschaft darin, so rechnet man ihr sogar
gewöhnliche Tugenden als Reize an - dem Unbekannten aber fordert man
sie ab ohne Dank.
		-- Jean Paul
%
Ein ganz neues Verhältnis zwischen 2 unverheirateten Freunden und so
zwischen 10 - wenn alle heiraten; denn die Weiber und ihre eheliche
Liebe und außereheliche Abneigung kommen doch auch in das frühere
leichte, feste, warme Verhältnis.
		-- Jean Paul
%
Es gibt 2erlei ganz verschiedne Töne, um nach dem Lobe den Tadel
folgen zu lassen. Der erste macht das Lob zur Hauptsache, nicht zur
Entschuldigung und ist weitläufig; dann fügt er vorbeiläufig den Tadel
an. Der zweite ist, daß man - im Tone liegt schon ein Zwar für das
künftige Aber - das Lob als Entschuldigung des nahenden Tadels
ausspricht.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat für seine Besonnenheit seine besondern Gegenstände; der eine
schweigt darüber, der andere darüber.
		-- Jean Paul
%
Gegenwärtiges Unglück verdau ich in wenig(en) Stunden; aber künftiges
bleibt mir im Magen liegen.
		-- Jean Paul
%
Bei allem Rechte zu Achtung und Lob ertrotze diese nicht gewaltsam -
nichts wird leichter der Gewalt versagt als dies.
		-- Jean Paul
%
Die Koketten gewinnen - wenigstens für einen Abend - sogar ernste
Männer nicht durch ihre Reize oder das starke Vorspiegeln derselben,
sondern durch das Vorspiegeln ihres Liebens. Dem Geliebtsein
widersteht man sogar in einem Alter schwer, wo man der Schönheit
widersteht.
		-- Jean Paul
%
Gerade dem, der vielen Ruhm hat, erlaubt man nicht die Anmaßung
irgendeines kleinsten Verdienstes (Nebenrühmchens), das vielleicht
andere haben, sobald er es nicht wirklich verdient. Man hält es für
Geiz und Raubsucht.
		-- Jean Paul
%
Die Einmischung der französischen Sprache soll den Adeligen in ihrer
platten deutschen so etwas sein wie Witz; sie ekeln sich selber ihres
Gesprächs.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nie schweigen, wenn man nur einigen Ruf hat; Schweigen wird
für Verachtung und Zurückziehen angesehen, und man [wird] gehaßt bloß
für Schüchternheit.
		-- Jean Paul
%
In kleinen Städten, Hof weiß man die neuesten Moden in Kleidern, nicht
in Büchern.
		-- Jean Paul
%
Die Freundschaft hat so gut ihre Blüte - die aber Jahrzehnte lange
steht - als die Liebe, die kürzer ist. - Aber ist jene abgebrochen: so
ist viel und unersetzliches dahin, und Gott bewahre jeden davor.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Lehrer immer weiter lehrt und lernt; wenn er das Gelesene
sogleich zu einem Gelehrten vor Schülern machen kann: so muß ihn jedes
neue Buch unendlich heben, weil er damit andere hebt und die erkauften
Gewinste für kräftige Eroberungen ansieht.
		-- Jean Paul
%
Habe dasselbe Entzücken über 2 Bücher, aber über das eine in der
Jugend, über das andere im Mannsalter: nur dort bei dem ersten hängt
sich dem Buche ein Glanz an, den das zweite nie bekommt.
		-- Jean Paul
%
Langweile ist nicht, wenn man nichts Besonderes hat, sondern wenn man
es erwartet. - Ruhig, ja seelig liegt der Türke ohne ein fremdes Wort;
aber sobald es ihm versprochen ist, kann er kaum mehr sitzen.
		-- Jean Paul
%
Fände der gute Mensch oder Ehemann nur immer das Gute: o wie würd er
sich gleichbleiben! - Aber im Kampfe gegen das Böse wird er sich
selber unkenntlich und am Ende - wegen der Ausweichungen des Bösen -
selber zu diesem und sich unähnlich.
		-- Jean Paul
%
Je mehr eine weibliche Physiognomie der männlichen [sich] nähert -
desto richtiger schließt sich aus ihr. Hingegen die echt weibliche,
milde, schöne verbirgt den starken Engel oder schwachen Teufel
zugleich.
		-- Jean Paul
%
Der Jüngling habe einen lebendigen Großen-Mann, aber nicht in seinem
Fache und Triebe vor sich - sondern nur Größen seitwärts in andern
Wissenschaften; denn jener gäb ihm ewige Richtung und verschläng ihn.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen immer vom Autor etwas Großes im Stoffe, um sich zu
entschuldigen, daß sie kein Großes in der Form finden; und um zu
verhehlen, daß sie eben das rechte Große, das überall sein kann, nicht
kennen.
		-- Jean Paul
%
Je höher die Stände, desto mehr hat der Mann zu tun und desto weniger
die Frau. Der König muß doch wenigstens bedenken und unterschreiben.
Die Königin lebt von ihm. In untern Ständen ist es wie bei Wilden fast
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist leichter, als die Kinder dazu zu erziehen, daß sie
gehorchen, gefallen, aufwarten und alles tun, was Eltern und andere
Erwachsene begehren. Freilich sind dann die Kinder nichts, nicht mehr
als die Eltern. Aber schwerer ist es, Gehorsam und Freiheit zu
vereinigen, die Kraft dazulassen und doch zu lenken und sich selber
einen Gegner der besten Art zu erziehen.
		-- Jean Paul
%
Wer sich der Eitelkeit recht bewußt ist, verbirgt sie stark und doch
ohne Erfolg; wer nicht, ist geradehin und vielleicht angenehmer eitel.
		-- Jean Paul
%
Keine Frau ist zur Vernunft zu bekehren; doch die gutmütige durch
Liebe ohne Gründe; die geniale durch beides nicht.
		-- Jean Paul
%
Ich habe zuweilen gefunden, daß das einzige Gute, was noch in großen
adeligen Familien nachwuchs - z.B. bei Gieg - bloß dem bürgerlichen
Hofmeister zu danken war.
		-- Jean Paul
%
Noch mehr Kinder gehen verloren durch zu vieles Erziehen als durch zu
weniges. Grönländer, Wilde, Goten etc., Hake's Kind gut, trotz aller
Vernachlässigung.
		-- Jean Paul
%
Um sich recht zu erkennen, muß man nur sich seiner Jugend recht scharf
erinnern, ohne Gegenwart etc. einzumischen. Dort gab sich dir dein
Umriß.
		-- Jean Paul
%
Die Probe des Feinen ist nicht, gegen den Feinen fein zu sein - sie
wäre zu leicht - aber wohl gegen den Groben es zu bleiben.
		-- Jean Paul
%
Der Eitelkeit oder ihrem Scheine entgeht niemand, wenn ihn nicht eine
große Idee erfüllt, die ihn gegen sein Selbst verblendet.
		-- Jean Paul
%
Wer Kraft hat, aber keine, mit der er ein Werk erschüfe, gebe nur, wie
Arndt, Reisebeschreibungen. Alles ist hier zufällig - was begegnet -
und unter dem Begegnenden noch, was der Verfasser nur aufnehmen will
-, und dann kann er über jedes Individuelle, das ihm als Folie dient,
seinen, kleinen Juwel von Gedanken legen. Ein Reisebeschreiber kann
der unterhaltendste witzigste Mann mit den kleinsten Kosten des Kopfes
sein, wenn er's recht macht.
		-- Jean Paul
%
Der Unsinn: daß man durch alle Vorsicht und Glücksfälle je dahin
gelangen könne, daß einem eine zufriedne schon gefundne Lage nicht
mehr gestört werde - Aus höherem Glück erwächst höheres Unglück usw.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat seine Weise, sagt man. Aber man wundert sich weniger, daß
man nicht die fremde, als daß der andere nicht die unsrige hat.
		-- Jean Paul
%
Wer kein Weiberhasser werden will, höre nie 2 Weiber miteinander
zanken.
		-- Jean Paul
%
Gewissen Menschen, z.B. dem Fischer, die Verachtung auszudrücken, die
man gegen sie hat, müßte man ihnen erst alle die Kenntnisse und
Gesinnungen geben und beibringen, die uns eben von ihnen
unterscheiden.
		-- Jean Paul
%
Alle Klarheit, die man über fremde Charaktere habe, gibt doch noch
keine Sicherheit vor Selbsttäuschung und fremder Schmeichelei; das
Unglück ist eben, daß man drei schwere seltene Kenntnisse haben muß,
die von sich, die von andern, die von der Ansicht des andern gegen
uns. - Man sollte geradezu voraus-[setzen, daß] einem jeder ein wenig
mehr Gutes sage, als wir glauben.
		-- Jean Paul
%
Zur Ehe gehört nicht bloß, daß man das Mädchen, sondern auch, daß man
sich prüfe - ob nämlich 2 Vortreffliche dennoch sich einander nicht
fügen.
		-- Jean Paul
%
In der Liebe wird der Ernst der Jungfrau bezaubern; in der Ehe, die
selber ein langer Ernst ist, möchte leichtes Scherzen und Bescherzen
der Welt besser einschlagen.
		-- Jean Paul
%
Durch manche Gesichter scheinet jede innere Bewegung so hell durch,
daß es nicht genug ist, wenn sie nichts äußern; zu ihrer Verstellung
ist sogar das Anstellen des Entgegengesetzten nötig.
		-- Jean Paul
%
War man zu sanft und stoisch im ehlichen Zank, so braust's nachher
auf, und man vergibt schwerer. War man zu wild: so bereuet man und
vergibt leichter.
		-- Jean Paul
%
Je länger man lebt, desto kürzer werden uns die Jahre. Denke an das
Reisen: ein Vormittag auf der Reise zugebracht ist länger als
10 Vormittage zu Hause; aber warum? Die Menge neuer Gegenstände
vervielfacht die Aufmerksamkeiten oder die Ideen, als Zeitmesser.
Ebenso scheint uns die Jugend länger, weil in ihr alles neu ist und
also die Zeit verdoppelt, im Alter aber alles einförmig wiederkehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn nur eine erste Liebe recht glühend da war: so schadet ihr
Untergang, ihr Töten mit Wasser nichts; ewig ragen die Türme der
überfluteten Stadt empor. Aber es gibt Menschen, die keine erste Liebe
hatten.
		-- Jean Paul
%
Ich weiß nicht, was Eifersucht ist in der Ehe beim Manne -; in der
Minute der Einsicht hätt er b(ei) d(er) Entscheid(ung), nur sich oder
die Frau zu verachten -
		-- Jean Paul
%
Es ist unendlich verschieden, einen Menschen lieben und etwas an ihm
lieben, und sei dieses Etwas das Edelste; er wird doch Mittel; aber
das Lieben des ganzen Menschen macht ihn mir nur zum Ziel seiner und
meiner selber.
		-- Jean Paul
%
Je älter ich werde, desto mehr glaub ich, wer äußerlich auf lange
unglücklich ist - denn ein Brand, Krieg gehört nicht hieher - der
verdient's durch Mangel an Klugheit und Beharrlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Tod und Geburt lernt man nur in einem Dorfe kennen, in keiner Stadt.
		-- Jean Paul
%
Wollt ihr Originale im Handeln, sucht sie bei Leuten, die nicht ihre
Kraft wegschreiben und die ohne Reflekt(ieren) forthandeln - die
schreibenden Genies sind matte Handler.
		-- Jean Paul
%
Erst dann, wenn der Gelehrte weiß, daß er einsam bleibt, fühlt er sich
recht und genießend einsam.
		-- Jean Paul
%
Um froh, frei, leicht und reich Einfälle in Gesellschaft zu haben, muß
man nicht mit einem andern wetteifern oder gar kämpfen, sondern ohne
Gegner über das Allgemeine sprechen. Repartien sind ein lästiger,
aufhaltender Zwang. Sogar der fremde Witz regt mehr unser Genießen als
unser Erfinden an.
		-- Jean Paul
%
Jeder Jüngling glaubt, ein Philosoph oder ein Dichter zu werden, weil
beide zu den Kräften der allg(emeinen) menschlichen Natur gehören, und
es kommt auf Akademien oder in der Lektüre nur auf den Reiz an, den
vorwiegend das eine oder das andere macht. Erst später macht er dies
Allgemeine bloß zur Unterlage seiner besondern andern Kräfte, sobald
jenes nicht zugleich auch seine Individualität ist.
		-- Jean Paul
%
Das Gespräch der meisten Humanisten (Gelehrten) untereinander ist
weiter nichts als ein gegenseitiges heimliches, höfliches Examen;
daher colloquium sogar bei den Theologen = Examen.
		-- Jean Paul
%
Die ewigen langweiligen leeren Vorübungen zum Kriege müssen dem
Soldaten ordentlich Sehnsucht nach einem freiern und treffenden
Realschießen machen.
		-- Jean Paul
%
Die meisten Ehekriege [kommen] nicht davon, daß man die Wahrheit der
Person sagt, sondern daß man sie, unbekümmert um jede Zeit, sogleich
sagt.
		-- Jean Paul
%
Wer sagt, daß die schönen Weiber im Alter häßlich werden, vergißt bloß
die guten schönen.
		-- Jean Paul
%
Gerade die Idyllenfreude, die nur aus Kleinigkeiten besteht, leidet so
leicht von den Kleinigkeiten die Unterbrechung.
		-- Jean Paul
%
Imponieren kann mir niemand anders als moralisch, weil er hier den
ganzen Menschen trifft; hingegen jede einzelne Übermacht z.B. des
Scharfsinns, Gelehrsamkeit etc. trifft auch an mir nur einen Teil.
		-- Jean Paul
%
Wir Menschen lieben nicht, um zu hassen; aber wohl hassen wir, um zu
lieben.
		-- Jean Paul
%
Ich mag mit niemand umgehen, der mich nicht wenigstens in etwas
übertrifft, in Kenntnissen, Erfahrung etc. oder im Moralischen. Die
mir ähnlichen oder meinesgleichen sind nicht meine Leute.
		-- Jean Paul
%
Ein Trost besteht nicht darin, daß man dem andern Gründe gegen sein
Unglück sagt - denn er wußte sie alle selber vorher und konnte
ebensogut zurücktrösten -, sondern darin, daß eine fremde Seele durch
Darstellen sie alle in der andern belebte und beseelte, damit sie
durch Empfindung das Gleichgewicht hielten der leidenden Empfindung.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Eigenschaften einer Braut sieht man am wenigsten auf die
größte, ob sie Kinder erziehen kann - und freilich ist sie am
schwersten zu erraten.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann deutet recht deutlich (als sein Selbst-Rhapsodist) seinen
Charakter durch das Tragen seines Stockes an, sobald er ihn,
unwissend, bemerkt zu werden, trägt und schwenkt und hält.
		-- Jean Paul
%
Ein berühmter Mann verliert nicht, gewinnt vielmehr durch eine
Lächerlichkeit, die man von ihm erzählt oder lieset -; aber begeht er
sie vor unsern Augen, so verliert er. Allein warum? Hier wirkt die
Gegenwart zu mächtig, und der Mann, erscheinend darin, nur stückweise
aufglänzt; hingegen in der Erzählung herrscht und glänzt die Idee des
Ganzen über den Mann.
		-- Jean Paul
%
Hat man eine kleine Bitte: muß man mit dem Allgemeinen anfangen, man
habe was zu bitten, weil der andere dann froh ist, daß es nichts
Größeres ist. Eine große Bitte aber tue man ohne dies.
		-- Jean Paul
%
Man habe sich noch so frei gemacht, und noch so gleichgültig gegen die
Welt und alle Feinde; wer kann uns denn noch tiefe Schmerzen geben?
Eine Gattin durch ein Wort, man müßte sie denn nicht lieben.
		-- Jean Paul
%
Daß die Menschen einen Kerker für eine Strafe halten, beweist, daß sie
Geselligkeit für Belohnung halten; denn sonst wäre ja im Kerker alles
zu haben, wenn man Menschen ausnimmt.
		-- Jean Paul
%
Einer Liebhaberin wird die Treue viel leichter als einer Gattin.
		-- Jean Paul
%
Warum werden uns denn Menschen, welche einzeln wir übersehen und
überwinden, in einer Gesellschaft so wichtig und herrschend? Die bloße
Bestechung der Augen durch eine längere Reihe entschiede nicht bei den
kräftigern Menschen; und wo liegt diese Vielheit nicht vor ihm. -
Schon ein Grund: der Mensch, obwohl sich seiner und seiner Gründe
recht sehr bewußt, will sogar von einem tiefern den Beifall; es muß
also durch das fremde Ich etwas Höheres ausgesprochen werden, das nun
durch die Vervielfältigung noch bedeutender wird.
		-- Jean Paul
%
Man muß sich, um den andern gerecht zu beurteilen, nicht in dessen
nächste Minute an die Stelle setzen, sondern in sein Jahr, Leben,
Wochen.
		-- Jean Paul
%
Man erfreuet sich nicht an den äußern Zuständen d(er) Vergang(enheit),
sondern an den innern, man wünscht nicht das alte Leben zurück, das
meist seichter ist und das man jetzt gar nicht ertrüge, sondern die
alte Seele.
		-- Jean Paul
%
Wenn man ein Kind einen Menschen hassen lehrt, der ihm nichts getan:
so lernt es die übrigen Menschen daran hassen.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor bringt sich darum nicht ganz in seinen Roman, weil [er] eine
Menge Züge von sich übriglassen muß, um sie andern Leuten darin zu
leihen.
		-- Jean Paul
%
Wer für Freiheit ficht und spricht (z.B. der Ungar), dem ist der
Gegenstand und Anlaß gleichgültig - er streitet nicht für das Haar,
woran manch(er) hängt, sondern für oder wider den Kopf, woraus es
kommt.
		-- Jean Paul
%
Es ist mir bei der Kinderfreude zu Weihnachten nicht an der
gegenwärtigen Freude gelegen - so groß und innig sie wegen der noch
eingehüllten Natur auch ist -, sondern an der unvergänglichen,
unzerstörlichen Über- und Zauberfreude künftigen Erinnerns, das nicht
die Gegenstände verschönert (nur entfärbt), sondern die höchsten
Gefühle zum zweiten Mal erhöht und verschönert.
		-- Jean Paul
%
Für das Volk ist freilich Essen bei Festen die Hauptsache, aber darum,
weil eben die Ruhe zugleich zum Genusse tritt - die Losgebundenheit
zum Sprechen und von Arbeit.
		-- Jean Paul
%
Das Unmoralische, was man an sich am meisten tadelt, sieht die Welt
gar nicht, oder es fällt ihr nicht auf; aber Handlungen, die man vor
dem Gewissen auf Kosten des Verstandes verantwortet, trägt die Welt
uns als unsittlich nach.
		-- Jean Paul
%
Die Fremden hören in der Ehe wohl den Sturm, aber nicht die Windstille
oder den Zephyr.
		-- Jean Paul
%
Wenn einem ein Werk am Ende gefällt wie mir Tristram, so kann man sich
gar nicht erklären, warum es einem früher mißfallen. Hingegen, warum
uns ein später mißfallendes Werk anfangs gefallen, erklärt sich
leicht.
		-- Jean Paul
%
Allgemeine Amtnamen wie die Polizei, die Regierung wirken mehr auf die
Furcht und Achtung als die einzelnen Namen der Beamten. So auch
L[iteratur] Z[eitung] statt eines genannten Rezensenten.
		-- Jean Paul
%
Gefährlich für die Menschenliebe, das Talent zu sehr zu achten und in
jedem Herzen, das man lieben will, einen besondern Kopf zu suchen. Das
Talent zeigt sich bald erschöpft - und dann wird's die Liebe auch.
Eine festhaltende Liebe ist die gegen Menschen, gegen Tugend, die
nicht wie das Talent bei Wiederholung (Wiederkehr) verliert, sondern
gerade gewinnt.
		-- Jean Paul
%
Der Stolz und die Eigensucht mancher edeln Menschen verbirgt und
erträgt sich leichter in ihrem Glücke als in ihrem Unglück. -
		-- Jean Paul
%
Etwas anders ist, wenn ein Begeisterter sich lobt oder wenn ein
Kalter; jener ist nicht eitel, er vermischt [sich] mit der Sache,
dieser macht die Sache zu sich.
		-- Jean Paul
%
Daran erkenne deine historische oder poetische Kraft: was dir so
leicht wird, daß du ordentlich nach einer andern Kraftübung dich
umsiehst, dies ist deine Kraft - Und das Angeborne achtet eben nicht
das Angeborne, sondern das Anerzogne.
		-- Jean Paul
%
Wenn eine Frau sagt, sie habe diesen Mann schon von weitem am Gang
erkannt: so haben beide den Genuß einer kleinen Selbergefälligkeit,
jene, daß sie so erkannte, dieser über seine Eigenheit.
		-- Jean Paul
%
Man ist leichter standhaft, wenn das Unglück zu höherem steigt, als
wenn man von einer großen Hoffnung auf einmal zu einer kleinen Furcht
herabgeworfen wird.
		-- Jean Paul
%
Wie Erfinden angenehmer als Ausarbeiten, so ist's Sprechen mehr als
Schreiben.
		-- Jean Paul
%
Es ist lächerlich, wenn ein Trunkner sein Zu-viel-Trinken verbergen
will; denn sobald er selber es merkt, so merken es andere gewiß noch
eher.
		-- Jean Paul
%
Die Hölle läßt sich als ein unendliches ewiges Schmachten nach
Errettung leichter in und durch ihre Schrecken malen, als der Himmel
in einem Dasein fester Wonne, welche auch die Hoffnung endigt, da sie
jede übertrifft.
		-- Jean Paul
%
Es gibt eine doppelte sehr verschiedne Hoffnung, die, welche auf
Ankunft neuer Güter hinweiset und wartet; die andere wichtigere,
welche Heilung und Vorübergang der Übel erwartet.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Menschen hat ein Fürst die meiste Veranlassung und
Entschuldigung, ein Menschenfeind zu werden; die Menschen taugen
nichts, wenn man sie, anstatt zu Freunden, zu Untertänigen, Suchenden
hat.
		-- Jean Paul
%
Ich kann keine Freude über mein Rechttun haben - z.B., daß ich einem
andern sein Eigentum zurückgebe -, dies setzte etwas Schlimmes voraus;
aber ich kann eine Freude über mein Wohltun haben; aber dann ist's
nicht etwan eine über mein Tun und Gutsein, sondern über das fremde
Glück und insofern ein Wert mehr.
		-- Jean Paul
%
Liebe, es sei eheliche oder jungfräuliche, ist ein noch besseres
Schirm(Sieg)mittel gegen jeden Anfall auf ihre Tugend als diese
selber.
		-- Jean Paul
%
Die deutschen Damen lassen das französische Sprechen schon darum
nicht, weil es das einzige Wissenschaftliche ist, womit sie glänzen
können; so auch der gemeine Edelmann.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Namen der Soldaten abgelesen werden; antwortet jeder mit
einer andern Stimme: hier!, die bezeichnend ist.
		-- Jean Paul
%
Was dem berühmtesten Manne wie dem mittelmäßigsten es so schwer macht,
einen andern so zu behandeln, daß dieser zufrieden ist, ist, daß er
selten bestimmt wissen kann, was dieser andere nicht bloß für eine
Meinung von sich selber hat, sondern auch von ihm. Denn nach dieser
zweifachen Schätzung richtet sich das Urteil über das Behandeln.
Derselbe berühmte Mann kann bei einem anstoßen, bei welchem er eine
große Verehrung voraussetzt, bei einem andern, wo er eine zu kleine
annimmt usw.
		-- Jean Paul
%
Fürstinnen regierten immer gut, weil sich Weiber von niemand lieber
Rat geben lassen als von Männern, die eignen ausgenommen.
		-- Jean Paul
%
Je größer die Stadt, desto mehr Enthusiasmus für einzelne
(individuelle) Fälle - sowie desto mehr Kälte für allgemeine.
		-- Jean Paul
%
Ist einer als ein Mann von großem Verstande bekannt: so gewinnt er in
Gesellschaft durch Schweigen mehr als durch Reden; fängt er aber
dieses an, so muß er mit dem Besten beginnen.
		-- Jean Paul
%
Verdorbne Frauen reden untereinander oder mit Männern tadelnd von
fremden unkeuschen Handlungen, bloß um sie länger sich vorzustellen
und vorstellen zu hören.
		-- Jean Paul
%
Eigentlich bestechen gegen die Wahrheit rechtlose Beleidigungen weit
mehr als rechtlose Schmeicheleien.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch ist nie besser und wärmer, als wenn er dem andern eine
Freude vorbereitet.
		-- Jean Paul
%
Kinder über Eltern ausfragen spionierend: heißt Briefe erbrechen, ja
noch schlimmer, da man (in Briefen) gegen den Freund nicht so viel
Schwachheiten zeigt als gegen Kinder.
		-- Jean Paul
%
Wie anders ist das Los eines Helden oder Kollegiumsmenschen oder
Fürsten, welcher seine schönsten Ideale nur mit fremden Beihülfen
erreichen kann, gegen den Dichter und Weltweisen, der nur eigne
braucht. Ein Held ist in ewigem Doppelzank mit außen.
		-- Jean Paul
%
Nicht die einzelnen Anreden, sondern die zufälligen Äußerungen der
Eltern und die absichtlose Fortsetzung und Offenbarung eines
Charakters wirken so unglaublich auf die Kinder, denen durch ihre
Verehrung alles so fest anfliegt.
		-- Jean Paul
%
Kleine Mädchen scheinen am leichtesten gut erzogen, weil ihre Natur
nicht heftig, sondern immer furchtsam ist und also jeden Schein der
Erziehung leichter nachspiegelt.
		-- Jean Paul
%
Zum Ausführen braucht man 1 Mann (General), der die Entschlüsse von
hundert realisiert; aber zum Entwerfen, zur Ansicht einer ganzen Zeit
ist 1 Fürst nicht hinlänglich; an 1 falschen Idee gehen Völker
verloren. Daher von jeher Konsilien; daher Republiken. 100 Augen sehen
mehr als 2; aber 2 Arme tun mehr als 100.
		-- Jean Paul
%
Wer seine Gesinnungen verbergen will, langt mit bloßem Verstellen
(dissim(ulare)) nicht aus, sondern er muß Anstellen (simul(are))
dazunehmen; ihr Ausdruck wird am besten durch einen Widerschein und
Annäherung der entgegengesetzten verborgen.
		-- Jean Paul
%
Ich erziehe Kinder nicht zu etwas, sondern in etwas.
		-- Jean Paul
%
Den meisten Menschen, besonders den Gelehrten, fehlt zum Gutsprechen
nichts als die Freiheit zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe besonders - aber eigentlich überall - ist der große Irrtum,
daß man glaubt, sobald man seinen Wert, sei es schreibend oder
handelnd, dem andern feurig gezeigt und eingeprägt, man habe in den
matten Tagen des Lebens dieselbe feurige Darstellung des Innern nicht
zu wiederholen, sondern auf die erste zu bauen. Das Wiederkommen der
Zeit fodert Erneuerung des ersten Eindrucks und um so mehr, je größer
er war.
		-- Jean Paul
%
Ich fühle im Hassen des Bösen meine Seele so sehr erhoben als im
Lieben des Guten. Und jenes Hassen hat nicht(s) Unangenehm(es) bei
sich, sondern nur Kraft.
		-- Jean Paul
%
Wie man durch Beisammensein fortliebt unter der Rinde die Frau, so
auch den Freund; nur die Unterbrechung zeigt uns, wie so stark wir
lieben.
		-- Jean Paul
%
Das größte Vorurteil, daß Dichter, die sich selber hingeben und
vergessen, nicht das fremde Sich auffaßten und bemerkten. Sie sehen
alles, weil sie sich sehen lassen; der andere sieht wenig, weil er
wenig sehen läßt.
		-- Jean Paul
%
Wenn das bloße Lesen die Leser so ausbildete: so müßte man im
6. Jahrtausend zehn mal besser schreiben als im 2. Jahrtausend.
		-- Jean Paul
%
Jedes Leben, zumal eines Autors, ist wert, beschrieben zu werden, aber
nicht jeder ist wert und fähig, es selber zu beschreiben.
		-- Jean Paul
%
Knechtschaft der Völker ist nicht so schlimm als Knechtschaft ihrer
Herrscher unter einem Oberherrscher, denn seine Knechtschaft müssen
sie bei ihrer alten unter ihm tragen.
		-- Jean Paul
%
Feinheit setzt Verständnis voraus, [ist] also nur gegen Feine möglich
und zu üben.
		-- Jean Paul
%
In jedem Falle wird bei gleicher Anlage das falsche Vertrauen auf
Talente mehr hervorbringen als das falsche Mißtrauen in sie; jenes
spannt, dieses lähmt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe helfen große geistige Vorzüge wenig zum Glück, da sie nur
selten einwirken; aber kleine Achtsamkeiten und Angewohnheiten und
nachgebender Verstand bereiten Glück.
		-- Jean Paul
%
Man sagt doch seine Meinung, die dem andern entgegen ist, sanfter,
mäßiger, wenn man sie in dessen Hause sagt, als wenn man mit ihm im
fremden ist.
		-- Jean Paul
%
Die Männer müssen den Weibern egoistischer erscheinen, weil sie
behaupten, erkämpfen, bekämpfen, herschaffen müssen und diese nur
benützen. Jede Kraft nimmt den Schein der Ichsucht an, denn im Ich
wohnt sie ja.
		-- Jean Paul
%
An Kindern sieht man am öftersten und stärksten, wie wenig die
Vorstellung der Zukunft über anreizende Gegenwart siegt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe schämt man sich mehr, der Gattin die geistige Liebe zu
offenbaren als die körperliche; vor der Ehe natürlich umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch (z.B. Einsiedel) bildet in seiner Persönlichkeit auch
bei allem Wert etwas feines Komisches für d(ie) andern.
		-- Jean Paul
%
Ich kann mir denken, daß ein reiner Dichter einen reinen Kaufmann
begreift und schätzt sogar; aber nicht umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Mensch seine schlimmen Anteile der Natur untersucht: so wird
er sie immer klein und fast nicht unmoralisch finden, z.B. Hitze,
Bequemlichkeit, Genußliebe, Lobsucht, und er wird mit Recht von sich
denken, daß er damit nie dem andern recht verhaßt oder gefährlich sein
könne. Indes, wenn diese schlimmen Partikeln durch Umstände, Zeit,
Menschen sich verdichten, durch Zorn, Übereilung aufbrausen, so kann
er den andern verhaßt scheinen, ohne es sich selber zu werden; oder er
kann bereuen und doch seine alte Achtung sich bewahren. Daher denn
sein Selbbewußtsein. Wir bedenken gar nicht, wie die kleinste
unsittliche Partikel in uns durch Zusammenströmen mehrerer Umstände zu
einer Lastertat sich ausdehnen kann.
		-- Jean Paul
%
Bloß bei den Tieren kann ich rein rechnen, daß sie je besser gegen
mich sind, je besser ich gegen sie; bei den Menschen nicht, ja oft
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Das Schöne, was man für den Freund im Enthusiasmus ausgedacht, gebe
man ihm nachher.
		-- Jean Paul
%
Schrittschuhfahren = jeder Schuh ist ein Schrittschuh; aber der
eiserne Schlittenschuh ist eben ein Schlittschuh.
		-- Jean Paul
%
Der Leser leiht dem Autor gewöhnlich die schöne etc. Lage, in der er
ihn zum ersten Male las.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen - dies beweiset die Liebe der Kinder - werden nicht zu
den Menschen erst hingewöhnt, sondern nur spät(er) von ihnen
abgewöhnt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe will jeder Teil, daß bloß der andere anfange, pflichtmäßig
und edel zu sein, dann woll er sehr erwidern, ja mehr geben als nur
gegeben werde; - und unter diesem Wollen zanken sich beide fort, und
keines fängt an.
		-- Jean Paul
%
Einer kann bloß dadurch, daß er alle Wetterinstrumente, Regenmesser in
jeder Stunde bemerkt und aufschreibt, sich gegen alle Wetter
gleichgültig machen und froh erhalten.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder sind nie so gehorsam, als wenn sie den Eltern etwas
geschenkt oder sonst eine Freude gemacht haben.
		-- Jean Paul
%
Das Streben nach Wahrheit macht uns zu sehr offen für jede neue
Ansicht.
		-- Jean Paul
%
Ein Kritiker verdeckt seine Dürftigkeit des Urteils am besten, wenn er
ein ganzes ästhetisches Jahrhundert mustert und durch kurze Urteile
über bedeutende Größen deren Motivierung verbirgt oder ersetzt, weil
man das Interesse an seinem Gegenstande mit dem Interesse an ihm
vermengt.
		-- Jean Paul
%
Man denkt vom Verstand eines Menschen zu hoch, dessen Idiom man nur
halb versteht.
		-- Jean Paul
%
Mancher sollte sich fragen, was er mit dem Leben machte, wenn ihm Gott
Hunger, Durst und alle Lust- und Schmerzgefühle nähme, ob er es nur
begehrte oder ob er nicht lieber Lücken begehrte, um sie nur zu
füllen.
		-- Jean Paul
%
Man darf nur grob sein, so wird's der andere auch; nichts wird
leichter auf der Stelle sogar dem Feinde nachgeahmt als Grobheit.
		-- Jean Paul
%
Man verteile und zersäe eine schwere Arbeit nicht in verschiedne
Zeiträume - die Wichtigkeit beginnt und drückt immer von neuem -,
sondern man mache sie auf einmal ab, da die Räume ohnehin mehr
neuanfangenden Kraftaufwand begehren.
		-- Jean Paul
%
Nicht durch Dichter, sondern durch Leben muß man sich zum Dichter
bilden, wie man nicht auf dem glatten Eise zu schnellem Fahren
ausholt, sondern auf dem holper(ichten) Boden.
		-- Jean Paul
%
Das eigentlich Originelle am äußern Leben ist alles, was man Fremdes
tut, ohne das Gefühl, daß es andern fremd vorkommen werde.
		-- Jean Paul
%
Ich komme leichter mit wahren Spitzbuben aus zu meinem Vorteil als mit
wahren liberalen Menschen, welche mich zu meinem Nachteile bezaubern;
denn ich kann ihnen nicht unähnlich sein.
		-- Jean Paul
%
Die meisten Menschen schließen aus einer Begebenheit und Handlung die
Zukunft; aber die rechten Historiker schließen daraus die
Vergangenheit. Jene gehen nur vor-, diese rückwärts, erraten aber
desto mehr vorwärts.
		-- Jean Paul
%
Die meisten glauben durch die Heftigkeit ihrer Behauptung, diese
stärker dem andern einzudrücken - und ihr eignes heftiges Gefühl
mitzuteilen -; aber umgekehrt, durch einfach kaltes Behaupten teilt
man das eigne stärker mit.
		-- Jean Paul
%
Im Leben ist der Engländer freier, im Schreiben pedantischer als der
Deutsche, der gerade auf dem Papier die republikanische Rolle spielt.
		-- Jean Paul
%
Bei Leidenschaft errat ich den Menschen mehr aus dem Ton als aus der
Rede, der Stimme-Ton ist schwer zu verbergen oder zu verheucheln.
		-- Jean Paul
%
Freiheit.
Ich fühle etwas in mir, daß ich sogar der Religion und des Himmels
wegen nicht sklavisch sein wie ein Hermes, sondern Freiheit behalten
würde, auf Kosten verdammt zu werden. Kein Wesen mit Bewußtsein kann
seinen Wert - woher er auch sei - verleugnen, und sogar das Hingeben
ist nur freier und also freibleibender Entschluß.
		-- Jean Paul
%
Zehn Küsse werden leichter vergessen als ein Kuß.
		-- Jean Paul
%
An und für sich ist jeder originell, weil er individuell ist; aber
nicht jeder hat den Mut, er selber zu sein und zu scheinen; nur der
Kräftige oder Berühmte oder Reiche hat ihn, weil er des Scheins
entübrigt sein kann.
		-- Jean Paul
%
Junge Leute sehen in ihrer Entwicklung das Neue des Zeitalters auch
für Entwicklung an und verwechseln sich mit der Zeit und halten daher
alles Neue für so gut als sich und ergreifen es.
		-- Jean Paul
%
Jeder weiß es, wo er sein Rechtes Kräftiges hat - und daraus wär er
auch nicht zu treiben - aber eben darum will er von seiner Höhe herab
noch fremde Ebenen erobern, zu seinem Höchsten noch allerlei dazu
gewinnen - und dadurch, durch ohnmächtiges Streben einer vorigen
Macht, wird er lächerlich.
		-- Jean Paul
%
Der Gelehrsamkeit ist keine Grenze d(er) Vergröß(erung)
vorgeschrieben; aber wohl dem Scharfsinn.
		-- Jean Paul
%
Man sollte denken, wenn ein Professor die ganze Woche in abstrakten
Lehren zubringt, daß sein Tiefsinn unendliche Tiefe gewinnen müßte und
der Scharfsinn Schärfe; aber es trifft nicht zu; Jahre, nicht Übungen
setzen die Grenze.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber gehen gern, um bessern Platz zu gewinnen, eine Stunde
früher in Konzert und Theater; aber eigentlich fangen beide für sie
schon an, sobald sie nur ankommen und sich niedersetzen; denn ihr
Sprechen verfrühet ihnen die Musik und das allmähliche Ankommen der
Zuschauer das Schauspiel.
		-- Jean Paul
%
Kinder lieben am meisten in Märchen Vergrößerungen und Verkleinerungen
gewohnter Gegenstände; sie können dann leicht diese in alle neue
Verhältnisse setzen und der Phantasie den weitesten Spielraum auftun.
		-- Jean Paul
%
Gegen eine Fehlschlagung eines Plans gibt's keinen bessern Trost, als
auf der Stelle einen neuen zu machen oder bereitzuhalten.
		-- Jean Paul
%
Nur die Ehe wird am glücklichsten, wo man die größten Vorzüge in ihr,
nicht vor ihr entdeckt. Daher d(as) Heirat(en) eines Dichters so
mißlich.
		-- Jean Paul
%
Das gemeine Volk, die Mägde etc. wollen durch ihre Kleidung nicht
verführen, sondern nur glänzen; daher der Stoff ihnen zehnmal lieber
als die Form.
		-- Jean Paul
%
Bei Schriftstellern in einer großen Stadt (Berlin) und Zirkeln ist
schwer nachzuweisen - sogar von ihnen selber -, wieviel ihnen von
ihren Ideen gehört, da sie täglich gedruckte kommentiert hören, neue
darüber, dagegen etc.
		-- Jean Paul
%
Sich an die Stelle eines andern setzen - wird so allgemein ohne nähere
Einschränkung gesagt. Wohl kann man sich in eine einzelne fremde
Eigenschaft und Lage setzen, z.B. eines Zornigen; aber jenes Wort
bedeutet noch 2erlei, a) sich in den ganzen moralischen Charakter
eines andern setzen, was nur ein Dichter kann, b) sich in dessen
intellektuellen setzen, was ebenso schwer; setze dich z.B. in den
ganzen Umfang gelehrter, philosophischer, ästhetischer Anschauungen
eines Menschen.
		-- Jean Paul
%
Jeder sollte sich eine Überseh-Stunde seines Tags oder Treibens
wählen, und zwar nicht eine spazierende im Freien, sondern eine dunkle
in der Dämmerung, wo nichts ihn durch seine Sinnen unterbricht.
		-- Jean Paul
%
Gründe (z.B. bei Max über kurzen Rock) wirken nur gegen Gründe, aber
nicht gegen Empfindungen, gegen die wieder nur Empfindungen wirken.
		-- Jean Paul
%
Manche Autoren zeigen sich der Welt kälter und schärfer, als ihr
Mensch ist, z.B. Lichtenberg; desto wärmer bleibt die bedeckte
Quelle. Andere treiben ihre Wärme heraus und erkälten sich durch
fremdes Erwärmen.
		-- Jean Paul
%
Kein Mensch kann durch sein Leben so viel intensive Freude machen als
sein Verlust intensiven Schmerz, weil das Leben jene ausdehnt, der Tod
diesen konzentriert. Alle Freuden, die einer gegeben, und die
zukünftigen dazu vereinigen sich bei dem Verlust zu 1 Schmerz.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe (wie in der Freundschaft und überall) hilft kein Wohltun
und Beschenken, sobald die Persönlichkeit beleidigt ist anstatt
verehrt. Keine langen Geschenke machen wörtliche Verkennungen des
Augenblicks gut.
		-- Jean Paul
%
Nur die Jugend ist offenherzig über sich und wahr; das Alter verbirgt
aus Anstand.
		-- Jean Paul
%
Man ist nie liebenswürdiger, als wenn man geliebt wird.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Freuden, sondern die Leiden verbergen die Leere des Lebens.
		-- Jean Paul
%
Bemerkungen über den Menschen.
Alle die in Rochefouc(auld), la Bruyère sind unmöglich zu behalten, zu
ordnen, anzuwenden, sondern sie sollen bloß im allgemeinen den Blick
schärfen und ihm eine gewisse Richtung geben.
		-- Jean Paul
%
- Schnee, der sich leicht ballen läßt, schmilzt bald.
		-- Jean Paul
%
Das Selblob mißfällt, sogar wenn es die Wahrheit ausspricht, doch
darum, weil man voraussetzt, der Sprecher verberge aus Bescheidenheit
noch etwas, nämlich ein größeres Lob, als ihm gehört.
		-- Jean Paul
%
Man muß nie vor einem ein Wortspiel mit seinen Namen (z.B. Markus)
machen, da jedes ihm längst im Leben vorgekommen sein muß.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen immer, die Zeiten (Länder) sollen besser werden
(sich bessern), und klagen doch, sobald sie anders werden (sich
ändern), als könnte eines ohne das andere sein.
		-- Jean Paul
%
Zum bestechendsten Beweis einer Meinung wird uns oft ihre Neuheit,
sobald diese alte Ansichten nicht verschließt, sondern weiter öffnet.
		-- Jean Paul
%
Die Tugend, sogar eines gemeinen Mädchens, ist verschieden, ob man
sich für verheiratet oder unverheiratet ausgibt.
		-- Jean Paul
%
Einer, der aus stillem Egoismus uns überall lobt und alles an uns,
verlöre alle seine Unparteilichkeit, die wir ihm wegen seines Lobs für
uns zuschreiben, wenn wir ihn die andern loben hörten, d. h. jeden.
		-- Jean Paul
%
Kurz vor dem Abreisen sowie kurz nach dem Ankommen verschönert sich
uns unser Wohnort.
		-- Jean Paul
%
Sogar nach Belügen traut man doch wieder Wahrheit zu. Aber nach
Grausamkeit erwartet man keine Milde mehr.
		-- Jean Paul
%
Alte, wie Montaigne, sprechen leicht zu obszön, weil sie keine
Versuchung mehr fühlen und überhaupt mit den Ideen zu vertraut und
dabei alt geworden sind.
		-- Jean Paul
%
Gerade dies beweist die Kraft des Kopfes, was er aus einem kleinen
Gegenstande witzig, philosophierend macht ohne fremde Belehrung; nicht
aber sein Hinzutun von Kenntnissen, Erläuterungen usw. - z.B. über
Mädchen wird der Jurist, Arzt, etc. zu sprechen wissen; aber anders
der Witzige und Umsichtige.
		-- Jean Paul
%
Man darf immer Mißtrauen haben, nur keines zeigen.
		-- Jean Paul
%
Nicht geniale Einseitigkeit, sondern talentvolle Mehrseitigkeit (wie
bei Stainlein) führt im Geschäftleben zu hohen Posten; jene schließt
aus.
		-- Jean Paul
%
Ach das Alter gibt Einsamkeit, geistige; nur die Jugend Geselligkeit.
		-- Jean Paul
%
An d(er) Geliebten wird der alltägliche wiederkommende Wert für hoch
gehalten, die dazwischenfallenden Ausnahmen davon für klein oder nur
Laune. An der Frau - wie überhaupt an Mann und Magd und Freund - wird
das Gute, was seinen Charakter ausmacht und immer erscheint, für
notwendig gehalten und kaum berechnet (außer nach dem Tode etc.), aber
die Ausnahmen desto mehr und fast allein und überwiegend.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe das Mißverhältnis, daß die Begeisterungen des Mannes und
der Frau nicht ineinandertreffen; der Mann von der Arbeit begeistert,
sie davon erschöpft, und so nach Tagzeiten umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Jeder wird wider Willen originell, der sich's bequem macht und nach
dem Scheine nichts fragt.
		-- Jean Paul
%
Die närrischen Menschen! Zum anerkannten Genie kommen sie, nicht um zu
hören, sondern um sich hören zu lassen. Zum Dunse, gleichfalls um zu
reden. Wann will denn einer hören? - Da, wo er eine Lücke findet, die
ihn am weiteren Reden hindert.
		-- Jean Paul
%
Keine schmerzhaftere Empfindung, als wenn man froh zu machen suchte
und doch nicht froh machte (wie bei Weihnachtgeschenk).
		-- Jean Paul
%
Nichts ist schöner im Enthusiasmus zu lieben, als Kinder; denn die
Liebe verlangt von ihnen nicht einmal die Liebe, sondern ihr Glück.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch hat ein eignes selbgefälliges Wohlgefühl, wenn er eine
Beleidigung erzählen kann, die man ihm angetan.
		-- Jean Paul
%
Wer die Welt nicht kennt, setzt bei jeder, zumal scharf und gut
ausgedrückten Meinung oder Satz voraus, ihr stehe im Hinterhalte ein
langes System und Prüfen, indes sie eben jetzo erst gefunden, wiewohl
doch auch in solchem Falle viel Vorrat im Hinterhalte liegt.
		-- Jean Paul
%
Die juristische Regel, sich mit keinem überflüssigen Beweise zu
beladen, lernt man später auch in unjuristischen Fällen und Briefen
befolgen, wo man andere bestimmtere Äußerungen, die nicht eben zur
Sache gehören, unterläßt und allem noch freien Spielraum läßt.
		-- Jean Paul
%
Den mißtrauischsten Egoisten kann man stundenlang von sich zu sprechen
veranlassen, ohne daß er das Veranlassen merkt.
		-- Jean Paul
%
Was am leichtesten hartherzig macht, wenigstens das Abschlagen zu sehr
erleichtert, ist, wenn man gewiß ist, daß man nicht allen helfen kann.
		-- Jean Paul
%
Den Weibern merkt man nie die geheimen stolzen Ansprüche an - leichter
die eiteln -, weil sie alles gemildert und schüchtern zeigen.
		-- Jean Paul
%
Lichtenbergisch.
Wenn man nur einmal alle die allgemeinen Bemerkungen der Diener und
Kammerjungfern über ihre Herrschaften sammelte, über ihre
Vergeßlichkeit, Unredlichkeit etc.: so wäre doch etwas von der
Ab(Gegen)seite der Welt da.
		-- Jean Paul
%
In den Aufsätzen der Primaner wird die Flucht des Lebens, die Sorge
der Männlichkeit etc. so stark geschildert, als sei der Schüler selber
darin; aber die Jugend malt die Eitelkeit und das Sterben, ohne es
anders als poetisch und nachgelesen zu empfinden. - Aber eben dies
bezeugt das Nachsprechen der Leserei; ein lebensfroher Jüngling
spricht so lebensatt wie ein Alter, indes er gerade unter dem
Schildern des Abblühens mehr erblüht. - Wie anders der Mann oder
Greis, der ungern davon spricht, weil er's schon fühlt.
		-- Jean Paul
%
Eine moralische Schamhaftigkeit - und eine der Gewohnheit. Letzte hat
der unverschämteste Mann, der sich von einem Unbekannten oder gar
einer Unbekannten nur mit Schrecken in einer natürlichen, an sich
unschuldigen Handlung betreffen läßt.
		-- Jean Paul
%
Man genießt und fühlt den Reichtum nur in der Minute, wo man ihn
unverhofft bekommt; darauf wird er zu Armut.
		-- Jean Paul
%
Nichts vermehrt die Liebe gegen eine ferne Person mehr, als wenn
Fremde, andere von ihr sprechen, lobend, ja nur erzählend.
		-- Jean Paul
%
Je mehr Vorzüge an einem Menschen anerkannt werden, desto mehr neue
will er dazusetzen und dichten, aus Gefühl seiner Unvollendung.
		-- Jean Paul
%
Die Gleichheit der modischen Kleidung bildet den Trägern auch
Gleichheit der Ausbildung ein.
		-- Jean Paul
%
Vergleiche einmal die Opfer und Liebezeichen, die dir die Ehefrau
bringt, und deine kalten Billigungen davon, mit den Opfern, die eine
Geliebte bringt, und mit deinem Enthusiasmus darüber.
		-- Jean Paul
%
Man wird in der Freundschaft und der Liebe leicht Heuchler, der
übertreibt, wenn man das stärkste Bedürfnis und Gefühl beider hat und
den Gegenstand dazu entbehrt; und doch falschen dafür sucht und nimmt.
		-- Jean Paul
%
Wie sehr auch jeder den Künstler, Philosophen, Helden achte (und ihm
sich opfern will) und den Weltwohltäter: so bringt er doch, sobald er
dessen Freund, Gatte etc. wird, nicht mehr das Allgemeine in Anschlag,
sondern nur sein bestimmtes Verhältnis; und derselbe Leser, der für
den Dichter sterben will, wird, wenn er dessen Freund, Frau etc. ist,
nicht die kleinste Unlust ihm ersparen. Selten weihen sich die
Menschen dem Allgemeinen, noch seltener opfern sie sich denen, die
sich ihm weihen. Daher frage kein Autor nach Briefen voll Lob.
		-- Jean Paul
%
Wenn ihr verbietet, das zu tadeln, was man nicht besser machen kann:
so darf man auch nicht loben, was man nicht nachmachen kann; denn das
Lob setzt die Kraft zu tadeln voraus.
		-- Jean Paul
%
Nur der steigende, nicht der stehende Ruhm erfreuet; während des
letzten sind nur die Schmerzen des angegriffnen.
		-- Jean Paul
%
Je kleiner die Stadt, desto kleiner erscheint darin der Größere; sie
hat einen zu kleinen Maßstab.
		-- Jean Paul
%
Gefallsucht und wahre Erhebung über den Schein können beide bei drei
verschiednen Außenseiten herrschen - denn es kommt eben nur auf das
Innen an -, a) bei Schön-, b) bei Mittel-, c) bei Nieder-Anzug und
Äußerliches.
		-- Jean Paul
%
Um sich besser kennenzulernen als aus den eignen Handlungen, muß man
auf die erste plötzliche Freude oder Betrüb(nis) merken, die uns bei
einem Antrag, Erzähl(ung) etc. aufsteigt und die wir gewöhnlich
schnell besiegen.
		-- Jean Paul
%
Nur der Dichter und Philosoph sieht die Torheit im Allgemeinen und
überall - der Geschäftmann sieht nur die Torheiten und Abweichungen
seines Gewerbs, seiner Kaste, der Jurist juristische; aber nicht das
allgemeine Törichte, das allen Menschen zum Grunde liegt.
		-- Jean Paul
%
Der Mathematiker, Philosoph, Linguist etc. kann, so berühmt er auch
sei, doch nicht mit seinen Gaben jedermann und augenblicklich
erscheinen; aber von einem berühmten Dichter allein fodert man die
ganze Erscheinung des Menschen; warum? - weil er immer den Menschen
schildert, und jedes beste Geschilderte sein soll - als ob er
persönlich und augenblicklich das höchste äußerlich darstellen könnte,
was er in Begeisterung schwer aus dem Innern unter den günstigsten
Verhältnissen emporhebt. vid. 14.
		-- Jean Paul
%
Ein lange Reisender kann am leichtesten in der Verblendung über seinen
Wert bei andern bleiben, weil er bei diesen nur kurz, in wenigen
Verbindungen ist und sich sein Miß[ver]hältnis nicht so steigern kann,
daß man es ihm offenbart.
		-- Jean Paul
%
Unmittelbar nach der Ausübung eines Amtes - z.B. nach Ende einer
Predigt, einer Vorlesung, einer Gassenausrufung - hat der Mensch ein
närrisches Gefühl der Selbstausdehnung und kann gar nicht wieder recht
zu seiner vorigen kleinen Zusammenfaltung kommen, wie Regenschirme
nach dem Gebrauch ausgespannt dastehen.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Ehemann oder Vater mit dem Tadel bei kleinen
un[ab]änderlichen Unannehmlichkeiten herausfährt, der, wie er selber
weiß, zu nichts nützt: so ist diese Explosion nur die kleinere eines
Fluchs, der auch nicht helfen, nur erleichtern soll.
		-- Jean Paul
%
Die Männer haben im Zorn mehr Mitleid, die Weiber vor- und nachher.
Habt ihr je eine Frau mitten im Zorne einhalten sehen?
		-- Jean Paul
%
Seltsam ist's, daß die nied(ern) Menschen noch desto mehr Tugenden
erwarten, je höher der Stand ist, und daß sie sich über die
Ausschweifungen eines Fürsten etc. wundern, anstatt sie
vorauszusetzen. Gerade im nied(ern) Stande sollte man sich über alles
Schlechte verwundern.
		-- Jean Paul
%
Am leichtesten lernst du einen Menschen kennen, wenn du ihn tadelst,
oder - da der andere Weg offner steht - wenigstens in geringerem
Grade, wenn du ihn lobst.
		-- Jean Paul
%
Kein großer Philologe hat ein poetisches oder philosophisches
Meisterstück geschaffen; man ist nur froh, wenn er seine Sprache halb
so gut schreibt, als er die fremde versteht.
		-- Jean Paul
%
Man ist dem andern, den man tadelt, ähnlicher und dem, den man lobt,
unähnlicher, als man glaubt.
		-- Jean Paul
%
Stets rechnet und berechnet der Mensch in seine Gegenwart die Zukunft
hinein. Nach dem längsten Tage spürt er nicht die halbe Freude, als er
nach dem kürzesten fühlt, weil dort die Zukunft die Verkürzungen der
Tage, hier die Verlängerungen ansagt.
		-- Jean Paul
%
Es ist der größte Irrtum, zu lebhafte Menschen (wie Messerschmidt) für
unbefangen und wahrhaft zu halten.
		-- Jean Paul
%
Eine Sache vermögen die Weiber nicht, dieselbe Drohung 12mal
hintereinander zu erfüllen.
		-- Jean Paul
%
Den allerwenigsten Menschen ist beizubringen, daß Bücher, die viele
andere nicht verstehen, von ihnen gleichfalls unverstanden bleiben.
		-- Jean Paul
%
"Daß mein Sohn immer fleißig, rechne ich ihm gar nicht an bei der
Berechnung seiner Vorzüge - ein anderer Vater würde, wenn der Sohn
sich zum Fleiß bekehrte, die Bekehrung unter die größten Vorzüge
setzen." So nehmen stets die Menschen in die Rechnung der Vorzüge
nicht einen alten langen Wert hinein, sondern erst von diesem datieren
sie die Rechnung.
		-- Jean Paul
%
Von Feinden Vorwürfe hören, lehrt und bekehrt und wirkt nicht; aber
wohl von Freunden. Ein Mann wie Emanuel kann jahrelang die härtesten
Vorwürfe seiner Feinde erfahren, sie können nicht auf ihn wirken, da
er sie verachtet und vernichtet. Aber dieselbe Rede eines
gleichgestimmten Freundes griffe anders an.
		-- Jean Paul
%
Zwei Menschen begleiten einander im Finstern gegen die
Gespensterfurcht; aber eigentlich das geheime Gefühl nicht, daß einer
dem andern gegen d(ie) Geist(er) beistehen könnte, sondern dies, daß
die Gegenwart eines Menschen die Phantasie hindert, ihre Gespenster
auszuweben und zu lebhaft auszumalen.
		-- Jean Paul
%
In der ganzen Gelehrtenhistorie noch kein Beispiel, daß in einem
Streite - z.B. Leibniz und Clarke - einer sich von dem andern für
widerlegt erklärt hätte, nicht einmal zur Hälfte widerlegt.
		-- Jean Paul
%
In Rücksicht der Geschlechtsünden scheint auch der offenste Mensch ein
Heuchler zu sein; aber bloß weil er verbirgt, was alle verbergen,
sogar das Erlaubte, und weil jeder weniger sinnlich scheinen muß, als
er ist.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Mann, der mich besucht, zeigt sich ganz anders, als wenn ich
ihn besuche. Beide Verhältnisse geben erst den Durchschnitt seines
Charakters. Ja wieder anders zeigt er sich im Begegnen auf der Reise,
wo er weder Gast noch Wirt ist, sondern nur Erdbürger.
		-- Jean Paul
%
Es ist weit mehr Heuchelei in der Welt, als man glaubt und als selber
die Heuchler glauben; denn sie halten nicht andere für Heuchler.
		-- Jean Paul
%
Zweimal lügen die Menschen, so oft sie sagen: »ich habe über soundso
viel verloren«, das zweite Mal: »ich habe weit unter 100 fl.
eingenommen.« Überall ist bei über, unter, nahe, weit und an gerade
das Gegenteil zu verstehen. Nur die gerade Zahl würde das Richtige
sein.
		-- Jean Paul
%
Das Übertreiben liebender Worte macht in der Ehe gar nicht das
Übertreiben tadelnder gut, sondern dieses Übermaß vernichtet die
Wirkung des andern; von allen Aufwallungen lassen nur die zornigen den
dickern Bodensatz.
		-- Jean Paul
%
Das erste, wornach ein Mensch bei irgendeinem Unfall sucht - sei er
durch Tiere, Materien oder Menschen geschehen -, ist ein lebend(es)
freies Wesen, dem er etwas davon schuld geben kann, um sich dann zu
rächen.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen geben auf den oben herab bellenden Hund acht, nicht auf
den unten.
		-- Jean Paul
%
Von der Glut eines jungen Autors - zumal mitten in seinen Schöpfungen
- hat gar kein Großer in seinem abmattenden und abgematteten Leben nur
einen Begriff; und jeder fürchtet sich doch vor der kräftigen
Erscheinung.
		-- Jean Paul
%
Der Veränderliche macht und findet Veränderliche gegen sich selber.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Jüngling den Taufnamen der Geliebten nicht weiß, Zeichen, daß
er sie noch nicht recht liebt.
		-- Jean Paul
%
Gerade in kleinen Städten wird der gute bescheidene Mensch am
stolzesten, weil er doch niemand hat, womit er sich vergleichen will.
		-- Jean Paul
%
Um überall geliebt zu werden, schone man nur die schwachen Seiten
d(er) Menschen; die starken schonen hälfe nichts und wäre sogar
unrecht, im Falle diese böse sind.
		-- Jean Paul
%
Man würde jedem seine Eigenheiten gern hingehen lassen, wenn er sie
nur nicht zugleich zu seinen Vorzügen adelte; erst dann fängt der
Tadel an.
		-- Jean Paul
%
Die stärksten und gefährl(ichsten) Streitigkeiten in der Ehe sind in
den ersten Jahren - teils über Kindererziehung, teils, weil die ersten
hohen Foderungen der Liebe sich noch nicht ins Gleichgewicht mit dem
Alltäglichen gesetzt haben -; später werden die Stürme kleiner und
verschwinden endlich in Ruhe oder in Gleichgültigkeit.
		-- Jean Paul
%
Man sollte glauben, da ein Leser mit solcher Teilnahme die stärksten
Liebereden zweier Liebenden aufnimmt, es müss' ihm ebenso bei dem
Anhören ähnlicher in der Wirklichkeit sein; er müsse gar vor
Entzückung nicht zu bleiben wissen, wenn er hinter einer Laube den
wahrsten Feuerstrom der Liebe anhört, oder wenn endlich der Liebende
zum Kusse gelangt. Inzwischen wird er so wenig warm davon, daß er sich
bloß erkältet. Aber der Unterschied ist: nicht bei der gehörten,
sondern nur bei der gelesenen Liebe kann er sich zum Liebhaber machen
und das Mädchen zur Geliebten. Daher kann eine gedruckte Liane
1000 Albanos beglücken - so ein gedruckter Werther 1000 Lotten.
		-- Jean Paul
%
Zur sinnlichen Liebe ist bei den meisten leicht zu gelangen; aber
schwer bei wenigen ist die rechte zu erwerben.
		-- Jean Paul
%
Wie wenig könnt ihr euch auf die moralische Kraft und Fortwirkung auch
der stärksten Empfindungen verlassen, wenn ihr die Entzückungen des
Wiedersehens und neuen Wiederliebens nach einer Abwesenheit
zusammenhaltet gegen den nächsten Frost und Zank der Gegenwart.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen denken sich, um den andern zu etwas zu überreden, nur in
dessen äußere Lage mit ihrer Seele hinein, aber nicht in dessen innere
oder Seele; daher kein Begreifen und kein Einwirken.
		-- Jean Paul
%
Nur Reisen verwandelt das Spießbürgerliche und Kleinstädtische in
unserer Brust in etwas Weltbürgerliches und Großstädtisches.
		-- Jean Paul
%
Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist.
		-- Jean Paul
%
Eine Religion nach der anderen löscht aus, aber der religiöse Sinn,
der sie alle schuf, kann der Menschheit nicht getötet werden.
		-- Jean Paul
%
Das Unglück der Erde war bisher, daß zwei den Krieg beschlossen und
Millionen ihn ausführten und ausstanden, indes es besser, wenn auch
nicht gut gewesen wäre, das Millionen beschlossen hätten und zwei
gestritten.
		-- Jean Paul
%
Im längsten Frieden spricht der Mensch nicht so viel Unsinn und
Unwahrheit als im kürzesten Kriege.
		-- Jean Paul (Friedenspredigt)
%
Nichts ist gefährlicher als zwei Menschen auszusöhnen; sie zu
entzweien ist viel sicherer und leichter.
		-- Jean Paul
%
Wenn einem Schriftsteller andere bedeutende Leute recht ihren Wert zu
zeigen suchen und des seinigen gar nicht erwähnen; so glaub er nicht,
daß sie ihn nicht achten, sondern umgekehrt glaub er, daß sie aus
Achtung für ihn, die seinige für sich zu erwerben trachten.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nur die Gegenmeinungen des andern nicht entgegengesetzt den
eignen betrachten, sondern als Meinungen für sich: so würde man sie
ebenso leicht dulden, als man allen Aberglauben der Wilden und der
Kirchengeschichte vergibt.
		-- Jean Paul
%
Dem Aberglauben wachsen die Federn, der Zufall mag ihm dienen
oder schaden.
		-- Jean Paul (Leben Quintus Fixlein)
%
Der Aberglaube ist das ungeheure, fast hilflose Gefühl, womit der
stille Geist gleichsam in der wilden Riesenmühle des Weltalls betäubt
steht und einsam.
		-- Jean Paul (Vorschule der Ästhetik)
%
Der so genannte Aberglaube verdient als Frucht und Nahrung des
romantischen Geistes eine eigne Heraushebung.
		-- Jean Paul (Vorschule der Ästhetik)
%
Der Körper ist der Panzer und Kürass der Seele. Nun, so werde
dieser vorerst zu Stahl gehärtet, geglüht und gekältet.
		-- Jean Paul (Levana)
%
Körperliche Abhärtung ist, da der Körper der Ankerplatz des Mutes
ist, schon geistig nötig.
		-- Jean Paul (Levana)
%
Nur in den Minuten des Wiedersehens und der Trennung wissen es die
Menschen, welche Fülle der Liebe ihr Busen verbarg, und nur darin
wagen sie es, der Liebe eine zitternde Zunge und ein überfließenden
Auge zu geben.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen verraten ihre Absichten nie leichter und stärker, als
wenn sie sie verfehlen.
		-- Jean Paul (Titan)
%
Der Adel kann uns in allem übertreffen, nur nicht in der Mehrheit.
		-- Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland
%
